Erst hustet Kind eins, zwei Tage später Kind zwei. Dann liegt die Mutter flach und kurz darauf der Vater. Wenn sich Kind eins erholt hat, geht der Spuk von vorne los: Eine Erkältung in der Endlosschleife, einfach zum Verzweifeln. Lästig, das ständige Schniefnasen abwischen! Doch zwölf banale Infekte im Jahr sind für Kinder normal, sagen Experten. Denn das Immunsystem trainiert noch, hat noch nicht gelernt, diverse Viren und Bakterien zu erkennen und anschließend zu bekämpfen.
„Neugeborene verfügen bis etwa zum achten Lebensmonat über einen Nestschutz. Sie haben die Antikörper gegen manche Erkrankungen schon im Mutterleib und dann über das Stillen erhalten“, erklärt Dr. med. Martin Lang, Kinder- und Jugendarzt aus Augsburg. Ab etwa acht Monaten lässt der Nestschutz aber nach. Das Immunsystem der Babys muss jetzt selbst lernen, mit Angriffen fertig zu werden.
Die Erkältungswelle rollt spätestens dann, wenn die Kleinen in die Kita gehen und mit unbekannten Keimen Bekanntschaft machen. Die gute Nachricht: „Kleinkinder kommen mit Infekten in der Regel gut und schnell zurecht“, erklärt Dr. med. Barbara Oberneder, Kinderärztin aus Planegg bei München. Je nachdem, welches Virus das Kind befallen hat und wann und ob es dem Immunsystem gelingt, dagegen anzukämpfen, „zeigen sich Symptome in unterschiedlicher Länge, mal als Dreitagefieber, mal als einwöchiger Infekt mit Schnupfen und Husten“, sagt die Expertin.
Dass es auch die Eltern so häufig erwischt, hat seinen Grund: „Schlafmangel und Stress greifen das Immunsystem an – und darunter leiden Eltern mit kleinen Kindern häufiger“, so Oberneder. Mit Eintritt in die Schule ist der Spuk meist vorbei. Das Immunsystem der Kinder ist dann so stark, dass sie nicht mehr jeder Infekt umhaut.
Was also tun, wenn es die Familie ständig erwischt? Prof. Ronald Eccles, Direktor eines Forschungszentrums für Erkältungskrankheiten in Cardiff, Großbritannien, erforscht, wie sich Schnupfenviren bekämpfen lassen und ob sich mit Medikamenten der Krankheitsverlauf verkürzen lässt.
„Die Datenlage dazu ist schlecht“, sagt er. Unter anderem hängt es damit zusammen, dass es viel mehr erkältete Menschen gibt, als wir glauben. „Für jeden, der Krankheitszeichen hat, laufen zwei bis drei herum, die ebenfalls das Virus in sich tragen, aber nichts davon spüren“, erklärt er.
Warum wir manchmal krank werden und manchmal nicht, hat viele Ursachen. Eine davon: Jetzt, im Herbst und im Winter, hat das Immunsystem vermehrt Stress. „Wir atmen kalte Luft ein, das verzögert bestimmte Immunprozesse, etwa in der Nasenschleimhaut“, erläutert Forscher Eccles. Sie kann dann Erreger nicht mehr so gut abwehren – die Viren haben leichteres Spiel.
Im Sommer dagegen, mit viel UV-Licht, kommen Erkältungen deutlich seltener vor. „Wir vermuten, dass der Körper durch das Sonnenlicht mehr Vitamin D produziert, das wiederum an der Abwehr beteiligt ist“, so Eccles. Da hilft nur: das Immunsystem stärken. Auf den folgenden Seiten verraten Experten ihre ganz persönlichen Tipps – für einen gesunden Herbst.
Julia Schulters und Anne Bärbel Köhle / Baby und Familie;
02.11.2010, aktualisiert am 25.10.2011
Bildnachweis: W&B/Forster & Martin
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