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Freizeit: Gartenarbeit macht Kindern Spaß

Erde schaufeln, Blumen säen, Regenwürmer finden: Für Kinder ist ein eigenes kleines Beet oft spannender als der Sandkasten


Kleine Gärtnerin – großer Spaß

Verschrumpelt und dreckig: So sehen Möhren mitunter aus, wenn sie aus der Erde kommen. Manch einer bevorzugt dann vielleicht doch die strammen Karotten aus dem Supermarkt. Kinder nicht. Jedenfalls nicht, wenn sie die Möhren selbst gesät und gezogen haben.

„Eigenhändig zu ernten ist für Kinder sehr faszinierend“, sagt Patricia Arnold von der Ilse-Demme-Gartenarbeitsschule in Berlin. Die Gärtnerin betreut regelmäßig Kindergarten- und Schülergruppen. In der Gartenschule dürfen die Kinder ihre eigenen Beete pflegen.



Selbst angebaute Karotten schmecken viiiel besser!

Erwachsene nutzen ihren Garten entweder zum Entspannen oder für den Wettstreit um die größten Zucchini der Nachbarschaft. Für Kinder bedeutet er: todesmutig einen Regenwurm anzufassen, stundenlang im Kirschbaum zu klettern, am Muttertag einen Strauß frisch erblühter Tulpen aus dem Beet zu rupfen und Mama anschließend beim Zwiebelsetzen zu unterstützen. „Kinder helfen sehr gerne im Garten. Schon Zweieinhalbjährige können mit einer kleinen Kanne beim Gießen mitmachen“, sagt Schulgärtnerin Arnold.

Noch spannender wird die Sache allerdings mit einem eigenen Stückchen Beet. Ganz alleine lässt sich das natürlich nicht bestellen, aber Kinder entwickeln schnell ein großes Verantwortungsgefühl für „ihr“ Stück Land. Ob Erde umgraben oder mit der Handkante eine Rille für die Samen ziehen, mit etwas Geduld und Mama und Papa als Assistenten werden auch Fünfjährige schon zu ehrgeizigen Gärtnern – die man ruhig einfach mal machen lassen soll.

„Häufig wollen Kinder sich alleine kümmern. Das sollten sie dürfen, auch, wenn sich abzeichnet, dass es danebengeht“, rät die Expertin. Deshalb: Für die ersten Versuche günstige Samen und junge Pflanzen wählen, damit auch noch ein zweiter Versuch möglich ist. Schulgärtnerin Arnold: „Wenn Kinder eine Erfahrung selbst machen können, lernen sie viel mehr und sind das nächste Mal umsichtiger.“

Um die kindliche Geduld nicht zu sehr zu strapazieren, sollten im Mini-Beet hauptsächlich schnell wachsende Pflanzen stehen. „Kresse ist eine gute Start-Pflanze, sie keimt rasch, und die Kinder sehen schon nach wenigen Tagen die grünen Spitzen aus dem Boden kommen“, sagt Arnold.

Sie empfiehlt zudem: Pflanzen wählen, die die Kinder schon kennen, wie zum Beispiel die Sonnenblume. Faszinierend sind auch Blumen, deren Blüten gepresst oder gegessen werden können, wie etwa die Ringelblume. Und ob Radieschen oder Tomate – Gemüse schmeckt Kindern tatsächlich besser, wenn sie es selbst ernten konnten.

Doch auch die fixesten Blüher brauchen ihre Zeit. Und so herrscht am Kinderbeet ab und zu mal Langeweile. „Zeiten, in denen nichts zu tun ist, eignen sich gut, um den Garten zu verschönern“, meint Patricia Arnold. „Kinder können Schilder für die einzelnen Pflanzen malen, eine kleine Vogelscheuche basteln oder mit hübschen Steinen ihr Beet umranden.“ So bleibt auch das Interesse am Beet und an den Planzen, die schließlich weiterhin gegossen und gepflegt werden müssen.

Verliert der Nachwuchs doch einmal die Lust, sollten die Pflanzen nicht dafür büßen. „Kümmern Sie als Eltern sich weiter um das Beet. Viele Kinder bekommen wieder Spaß am Gärtnern, wenn es etwas Neues zu sehen gibt – zum Beispiel reife Früchte“, sagt Arnold. Praktisch, wenn Pflanzen mehrmals im Jahr Früchte bekommen, wie etwa die Monatserdbeere. Auch eine Blumenauswahl, die zu verschiedenen Jahreszeiten blüht, hält kleine Gärtner bei Laune.

Gärtnerin Patricia Arnold hat für die Kinder in ihrer Schule immer auch ein paar Überraschungen parat: „Wenn sich zeigt, dass die Tomaten nicht rot, sondern gelb werden, wundern sich die Kleinen“, sagt sie. „Sie fragen sich dann, ob das Gemüse noch nicht reif ist, und machen sich Gedanken.“ Natürlich deckt die Gärtnerin das Rätsel anschließend auf, und die Mädchen und Jungen erfahren, dass bestimmte Tomatensorten nicht immer rot sein müssen.

Mini-Gärtner brauchen nicht unbedingt ein eigenes Beet. Auch auf dem Balkon und sogar auf der Fensterbank lässt sich einiges heranziehen. „Ein begrenzter Platz heißt nicht, dass hier nichts wachsen kann. Kartoffeln gedeihen zum Beispiel sehr gut in Kübeln“, erklärt Patricia Arnold. Meist fallen die Pflanzen kleiner aus, aber selbst Salat kann im Topf auf der Fensterbank ein Leben bis zur Schüssel führen. Auch den meisten Kräutern macht Zimmerluft nichts aus. Großer Vorteil im Indoor-Garten: Schnecken haben keine Chance.

Denn wenn glitschige Nacktschnecken über Nacht die Arbeit mehrerer Wochen oder gar Monate vernichten, hat das wütende und enttäuschte Kinder-Gärtner zur Folge. „So etwas kann immer passieren. Gut, wenn Eltern ihren Kindern vorher gesagt haben, dass es im Garten Tiere gibt, die mit Vorliebe junge Pflanzen fressen – so lässt sich der großen Enttäuschung etwas vorbeugen“, rät Arnold.

Und dann gibt es ja auch Tiere, die gerne Schnecken fressen. Bieten Sie Igeln, Spitzmäusen und Vögeln genügend Unterschlupfmöglichkeiten in Hecken und Bäumen, dann dezimieren sich die Schnecken auf natürliche Art.

Chemische Giftstoffe verbieten sich im Kinderbeet, so wie man generell im Garten auf sie verzichten sollte. „Verwenden Sie auch nur biologischen Dünger. Er gehört allerdings nicht in Kinderhände, hier sind die Erwachsenen gefragt“, sagt Patricia Arnold. Je naturbelassener das Pflanzenparadies ist, desto mehr werden die Kleinen es lieben.



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Julia Lüneburg / Baby und Familie; 15.06.2011
Bildnachweis: plainpicture GmbH & Co KG/Foto Images, Thinkstock/Phototdisc

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