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Bei welchen Problemen mit den Geschlechtshormonen bleibt der Eisprung aus?

Welche Probleme bei den Geschlechtshormonen und/oder deren „Steuerung“ führen zum Ausbleiben der Eisprünge? Wie werden diese Störungen festgestellt und behandelt? Aus der "Experten-Sprechstunde Schwangerschaft-Geburt-Stillen"


1 Eierstöcke; 2 Hirnanhangsdrüse; 3 Hypothalamus. Niedriges Östrogen regt die Hypophyse an, das Hormon FSH zu bilden; es fördert die Ei-Reifung im Eierstock. Nach dem Östrogen"gipfel" / Eisprung unterstützt das Hormon LH die Bildung von Gelbkörperhormon im Eierstock (siehe auch Text)

Es werden hauptsächlich vier Formen der Unterfunktion der Eierstöcke als Hormondrüse (Ovarialinsuffizienz) unterschieden:

1. Hypogonadotrope Ovarialinsuffizienz:

Vollständiges Ausbleiben der Regelblutung wird oft durch einen Ausfall der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) verursacht. Die Hirnanhangsdrüse produziert unter anderem zwei Hormone: das Follikel-stimulierende Hormon (FSH) und das Luteinisierende Hormon (LH). Dafür, dass diese beiden in richtiger Menge und zum richtigen Zeitpunkt gebildet werden, ist wiederum das so genannte Gonadotropin-freisetzende Hormon (GnRH) verantwortlich, das im übergeordneten Hypothalamus des Gehirns gebildet wird. Der Hypothalamus schüttet sein Hormon GnRH normalerweise in regelmäßigen Pulsen aus. Die Hirnanhangsdrüse ist nur dann in der Lage, ihre Hormone LH und FSH zu produzieren, wenn sie die richtigen "Kommandos" vom Hypothalamus bekommt. Ist dies nicht der Fall, wird FSH und LH nur noch in sehr geringen Mengen ausgeschüttet („hypogonadotrope“ Situation), und die Eierstöcke erhalten kein ausreichendes Signal zur Ausreifung von Eizellen. Damit finden auch keine Östrogenproduktion und kein Eisprung statt.

Die betroffene Frau ist meist deutlich untergewichtig oder befindet sich in einer extremen Stresssituation, etwa in einem Examen, oder sie betreibt Leistungssport. Gewichtszunahme wäre zum Beispiel ein wichtiger therapeutischer Schritt. Eine Eizellreifung kann durch eine vorsichtige Gabe von LH und FSH durch tägliche Spritzen oder die Gabe des Steuerhormones GnRH mittels einer Boluspumpe unter ärztlicher Kontrolle erreicht werden. Eine Boluspumpe gibt zu genau definierten Zeiten oder Intervallen bestimmte Hormone an den Körper ab. Das nennt man eine Bolusgabe. Um eine Zystenbildung (Überstimulation) des Eierstockes frühzeitig genug zu erkennen, werden regelmäßig Ultraschall-Untersuchungen durchgeführt.

2. Hypergonadotrope Ovarialinsuffizienz:

LH und FSH sind deutlich erhöht; das heißt die Hirnanhangsdrüse versucht sehr stark, die Eizellen in einem Eierstock zum Wachstum anzuregen, der jedoch seine Funktion vorübergehend oder langfristig eingestellt hat. Die Diagnose erfolgt über eine Hormonanalyse. Wenn der Arzt oder die Ärztin erbliche Ursachen annimmt, wird eine genetische Untersuchung angeschlossen.

Fällt – wie bei dieser Störung gegeben – der Eierstock als Bildungsort der Eizelle aus, kann ein Eizellwachstum über eine Gonadotropinstimulation kaum erreicht werden. Die Aussichten, diese Störung zu behandeln, sind daher nicht sehr gut. Leider nimmt die Anzahl der Frauen mit dieser hormonellen Störung zu, denn sie ist eindeutig mit dem steigenden Lebensalter verknüpft. Tatsächlich denken inzwischen viele Frauen erst zu einem relativ späten Zeitpunkt an die Familienplanung.

3. Hyperprolaktinämische Ovarialinsuffizienz:

Die Funktion des Eierstockes kann durch die vermehrte Freisetzung des sogenannten Laktations- oder "Milch-"Hormons Prolaktin, das den Milcheinschuss und -austritt aus der Brustdrüse in Gang bringt, gestört werden. Das Prolaktin wird – wie auch LH und FSH – in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet. Eine erhöhte Produktion kann auf einen Hypophysentumor hinweisen. Tumoren, die Prolaktin bilden, sogenannte „Prolaktinome“, sind meist gutartig. Klarheit bringt eine Magnetresonanztomografie des Gehirns. Fast immer kann es mithilfe von Tabletten, die den Prolaktinspiegel senken, wieder zu einer regelmäßigen Eierstocksfunktion kommen, Operationen sind heute kaum noch notwendig.

4. Hyperandrogenämische Ovarialinsuffizienz:

Zu dieser Störung wird das Syndrom der polyzystischen Ovarien (PCOS) gezählt. Informationen über Diagnostik und Therapie finden Sie bei den Fragen „Was ist die häufigste Ursache ungewollter Kinderlosigkeit?“ und „Was sind eigentlich polyzystische Ovarien?“ aus der "Experten-Sprechstunde Schwangerschaft..." (Übersicht siehe rechts oben).

 

 

Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Kissler, Experte der "Sprechstunde Schwangerschaft-Geburt-Stillen", in der Sie viele Fragen und Antworten rund um das Thema Schwangerschaft finden.



Diese Informationen enthalten nur allgemeine Hinweise und dürfen nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Sie können einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Kissler / surfmed / www.baby-und-familie.de; 21.01.2008, aktualisiert am 24.01.2012
Bildnachweis: CreativeCollection/RYF

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