Es juckt und brennt im Intimbereich – ein Scheidenpilz trifft die meisten Frauen mal. Manche leiden jedoch immer wieder darunter
Am Anfang ist da meist nur ein unangenehmes Kribbeln. Dann juckt und brennt es in der Scheide, die Haut im Intimbereich ist gerötet, das Wasserlassen schmerzt, und ein weißlich krümeliger Ausfluss tritt auf. Die Symptome sind jetzt offensichtlich, und die meisten Frauen wissen, was sie plagt: ein Scheidenpilz. Nahezu jede Frau bekommt einmal im Leben eine sogenannte Vaginalmykose, manche immer wieder.
Eine Pilzerkrankung ist selten gefährlich, dafür aber sehr lästig – und den meisten peinlich. Noch immer hält sich das Gerücht, ein Pilz entstehe aufgrund mangelnder Hygiene, oder es handele sich um eine Geschlechtskrankheit, die man sich bei jemandem holt. Aber: „Ein Vaginalpilz kann bei jeder Frau zu jedem Zeitpunkt auftreten“, sagt Frauenärztin Dr. Elisabeth Holthaus-Hesse aus Bremen. „Mangelnde Hygiene ist keine Ursache, und man steckt sich meistens nicht bei jemandem an.“
Bei jeder fünften Frau im gebärfähigen Alter besiedelt der Erreger die Scheide. In den meisten Fällen handelt es sich um den Hefepilz Candida albicans. Er bleibt in der Regel unbemerkt, weil er nur in geringer Zahl vorhanden ist. Außerdem existieren im Intimbereich Milchsäurebaktieren, die für das gesunde saure Scheidenmilieu sorgen. Probleme treten auf, wenn sich die Pilze vermehren, weil die körpereigene Immunabwehr geschwächt ist, die Milchsäurebakterien absterben und sich der pH-Wert in der Scheide verändert. „Frauen bekommen häufig einen Pilz, nachdem sie Antibiotika genommen haben, weil die Mittel die Milchsäurebakterien verringern“, sagt Gynäkologin Holthaus-Hesse.
Auch Stress und Sex können Auslöser für die Erkrankung sein. „Aber man bekommt den Pilz meist nicht vom Partner, wie viele meinen. Die Reibung beim Geschlechtsverkehr reizt die Schleimhäute, und so können sich Pilzsporen vermehren“, sagt die Medizinerin. Frauen, die viel schwimmen, haben ebenfalls ein höheres Risiko. Dabei ist das Schwimmbad selbst selten die Ansteckungsquelle, vielmehr weicht das viele Baden die Schleimhaut auf und macht sie so weniger widerstandsfähig.
Gerade wer häufiger an einer Pilzinfektion leidet, sollte ein paar Dinge beachten. Hier die Tipps unserer Expertinnen:
Tragen Sie luftdurchlässige Unterwäsche aus Baumwolle. Synthetikwäsche, Slipeinlagen, zu enge Jeans und Strumpfhosen aus Kunstfasern können zu einem Wärme- und Feuchtigkeitsstau führen, deshalb besser darauf verzichten.
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Waschen Sie Ihre Unterwäsche, Handtücher und Nachtwäsche bei mindestens 60 Grad, so werden die Pilze zuverlässig abgetötet.
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Keine übertriebene Hygiene im Intimbereich! Meiden Sie parfümierte Lotionen oder Seifen. Am besten waschen Sie sich mit klarem Wasser oder einer milden Waschlotion auf Milchsäurebasis (aus der Apotheke).
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Nach jedem Toilettengang von vorne nach hinten säubern, sonst können Pilze aus dem Darm in die Scheide eindringen.
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Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Wer viel Süßes isst, verändert das Milieu im Darm. Damit besteht eine höhere Gefahr, dass Pilze sich vermehren.
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Elisabeth Holthaus-Hesse ist Gynäkologin in Bremen und stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes der Frauenärzte
Auch Schwangere sind häufiger betroffen. Durch die Hormonumstellung ändert sich der pH-Wert in der Scheide und bietet Pilzen bessere Wachstumsbedingungen. Bei etwa jeder Dritten ist die Scheide vermehrt mit Hefepilzen besiedelt – und sollte dringend behandelt werden. „Die Pilze können dazu führen, dass sich andere Bakterien ausbreiten und eine Frühgeburt auslösen“, erklärt die Ärztin. Wird eine Pilzerkrankung nicht behandelt, kann sie während der Geburt auf das Baby übergehen und bei ihm zum Beispiel Soor im Mundbereich verursachen.
Was also tun gegen das lästige Brennen und Jucken? „Wer es zum ersten Mal hat oder unsicher ist, ob es wirklich ein Pilz ist, sollte zur Frauenärztin gehen“, rät Holthaus-Hesse. Wer die Symptome dagegen genau kennt, kann den Pilz selbst behandeln – und das am besten so früh wie möglich. „Das Standardmittel ist eine Kombination aus Zäpfchen und Creme, meist mit dem Wirkstoff Clotrimazol oder Nystatin“, erklärt Apothekerin Petra Kolle aus Hamburg. Diese Antimykotika gibt es rezeptfrei in der Apotheke. Sie werden als Ein-, Drei- oder Sechs-Tages-Präparate angeboten, je nach Stärke der Beschwerden.
Wichtig, so Kolle: „Um den Pilz wirksam zu behandeln, sollte man die Mittel über den angegebenen Zeitraum nehmen.“ Dabei gilt: die Zäpfchen abends vor dem Schlafengehen mit dem Applikator tief einführen, die Salbe dreimal täglich auf den Schamlippen verteilen. Tritt nach drei Tagen keine Besserung auf, sollten Sie zur Frauenärztin. Meist haben die Beschwerden andere Ursachen. Eventuell kann es helfen, sich eine andere Antibabypille verschreiben zu lassen.
Für Schwangere gilt: immer erst zum Frauenarzt! Denn nur er kann einen Abstrich machen und sicher diagnostizieren, ob es sich wirklich um einen Pilz handelt. Die Ärztin verschreibt dann ein entsprechendes Mittel. Im ersten Drittel der Schwangerschaft werden eher Nystatin-Präparate empfohlen, im zweiten und dritten Drittel solche mit Clotrimazol. „Die Zäpfchen und Salben haben keine negativen Effekte auf das Ungeborene“, so Apothekerin Petra Kolle. „Gefährlicher wäre es, die Erkrankung nicht zu behandeln.“
Naturjoghurt als Heilmittel – diesen Tipp bekommen Frauen häufig, doch bringt es tatsächlich etwas? „Wenn es sich um eine Pilzerkrankung handelt, dann reicht das nicht“, erklärt Ärztin Holthaus-Hesse. „Aber bei leichten Irritationen im Intimbereich kann diese Methode durchaus helfen.“ Einfach einen Tampon in Naturjoghurt tauchen und ein, zwei Stunden in der Scheide lassen. „Sobald die Beschwerden stärker werden, hilft nur ein Medikament“, sagt Apothekerin Kolle. Um nach einer Pilzerkrankung wieder ein gesundes Scheidenmilieu aufzubauen, empfiehlt sie Vaginalzäpfchen mit Milchsäurebakterien, die täglich in die Scheide eingeführt werden.
Peggy Elfmann / Baby und Familie;
19.12.2011
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Bettina Conradi, Corbis/Newmann/zefa
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