Für Forscher und Eltern gleichsam faszinierend: Nie wieder geschieht im Leben eines Menschen derartig viel wie in den ersten zwölf Lebensmonaten. In dieser relativ kurzen Zeitspanne lernt das Baby, zu sehen und zu gehen, Beziehungen zu knüpfen und zumindest ansatzweise zu sprechen. Vor allem in den ersten drei Monaten leistet der kleine Organismus Beachtliches.
Nach der Geburt muss sich das Baby nämlich erst mal in seine Umgebung einfinden: den ersten Atemzug tun, Kreislauf und Körpertemperatur von kuscheligem Mutterleib auf deutlich kühlere Außenbedingungen umpolen. Das Verdauungssystem passt sich an. Und weil es im Uterus immer schön dunkel war, muss sich das Baby erst noch an den Unterschied von Tag und Nacht, von hell und dunkel gewöhnen.
Schon Neugeborene sind Individualisten. Deshalb sprechen Experten ungern von „normalen“ Entwicklungsschritten. Denn Kinder entfalten ihre Fähigkeiten, entsprechend ihrem Temperament und ihren erblichen Anlagen, unterschiedlich schnell. Manche können schon mit zehn Monaten ohne Hilfe durch die Gegend stapfen. Aber anstatt deutlich zu artikulieren wie das Nachbarsmädchen, bringen sie bestenfalls ein „Wauwau“ heraus.
Der Grund: Das Gehirn kann nicht alle Entwicklungsaufgaben gleichzeitig im selben Maß bewältigen. Während es also damit beschäftigt ist, ohne Wackeln und Hinfallen einen Fuß vor den anderen zu setzen, bleibt die Sprache für eine gewisse Zeit auf der Strecke. „Eltern sollten sich nicht von Konkurrenzgefühlen anstecken lassen“, rät der Tegernseer Kinderarzt Dr. Andreas Busse. Alle Angaben, wann ein Kind was können sollte, sind deshalb bestenfalls ungefähr. Ob die Entwicklung altersgerecht ist, stellt der Kinderarzt bei den Vorsorgeuntersuchungen fest. Diese regelmäßig wahrzunehmen ist ohnehin die allerbeste Frühförderung.
Lesen Sie im ersten Teil unserer Serie, wie Babys schlafen lernen.