Homöopathie für die ganze Familie: Magen und Darm

Es grummelt, rumort, und der Bauch krampft sich zusammen. Homöopathische Globuli können helfen, alles wieder in Balance zu bringen – hier die wichtigsten Mittel für Eltern und Kinder
von Gabriele Hellwig, aktualisiert am 31.07.2017

Bei Blähungen kann dem Baby Homöopathie helfen – oder eine Bauchmassage

W&B/Christine Beckmann

Wichtig: Fragen Sie zuvor unbedingt ihren Arzt, ob die Homöopathie in Ihrem Fall infrage kommt. Auch hinter vermeintlich harmlosen Beschwerden können sich ernste Krankheiten verbergen. Eine komplementäre Heilmethode stößt dann oft an ihre Grenzen. Sie kann eine schulmedizische Therapie begleiten, aber häufig nicht ersetzen. Klären Sie dies mit Ihrem Arzt ab. Homöopathie ist eine komplementäre Heilmethode, die bisher wissenschaftlich nicht anerkannt ist. Mehr über die Methode der Homöopathie lesen Sie hier.


Blähungen

Typische Symptome: Das Baby schreit oft und ist quengelig. Blähungen treten häufig in den ers­ten drei Monaten auf.

Homöopathische Mittel:
Okoubaka (westafrikanische Baumrinde) C 6 wird von Homöopathen eingesetzt, um die Nahrung besser verdauen zu können und weniger Blähungen zu entwickeln. 

Colocynthis (Koloquinte) C 30 empfehlen Homöopathen, wenn das Kleine die Beine anzieht. "Eine Bauchmassage bekommt dem Baby ebenfalls sehr gut", sagt Dr. Sigrid Kruse, die den Bereich Homöopathie im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München leitet.

Belladonna (Tollkirsche) C 30 sehen Homöopathen für Kinder vor, die ihre Beine lieber ausstrecken und heftig schreien.

Dosierung: Die Dosierung ist abhängig von der Potenzhöhe: Bei C 6 können für ein bis zwei Wochen dreimal täglich drei Globuli gegeben werden. C 30 sollte nur als Einmalgabe in akuten Situationen verwendet und maximal 3 Tage lang gegeben werden. Bei akuten Beschwerden kann man auch drei Globuli C 30 in einem halben Glas Wasser auflösen, zehnmal umrühren und davon einen Teelöffel geben – maximal alle fünf Minuten. Wenn die Beschwerden nach der dritten bis vierten Gabe nicht besser werden, bitte unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Wann zum Arzt: Wenn Fieber, Durchfall oder Erbrechen dazukommen. Wenn sich das Baby nicht beruhigen lässt. Manchmal handelt es sich dabei um sogenannte Regulationsstörungen. Dann helfen zum Beispiel Experten in einer Schreiambulanz.

 

Verstopfung

Typische Symptome: Der Stuhl ist meist hart und kann nur mit Anstrengung ­­herausgepresst werden. Völlegefühl und allgemeines Unwohlsein treten auf.

Bewährte homöopathische Mittel:
Calcium carbonicum (Austernkalk) D 30 hat sich laut Homöopathen besonders für rundliche, pflegeleichte Kinder bewährt. Sie essen und gedeihen gut, haben aber nur selten Stuhlgang.
Nux vomica (Brechnuss) C 6 eignet sich laut Homöopathen für Menschen, die sich wenig bewegen und viel Stress haben. "Bei Erwachsenen handelt es sich um den Managertyp, der viel Aufregung hat. Bei Kindern sind es diejenigen, die zu Wutanfällen neigen", erklärt Kruse. 

Silicea (Kieselsäure) C 6 empfehlen Homöopathen für zarte, schüchterne Kinder. Es fühlt sich an, als ob der Stuhl ein Stück herauskommt und wieder zurückschlüpft.

Dosierung: In der Dosierung C 6 dreimal täglich 3 Kügelchen. C 30 bei länger bestehender Situation nur einmal pro Woche, zum Beispiel jeden Sonntag einmalig drei Globuli.

Wann zum Arzt: Insbesondere bei blutigem Stuhl. Aber auch anhaltende Verstopfung kann bei Kindern chronisch werden und eine medizinische Abklärung sowie möglicherweise eine langwierige Behandlung erfordern.

 

Durchfall

Typische Symptome: Der Stuhl ist nicht fest und geformt, sondern ­breiig oder flüssig. Auch Bauchschmerzen können hinzukommen.

Die wichtigste Therapie beim akuten Durchfall ist die Flüssigkeitsgabe von Tee, Wasser oder Rehydratationslösung in kleinen Schlucken.

Bewährte homöopathische Mittel:
Okoubaka (westafrikanische Baumrinde) C 6 empfehlen Homöopathen bei leichten Magen-Darm-Infektionen, nach ungewohnter Kost oder einer Antibiotika-Behandlung.
Phosphorus (Phosphor) C 30 kann man laut Homöopathen bei akuter Magen-Darm-Infektion nehmen, wenn das Kind erbricht, sobald es etwas gegessen oder getrunken hat. 

Arsenicum album (weißes Arsenik) C 30 ist das homöopathische Mittel der Wahl bei stärkeren Durchfällen – ergänzend zu einer schulmedizinischen Therapie. Das Kind ist schlapp und erschöpft, erbricht und hat Durchfall nach jeder Flüssigkeitsaufnahme. Kinder sind unruhig und möchten nicht allein sein.

Dosierung: In der Dosierung C 30 einmal 3 Globuli. Sie können auch in Wasser aufgelöst ­werden (siehe Dosierung Blähungen). Bei C 6 können für ein bis zwei Wochen jeden Tag dreimal drei Globuli gegeben werden.

Wann zum Arzt: Bei starken Durchfällen möglichst schnell. Vor allem, wenn das Kind noch ­unter einem Jahr alt ist.

 

Übelkeit/Erbrechen

Typische Symptome: Unwohlsein mit Übelkeit, Würgen und schließlich Erbrechen des Mageninhalts. Mal hat man etwas Falsches gegessen, mal ist es Zeichen für eine Magen-Darm-Infektion. Bei anhaltendem Erbrechen ohne Durchfall kann es auch Zeichen für akuten Hirndruck sein. Dann ist auf jeden Fall der Arzt gefragt.

Bewährte homöopathische Mittel:
Pulsatilla (Küchenschelle) C 6 ist das homöopathische Mittel der Wahl, wenn ein Kind zu viel durcheinander gegessen hat, es blass, durstlos und weinerlich ist und es mehrfach aufstoßen muss.

Nux vomica C 6 ist laut Homöopathen angezeigt bei Völlegefühl und Drücken im Bauch, besonders nach dem Essen, auch nach zuviel Essen. Das Kind hat eine Abneigung gegen die gewohnten Speisen und gegen Fleisch. Betroffene sind reizbar und schnell wütend.

Phosphorus (Phosphor) C 30 empfiehlt sich laut Homöopathen als ergänzendes Mittel zur schulmedizinischen Therapie bei heftiger Übelkeit mit Erbrechen. Dr. Kruse: "Das Kind erbricht, sobald es etwas getrunken hat und möchte nach dem Erbrechen gleich wieder etwas trinken."

Dosierung: Je nach Potenz: Von C 6 können für etwa eine Woche dreimal täglich drei Kügelchen genommen werden. C 30 nur als Einmalgabe von einmal drei Globuli, danach eventuell drei Globuli in einem halben Glas Wasser auflösen, zehnmal umrühren, und bei Beschwerden (Schmerzen oder nach jedem Durchfall) einen Teelöffel geben.

Zum Arzt: Je kleiner das Kind, desto eher sollten Eltern mit ihm einen Arzt aufsuchen. Bei starkem Erbrechen sollte es unbedingt ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, Elektrolyt-Lösungen aus der Apotheke gleichen den Mineralstoffverlust aus. Auch bei Begleitsymptomen wie Durchfall, Fieber und Schmerzen.

 

Reiseübelkeit/Schwangerschaftserbrechen

Typische Symptome: Bei einigen Menschen treten Übelkeit und ­Erbrechen durch die Bewegungen des Fahrzeugs auf.

Bewährte homöopathische Mittel: 

Cocculus (Kokkelskörner) C 30 empfehlen Homöopathen bei Reiseübelkeit. Typisch ist häufiges Aufstoßen. Tipp: Bereits vor Reiseantritt nehmen. Das Mittel eignet sich auch bei Übelkeit in der Schwangerschaft, dann allerdings eine Darreichungsform ohne Alkohol wählen.

Veratrum album (Weißer Germer) C 30 können laut Homöopathen Menschen ergänzend zur schulmedizinischen Behandlung einnehmen, die sich richtig elend fühlen. Ihre Haut ist dann blass und kaltschweißig.

Dosierung: Einmal drei ­Globuli. ­Danach können drei weitere Globuli in einem halben Glas Wasser aufgelöst, zehnmal umgerührt und teelöffelweise gegeben werden.

Wann zum Arzt: Bei ­extremer Übelkeit immer.

 

Dr. Sigrid Kruse leitet den Bereich Homöopathie im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München

W&B/Achim Graf

Globuli: Was soll man bei der Einnahme beachten?

Dr. Sigrid Kruse: "Vor der Anwendung sollte man sich die Beschreibung zu jedem Mittel genau wie bei anderen Arzneien gut durchlesen. Es empfiehlt sich, die Kügel­chen langsam im Mund zergehen zu lassen. Einige ­­Minuten vor und nach der Einnahme der ­Arznei sollte nichts getrunken oder gegessen werden. Man kann die Globuli auch in Wasser auflösen. Dann zehnmal umrühren und davon jeweils einen Teelöffel nehmen."


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