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Alternative Medizin: Homöopathie für Kinder

Viele Eltern setzen auf alternative Heilmethoden. Zum Beispiel auf die Homöopathie. Lesen Sie, was dahinter steckt


Die Kraft der weißen Kügelchen ist umstritten

Sie sind klein, weiß und keine bittere Medizin: Globuli. Homöopathische Kügelchen bestehen hauptsächlich aus Zucker. Nur ein Hauch von Pflanzen, tierischen Wirkstoffen oder Mineralien steckt darin. Die Auszüge sind potenziert – also stark verdünnt und verschüttelt.

Von vielen skeptisch beäugt, steht die 200 Jahre alte Lehre des deutschen Arztes Samuel Hahnemann bei Patienten mittlerweile hoch im Kurs. „Nach Umfragen verwenden 15 Prozent der Menschen in Deutschland homöopathische Arzneimittel – Tendenz eher steigend“, sagt Professor Claudia Witt, die an der Charité in Berlin zur Komplementärmedizin forscht.



Dr. Sigrid Kruse leitet den Bereich Homöopathie im Dr. von Haunerschen Kinderspital der Universität München.

Das Besondere an der Homöopathie: „Die Auswahl des richtigen Mittels hängt nicht nur von den Symptomen, sondern bei chronischen Erkrankungen auch vom ganzen Menschen ab“, erklärt Dr. med. Sigrid Kruse, Kinderärztin und Homöopathin am Haunerschen Kinderspital der Universität München.

Um das geeignete Mittel zu finden, führt der Homöopath ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten. Aus mehr als 2000 Mitteln wählt er das passende aus – als Globuli, Tropfen oder Salbe.

Bei der Therapie gilt das Ähnlichkeitsprinzip: Stoffe, die bei Gesunden bestimmte Symptome hervorrufen, sollen diese bei Kranken heilen. Die Wiesenküchenschelle etwa reizt beim Gesunden die Schleimhäute, als homöopathisches Mittel lindert sie solche Entzündungen.

Je stärker verdünnt und verschüttelt, desto besser soll die Wirkung sein. Ein Widerspruch? „Die Mittel regen die Selbstheilungskräfte an“, sagt Kruse. „Aber wie genau dies geschieht, wissen wir noch nicht.“



Professor Claudia Witt ist stellvertretende Direktorin der Sozialmedizin und Epidemiologie der Charité in Berlin.

Ist die Wirkung bewiesen?

Untersuchungen zeigen, dass sich Beschwerden, die mit homöopathischen Mitteln behandelt werden, bessern können. Danach lindern sie Durchfall- und Atemwegserkrankungen, Kopfschmerzen und Allergien. Unklar ist, ob dies nur ein Placebo-Effekt ist. Probleme bereitet Kritikern auch die Qualität der Studien.

„Studien, die homöopathische Arzneimittel mit Scheinmedikamenten vergleichen, kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Es ist bisher nicht belegt, dass die Arzneimittel besser als Placebo wirken“, sagt Expertin Witt. Positive Hinweise dafür, dass die Homöopathie bei Kindern wirksamer als Placebos ist, gibt es bei Durchfall und dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom.


Globuli lassen sich sowohl bei akuten als auch bei chronischen Beschwerden einsetzen. „Bei chronischen Krankheiten sollten sich die Patienten immer an einen erfahrenen Homöopathen wenden und die Einnahme auch mit dem Arzt besprechen“, so Kruse.

„Die Therapie mit Homöopathie ist nur sinnvoll, wenn eine Regulation möglich ist“, erklärt die Ärztin. Bei einem Knochenbruch etwa oder wenn spezifische Zellen zerstört sind (wie bei einem Typ-1-Diabetes), stößt Homöopathie an ihre Grenzen. Allerdings kann sie begleitend eingesetzt werden, etwa zur Chemotherapie oder in der Kinderchirurgie.

Allergien gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen, die mit Homöopathie behandelt werden. Kleine Neurodermitis- und Asthma-Patienten profitieren davon. „Ihnen ging es noch zwei beziehungsweise acht Jahre nach der Therapie besser“, fand Expertin Witt durch eine Studie heraus.

Bei Husten, Schnupfen und kleinen Wunden verwenden Eltern Globuli häufig in Eigenregie. Apotheker können sie dabei beraten. Zum Arzt sollte das Kind, wenn sich der Zustand verschlechtert oder es große Schmerzen hat.

Auch Magen-Darm-Infekte können mit Homöopathie behandelt werden. „Wichtig ist, dass gleichzeitig der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen wird“, so Kruse. Hält der Durchfall länger als zwei Tage an, gehen Sie bitte zum Arzt. Mit einem kranken Baby sofort.

Sogar Säuglingen können Sie schon Globuli geben, etwa bei Zahnungsschmerzen oder Koliken. Lassen Sie sich vom Arzt beraten.

 



Aconitum

Die Klassiker für die Hausapotheke:

Aconitum:

Der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus) gilt als Klassiker in der Homöopathie. Die Pflanze ist hochgiftig, als potenzierte Arznei wird sie vielfältig verwendet. „Aconitum C30 ist ideal, wenn plötzlich ein Infekt aufkommt und das Kind unruhig ist“, sagt Homöopathin Kruse. Die richtige Gabe: Dreimal drei Kügelchen in den ersten zwei Stunden.



Arnika

Arnica:

Arnika ist eine beliebte Heilpflanze. In der Homöopathie ist sie die Nummer eins bei Verletzungen wie Verstauchungen und Zerrungen. Die richtige Gabe: Sofort nach der Verletzung drei Kügelchen in der Potenz D12 nehmen, im Laufe der nächsten zwei Stunden nochmals drei.



Belladonna

Belladonna:

Die Tollkirsche (Atropa belladonna) ist giftig. Sie wird in der Potenz C30 gegen unterschiedliche Probleme eingesetzt. Belladonna eignet sich, um Erkältungsbeschwerden wie Reizhusten und Halsweh zu lindern. Das Kind fühlt sich heiß an und hat einen roten Kopf. Die richtige Gabe: Einmal drei Kügelchen.



Peggy Elfmann, Baby und Familie; 16.03.2011, aktualisiert am 15.09.2011
Bildnachweis: W&B/Achim Graf, W&B/Andreas Friese, Okapia KG/Manfred Ruckszio, Mauritius Images GmbH/AGE, Okapia KG/Hans Reinhard, W&B/Jan Greune

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Serie Alternative Medizin

Teil 1: Homöopathie

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