Viele Impfungen bekommt man schon als Baby. Aber der Impfschutz hält nicht automatisch ein Leben lang
Frau Hellenbrand, sind wir Deutschen impffaul?
Nein. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern bewegen wir uns im Mittelfeld. 2008 haben bei einer Telefonumfrage rund 75 Prozent der erwachsenen Teilnehmer angegeben, dass sie in den vergangenen zehn Jahren gegen Tetanus immunisiert wurden. Das ist mehr als noch vor einigen Jahren. Trotzdem sind immer noch viele Erwachsene nicht ausreichend geimpft.
Wieso lassen sich manche nicht impfen?
Viele gehen unregelmäßig zum Arzt und vergessen so ihre Auffrischungsimpfungen. Andere unterschätzen eine Ansteckung.
Wogegen sollte man denn geimpft sein?
Im Kindes- und Jugendalter sollte jeder eine Grundimmunisierung gegen Diphtherie, Tetanus, Polio, Keuchhusten, Masern, Mumps und Röteln bekommen haben. Viele Erwachsene haben keinen ausreichenden Masernschutz. Sie sollten ihn überprüfen. Für Personen, die in ferne Länder reisen, und für bestimmte Risikopersonen sind auch weitere Impfungen sinnvoll.
Was sollten Risikogruppen beachten?
Frauen mit Kinderwunsch sollten sich schon vor der Schwangerschaft vergewissern, ob sie gegen Windpocken und Röteln immun sind. Die Ständige Impfkommission rät jetzt auch werdenden Müttern, sich gegen Grippe impfen zu lassen – in der Regel aber erst ab dem vierten Schwangerschaftsmonat. Personen ab 60 Jahren wird eine Grippe- und eine Pneumokokken-Impfung empfohlen.
Welche Impfungen müssen denn regelmäßig aufgefrischt werden?
Der Schutz gegen Diphtherie und Tetanus muss alle zehn Jahre erneuert werden. Dabei sollten Erwachsene bei der nächsten fälligen Auffrischung auch gegen Keuchhusten geimpft werden. Menschen mit Kontakt zu Säuglingen wird diese Impfung sowieso alle zehn Jahre empfohlen. Der Grippeschutz muss jährlich erneuert werden.
Welche Gefahr geht von Impf-Muffeln aus?
Wenn sich Schwangere bei ihnen mit Röteln oder Windpocken anstecken, kann das ungeborene Kind stark geschädigt werden. Ein Problem ist auch der Keuchhusten. Eltern und Großeltern verpassen häufig ihre Auffrischung. Und bei Erwachsenen wird der Keuchhusten oft nicht erkannt, weil er bei ihnen milder verläuft als bei Kindern. Die Folge: Sie erkranken unbemerkt und stecken Säuglinge an, die in den ersten Monaten noch keinen Schutz haben. Für Babys kann so eine Infektion lebensgefährlich sein.
Unsere Expertin:
Dr. Wiebke Hellenbrand arbeitet im Fachbereich Impfprävention am Robert-Koch-Institut in Berlin.
Julia Schulters / Baby und Familie;
07.12.2010, aktualisiert am 15.05.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Christine Schneider
Apotheken Umschau mit den Themen Krankheiten von A-Z>, Symptome, Medikamentencheck, Laborwerte, Heilpflanzen, Hausapotheke, Abnehmen, Gesundheitsvideos, Arzt- Apothekensuche, Gehirn-Jogging und Sport
Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit