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Eiterflechte: Eine Hautinfektion, die vor allem Kinder trifft

Mediziner nennen sie Impetigo contagiosa, umgangssprachlich wird die Erkrankung Eitergrind, Borkenflechte oder Grindblasen genannt. Wie es dazu kommt und wie Ärzte das Leiden therapieren


Die Eiterflechte (Impetigo contagiosa) tritt häufig bei Kindern auf

Der warme Sommer ist die Lieblingsjahreszeit so mancher Bakterien. Auch die Ausbreitung der Impetigo contagiosa, besser bekannt als Grind- oder Eiterflechte, hat in den heißen Monaten des Jahres aufgrund der günstigen Lebensbedingungen der verantwortlichen Keime ihren Höhepunkt. Bei dieser äußerst ansteckenden Krankheit handelt es sich um eine bakterielle Infektion. An den befallenen Hautstellen bilden sich Bläschen, die Flüssigkeit oder Eiter enthalten (Pusteln) und im weiteren Verlauf verkrusten.

Die Eiterflechte kann zwar in allen Altersgruppen auftreten, aber hauptsächlich sind Kinder davon betroffen. „Je jünger die Kinder sind, desto öfter kommt das vor", sagt Dr. Josef Kriesmair, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde in München.


Symptome der Eiterflechte

Die Flechte kann am ganzen Körper auftreten, hauptsächlich sind aber das Gesicht – vor allem der Bereich um Mund und Nase – sowie Arme und Beine betroffen. Zunächst kommt es zu Hautrötungen und zur Bildung von kleinen, mit Flüssigkeit oder Eiter gefüllten Pusteln. Diese können schon zu Beginn unangenehm jucken. Die Gefahr gerade bei kleinen Kindern: Wenn sie sich die Blasen aufkratzen, werden wiederum erneut Keime freigesetzt, welche die Ausbreitung auf weitere Körperstellen erst ermöglichen.

Brechen die Pusteln durch Kratzen auf oder platzen sie, beginnt die gerötete Haut darunter zu nässen. Wenn die Bläschen im Verlauf der Infektionskrankheit eintrocknen, bilden sich honigfarbene bis braune Krusten, welche ebenfalls unangenehm jucken können. Je nach Form des Ausschlags können auch nahegelegene Lymphknoten anschwellen und leichtes Fieber auftreten.

Ursprung der Impetigo contagiosa

„In der Regel ist die Impetigo contagiosa eine Zweitinfektion“, erklärt Kriesmair. Das bedeutet: Die Keime befinden sich oftmals bereits auf der Haut, sind aber noch nicht krankheitserregend. Erst durch offene Wunden wie eingerissene Mundwinkel, Ekzeme oder Kratzer, die zu kleinen Einrissen in der Haut führen, können Eiterflechten-Bakterien in den Körper gelangen. Besonders gefährdet sind dabei natürlich Kinder mit Neurodermitis.

Bei der Impetigo contagiosa unterscheiden Mediziner zwischen dem kleinblasigen und dem großblasigen Typ. Staphylokokken (vorwiegend Staphylococcus aureus) sind die hauptsächlichen Erreger beider Varianten, aber auch Mischformen, bei denen Streptokokken mit dabei sind, können die Grindflechte verursachen.

Eiterflechte: So verläuft die Ansteckung

Bei der Eiterflechte handelt es sich um eine Schmierinfektion. Deswegen ist die Ansteckungsgefahr in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Krippen, Schulen oder auch Sportvereinen besonders hoch. Kinder, die unter dem Ausschlag leiden, müssen unbedingt für die Dauer der Erkrankung von diesen Einrichtungen fern bleiben.

Wichtig sind zudem natürlich allgemeine Hygienemaßnahmen. Dazu zählt, das Kratzen tunlichst zu vermeiden. Tipp: Den Kindern die Fingernägel für diese Zeit ganz kurz schneiden und rund abfeilen, um die Gefahr des Aufkratzens zu minimieren. Außerdem gilt: Die Kinder müssen sich häufig die Hände waschen. Auch die Kleidung, Bettwäsche und Handtücher der Kleinen sollten nach dem Tragen oder Benützen bei möglichst hohen Temperaturen gewaschen werden. Da auch eine indirekte Übertragung möglich ist, müssen Erkrankte eigenes Geschirr bekommen und dürfen keine Kleidung mit anderen teilen.

Ist ein Familienmitglied an Impetigo erkrankt, gilt eine erhöhte Vorsicht. Achten Sie besonders darauf, ob die Geschwisterkinder Insektenstiche oder offene Eintrittsstellen auf der Haut aufweisen. Denn oftmals kann dann schon eine banale Handlung wie das Naseputzen oder das Benützen der Toilette zu einer Ansteckung führen. Grund zur Panik besteht aber nicht. Wenn die Hautoberfläche gesunder Kinder vollkommen geschlossen ist – also keine potenziellen Eintrittsstellen vorhanden sind und das Immunsystem intakt ist – erkranken andere Familienmitglieder nicht unbedingt automatisch.

Verlauf der Infektion

Die Inkubationszeit variiert stark und kann zwischen zwei und zehn Tagen liegen. Als infektiös gilt die Impetigo contagiosa „bis keine ansteckungsfähigen Keime mehr vorhanden sind. Die Wunden müssen dazu richtig geschlossen und abgeheilt sein,“ erklärt Kinderarzt Kriesmair.

Halten Betroffene alle hygienischen Maßnahmen in Kombination mit der medikamentösen Behandlung strikt ein, bleiben in der Regel keine Folgeschäden, und die Krusten fallen irgendwann von der inzwischen gesundeten Haut ab. In seltenen Fällen kommt es aber doch zu Langzeitfolgen. Fünf Prozent aller Patienten mit der Streptokokken-Version leiden nach der Infektion an einer Nierenentzündung.

Therapie: Wie wird die Eiterflechte behandelt?

Neben den bereits geschilderten hygienischen Vorkehrungen wird der Kinderarzt nach der klinischen Diagnose (Abstrich) – aber auch den subjektiven Beschwerden der kleinen Patienten – entscheiden, welche Medikamente zur Therapie geeignet sind. Bei leichteren Fällen sollten Lokalantibiotika oder Antiseptika, welche die Bakterien abtöten, zum Einsatz kommen.

Bei Infekten, die mehr in die Tiefe gehen und wo die Streuherde weiter ausgebreitet sind, empfiehlt Kriesmair eine systemische Behandlung mit Antibiotika – bei Kindern in Form von Saft oder Tabletten. Das gilt umso mehr, je jünger die Kinder sind. "Gerade Säuglinge sind gefährdet“, sagt Kriesmair.

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp für zuhause: Das Einweichen der betroffenen Stellen in warmem Salzwasser oder mit Salizylvaseline löst den Schorf und lindert den Juckreiz. (Vorher den Arzt fragen!)




Bildnachweis: W&B/Silvia Lammertz

Sandra Schmid / www.baby-und-familie.de; aktualisiert am 31.07.2013, erstellt am 02.08.2011
Bildnachweis: W&B/Silvia Lammertz

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