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Geschwister in dieselbe Kita-Gruppe geben?

„Kinder müssen eigene Freundschaften aufbauen“: Pädagogin Viola Wartenberg erklärt im Interview, was dafür und was dagegen spricht, Geschwister in dieselbe Kindergarten-Gruppe zu geben


Wenn gleichgeschlechtliche Kinder sich ähnlich sehen, konkurrieren sie häufiger miteinander

Welche Vorteile hat es für ­Geschwister, wenn sie in eine Gruppe gehen?

Dem jüngeren Kind fällt es leichter, sich einzugewöhnen – besonders wenn es vorher schon beim Bringen und Holen des Geschwisters dabei war und sich alles angucken konnte. Außerdem kennt das große Geschwister die anderen Kinder und kann schnell neue Kontakte vermitteln. In schwierigen Situationen können sich die Geschwister unterstützen und Rückhalt geben. Das ältere Kind erlebt sich in der Rolle des Erfahrenen, hilft dem jüngeren und übernimmt Verantwortung. Das kann ­eine schöne Erfahrung sein.

Aber es kann auch sehr ­anstrengend für die Großen sein ...

Richtig. Diese Rolle kann das ältere Kind auch überfordern. Und wenn man ­­immer das kleinere ­Geschwister im Schlepptau hat, ­reagieren die Freunde nicht unbedingt erfreut. Ein Nachteil für ­beide Kinder ist, wenn sie häufig miteinander ver­glichen ­werden. Das passiert am ehesten bei gleichgeschlechtlichen Geschwistern, besonders wenn sie sich ähnlich sehen. Dies­e Vergleiche können die Konkurrenz verschärfen, weil die Kinder mehr um Abgrenzung voneinander kämpfen müssen.



Viola Wartenberg ist Pädagogin am Berliner Institut für Frühpädagogik

Wie geht es dem ­jüngeren Kind, wenn beide Geschwister in einer Gruppe sind?

Wenn die Kinder eine sehr enge Bindung haben, kann es sein, dass sich das Kleinere nur schwer von dem Großen lösen kann. Irgendwann sollte aber eine Loslösung ­stattfinden. Die Kleinen müssen auch lernen, ohne den ­großen ­­Beschützer klarzukommen.

Warum ist es wichtig, dass beide Kinder sich getrennt entfalten können?

Zwischen drei und sechs ­Jahren findet bei Kindern eine rasante Entwicklung statt. Gerade im Kindergarten wird viel Neues gelernt. Man kann sich ausprobieren und mal aus der Rolle fallen. Das ist viel leichter, wenn niemand dabei ist, der einen genau kennt. Außer­dem nimmt die Bedeutung von Gleichaltrigen zu. Es ist wichtig, dass Kinder ­eigene Freundschaften aufbauen.

Was sollten Eltern im Alltag beachten, wenn beide Kinder in eine Gruppe gehen?

Wenn die Kinder den ganzen Tag zusammen verbringen, ist es wichtig, dass Eltern sich mit jedem Kind einzeln befassen und ihm exklusive Zeit zugestehen. Man kann zum Beispiel abends mit jedem Kind die Erlebnisse reflektieren. Eltern sollten die Unterschiede würdigen, ohne zu vergleichen. Jedes Kind hat unterschiedliche Bedürfnisse. Das dürfen Mütter und Väter nicht vergessen. Und wenn man merkt, dass es nicht klappt: Dann sollte man sich nicht scheuen, seinen Entschluss zurückzunehmen.

Wie finden Eltern die ­richtige ­Lösung für ihre Kinder?

Sie müssen sich die Beziehung der Kinder genau ­anschauen. Wie gehen sie miteinander um? Spielen sie oft ­zusammen? Streiten sie viel? Die Rollen, die sie zu Hause haben, nehmen sie aller Wahrscheinlichkeit nach auch im Kindergarten ein. Das heißt: Konkurrieren die Kleinen zu Hause stark miteinander, werden sie dies vermutlich auch in der Kitagruppe tun. Außerdem sollten sich Eltern das Konzept des Kindergartens anschauen. In einer geschlossenen Gruppe können ­Geschwister wenig Erfahrungen unabhängig voneinander machen. In ­einer offenen Gruppe ist das besser möglich. Vor allem aber sollten Eltern auf ihr Bauchgefühl hören. Denn niemand kennt die Kinder so gut wie sie.




Bildnachweis: W&B/Privat, Image Source/ RYF

Peggy Elfmann / Baby und Familie; 28.11.2011
Bildnachweis: W&B/Privat, Image Source/ RYF

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