Wenn das Kind krank ist, wünschen sich viele Eltern eine sanfte Medizin für ihr Kleines – sie setzen daher auf Homöopathie. Eine repräsentative Umfrage von Baby und Familie zeigt: Knapp 24 Prozent der Eltern mit Kindern unter drei Jahren behandeln ihren Nachwuchs auch mit Globuli. Und der Informationsbedarf ist hoch. Zu kaum einem anderen Thema erreichen uns so viele Anfragen von Leserinnen. Mit der Serie „Homöopathie für Babys und Kleinkinder“ greifen wir dieses Interesse auf. In sechs Folgen erfahren Sie, bei welchen Symptomen Sie welche Mittel einsetzen können. Zusammengestellt hat sie der Homöopath und Facharzt für Allgemeinmedizin Dr. Markus Wiesenauer aus Weinstadt bei Stuttgart.
Dr. Markus Wiesenauer ist Allgemeinmediziner, Homöopath und Autor des Buches „Homöopathie in Schwangerschaft und Babyzeit“
Grundsätzlich gilt: Je jünger das Kind, desto eher sollten Sie mit ihm zum Arzt gehen. „Gerade bei einem Neugeborenen sollte man kein Risiko eingehen“, betont Markus Wiesenauer. „Mit homöopathischen Mitteln kann man dann zusätzlich die Gesundheit des Kindes stärken.“
Wie Homöopathie wirkt, wissen Experten nicht genau. Die Therapie beruht auf der Theorie „Ähnliches möge mit Ähnlichem geheilt werden“. Das bedeutet: Ein Wirkstoff, der bei einem Gesunden bestimmte Reaktionen – zum Beispiel eine Entzündung – hervorruft, heilt diese beim Kranken. Dabei wird das Mittel im Extremfall so verdünnt, dass die ursprüngliche Wirksubstanz nicht mehr nachweisbar ist. Homöopathen gehen davon aus, dass die Information des Wirkstoffs jedoch in dem Mittel bleibt und die Selbstheilungskräfte des Körpers anregt.
Krämpfe im Bauch
Dreimonatskoliken beginnen in den ersten Lebenswochen und enden mit drei bis fünf Monaten. Das Baby hat Bauchkrämpfe und schreit unentwegt, vor allem abends.
Colocynthis D6 (Koloquinte) eignet sich, wenn das Baby während der Schreiattacke die Beinchen eng an den Körper zieht. Es krümmt sich zusammen und lässt sich kaum beruhigen.
Dioscorea D6 (Yamswurzel) ist eher für Babys, die sich beim Schreien nach hinten überstrecken. Der Körper ist sehr angespannt.
Wann zum Arzt? Immer, wenn das Baby viel schreit. Erst wenn die Diagnose steht, können Sie mit homöopathischen Mitteln beginnen.
Kleine Pickel
In den ersten drei Monaten entwickeln Neugeborene oft kleine rote Pusteln und Pickel. Meist sind sie harmlos.
Calcium carbonicum D12 (Austernschalenkalk) hilft, wenn die Haut hauptsächlich gerötet ist. Sie fühlt sich rau an. Pickel haben sich nicht gebildet. Das Mittel sorgt dafür, dass sich die Hautzellen regenerieren.
Hepar sulfuris D12 (Kalkschwefelleber) gibt man, wenn kleine Pusteln da sind, die sich entzünden.
Wann zum Arzt? Wenn die Haut stark gerötet ist und sich eitrige Pickel bilden. Auch bei juckender Haut, Schmerzen oder Fieber sollten Sie den Kinderarzt um Rat fragen.
Tränende Augen
Das Auge ist verklebt und tränt. Nach dem Aufwachen zeigt sich gelbliche Flüssigkeit im Augenwinkel. Grund: ein durch Schleim verlegter oder verengter Tränenkanal.
Euphrasia D6 (Augentrost) ist das richtige Mittel, wenn die Augen deutlich verklebt sind und Sekret in den Winkeln zu sehen ist.
Pulsatilla D12 (Wiesenküchenschelle) eignet sich bei milchig-gelbem Schleim im Augenwinkel. Zusätzlich hat das Kind Schnupfen mit weißlichem Nasenschleim.
Wann zum Arzt? Wenn die Symptome erstmals auftreten. Sie können die Mittel ergänzend zur Schulmedizin anwenden.
Schniefnase
Babys haben oft eine verschnupfte Nase und röcheln dann beim Atmen. Die engen Nasengänge gehen rasch zu, wenn die Schleimhäute anschwellen.
Luffa D6 (Kürbisschwämmchen) kommt zum Einsatz, wenn der Nasenschleim zäh und verkrustet ist. In den inneren Augenwinkeln zeigt sich nicht selten gelbliches Sekret.
Sambucus D3 (Holunder) hilft Neugeborenen, die wegen der verstopften Nase kaum schlucken können. Sie würgen, wenn sie gestillt werden. Der gelbliche Schleim zeigt sich bei jedem Atemzug an den Nasenlöchern. Das Mittel soll den Schleim von innen lösen. Mit einem Wattestäbchen kann man ihn dann vorsichtig abwischen.
Wann zum Arzt? Wenn das Kind schlecht Luft bekommt oder beim Trinken starke Probleme hat. Bessert sich der Zustand nicht nach ein paar Tagen oder kommen andere Symptome wie Fieber hinzu, sollten Sie ebenfalls zum Arzt gehen
Wunder Nabel
Bildet sich die Nabelschnur zurück, wird das Gewebe dunkler, schrumpelig und fällt schließlich ab. Manchmal aber rötet es sich und nässt, oder es entsteht Eiter.
Calendula D6 (Ringelblume) fördert die Wundheilung und hilft, wenn der Nabel gerötet und leicht entzündet ist.
Mercurius solubilis D12 (Quecksilber) wird vor allem eingesetzt, wenn die Entzündung eitrig wird.
Wann zum Arzt? Bei stark geröteter, stark oder dauerhaft nässender Haut, wenn sich der Nabel vorwölbt oder sich Eiter bildet. Eventuell muss Ihr Kind ein Antibiotikum bekommen.
Die richtige Dosierung
Die Potenzen D3 und D6 sollten Sie dem Kind in der akuten Phase vier- bis fünfmal am Tag geben. Anschließend dreimal täglich. Die Potenz D12 bekommt das Kind am besten zweimal täglich.
Neugeborene und Säuglinge erhalten ein Kügelchen pro Dosis. Lösen Sie es in etwas stillem Wasser auf und geben Sie es so Ihrem Kind.
Gabriele Hellwig / Baby und Familie;
10.11.2009, aktualisiert am 26.09.2011
Bildnachweis: W&B/ Privat, W&B/Christine Schneider
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