Bei einem Hodenhochstand befindet sich mindestens ein Hoden nicht im Hodensack
Im Bild links ein Hoden am rechten Ort, rechts Hodenhochstand: Die Keimdrüse kann zu hoch im Hodensack (Skrotum), in der Leiste oder gar im Bauchraum liegen. Bei einer Hodenektopie befindet der Hoden sich ganz abseits des normalen Abstiegweges (um die Grafik ganz zu sehen, bitte auf die Lupe klicken!)
Überblick
Ein Hodenhochstand (Hodenretention, Maldescensus testis) besteht bei etwa 15 Prozent der termingemäß geborenen männlichen Babys. Es handelt sich dabei um eine Lageanomalie der Keimdrüsen: Ein oder beide Hoden befinden sich nicht im Hodensack. Dabei liegt eine Verzögerung eines Vorgangs vor, der zum Zeitpunkt der Geburt eigentlich hätte abgeschlossen sein sollen:
Die Hoden werden beim Fötus zunächst im Bauchraum angelegt und wandern erst im Laufe der weiteren Entwicklung des Ungeborenen hinunter in den Hodensack, wo sie üblicherweise bereits bei der Geburt des Kindes tastbar sind. Bei einem Hodenhochstand sind ein oder beide Hoden nicht im Hodensack angelangt. Sie finden sich meist irgendwo auf ihrem üblichen Weg, wie zum Beispiel in der Leiste (Leistenhoden) oder im Bauchbereich (Bauchhoden). Wenn der Hoden nicht tastbar ist, sprechen Mediziner zunächst einmal von Kryptorchismus – verborgenen Hoden.
Ein Hodenhochstand wird vom Arzt oft bereits unmittelbar nach der Geburt diagnostiziert. Er ist für den neugeborenen Jungen nicht schmerzhaft. Häufig wandern die Hoden bereits kurz nach der Geburt von selbst weiter in den Hodensack, so dass keine Behandlung notwendig ist. Auch in den ersten sechs Lebensmonaten ist die Chance, dass der Hoden spontan weiter wandert noch sehr hoch.
Ist dies bis zum Ende des ersten Lebensjahres nicht der Fall, sollte jedoch eine Therapie begonnen werden. Denn bei einem Hodenhochstand ist die Gefahr, später an einem Hodentumor zu erkranken, erhöht. Durch eine Verlagerung des hochstehenden Hodens in den Hodensack kann dieser gut ertastet und mithilfe von Ultraschalluntersuchungen beurteilt werden, wohingegen bei einem hochstehenen Hoden ein Hodentumor wahrscheinlich erst zu spät erkannt werden würde. Zudem kann eine Hodenhochstand die Zeugungsfähigkeit beinträchtigen, denn im Bauchraum ist es den Keimdrüsen auf Dauer zu warm. Wird der Hodenhochstand bis zum zweiten Lebensjahr entweder durch Hormontherapie oder durch eine Operation beseitigt, so kann die Zeugungsfähigkeit verbessert oder überhaupt erhalten werden.
Andere Bezeichnungen für einen Hodenhochstand sind „Retentio testis“ und „Hodendystopie“. Besondere Formen des Hodenhochstands sind Pendelhoden, Gleithoden und die Hodenektopie. Pendelhoden befinden sich zeitweise im Hodensack, können sich aber auch durch den Zug des Hodenheber (eines bestimmten Muskels im Schambereich) auch in den Leistenkanal zurückziehen. Dies geschieht insbesondere als Reaktion auf äußere Reize wie Kälte oder Berührung. Daher ist es oft gar nicht leicht, bei der ärztlichen Untersuchung festzustellen, ob es sich um einen Pendelhoden oder tatsächlich um einen Hodenhochstand handelt. Hier muss der Arzt sich teilweise auf die Aussagen der Eltern verlassen, ob sie den Hoden bereits einmal im Hodensack getastet haben. Alternativ kann er das Kind auch mehrmals zu verschiedenen Zeitpunkten und in einem möglichst entspannten Zustand untersuchen. Ein Pendelhoden ist nicht therapiebedürftig.
Gleithoden lassen sich zwar in den Hodensack hinunter ziehen, schnellen dann jedoch rasch wieder zurück nach oben. Sie finden sich niemals spontan im Hodensack. Ein Gleithoden muss chirurgisch behandelt werden, weil er nicht von selbst im Hodensack bleiben wird. Eine Hodenektopie besteht dann, wenn der Hoden nicht auf seinem normalen Abstiegsweg zurück geblieben ist, sondern sich an einer Stelle befindet, an der er eigentlich nichts zu suchen hat.
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13.09.2005, aktualisiert am 02.09.2010
W&B/Jörg Neisel
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