Schuppige Haut: Milchschorf oder Kopfgneis?

Unter Milchschorf versteht man einen schuppigen, krustigen Ausschlag auf der Kopfhaut von Säuglingen. Oft wird er auch mit dem harmloseren Kopfgneis verwechselt

von Sandra Schmid, aktualisiert am 05.10.2012

Bei Milchschorf kann die richtige Pflege helfen

W&B/Silvia Lammertz

Können Sie sich noch daran erinnern wie es aussah, wenn Ihrer Großmutter in einem alten, weiß beschichteten Emailletopf die Milch anbrannte? Ungefähr so sieht es auch auf manchen Säuglingsköpfen aus, wenn sich darauf Milchschorf ausgebreitet hat. Denn in der Tat: Der Schorf erinnert mit seinen gelblichen Schuppen an eingebrannte Milch. Häufig wird er jedoch mit dem harmlosen Kopfgneis verwechselt.

Symptome bei Milchschorf

Milchschorf äußert sich meist ab dem dritten Lebensmonat mit der Bildung von harten, verkrusteten Schuppen auf der Kopfhaut. Mitunter bilden sich auch kleine Bläschen. Neben der Kopfhaut können auch andere Körperbereiche betroffen sein, beispielsweise die Stirn, die Augenbrauen, die Wangen oder der Bereich hinter den Ohren. Manchmal breiten sich die Hautveränderungen sogar auf Arme oder Beine aus. Wenn sich der Ausschlag entzündet, röten sich die Partien und können stark jucken. Schlafstörungen, vermehrtes Quengeln und ständige Unruhe beim Baby können die Folgen sein.

Wie unterscheiden sich Milchschorf und Kopfgneis?

"Leider wird hier ärztlicherseits häufig nicht differenziert," sagt Dr. Torsten Spranger, Kinderarzt und Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Bremen. "Dabei handelt es sich um ganz unterschiedliche Erkrankungen." Der Kopfgneis, auch Seborrhoisches Ekzem genannt, ist ein Säuglingsekzem, das auf der Kopfhaut und manchmal auch im Gesicht auftreten kann, aber immer von selbst wieder verschwindet. Er ist das Ergebnis einer übermäßigen Talgproduktion. Abgesehen davon, dass der Kopfgneis nicht besonders hübsch aussieht, ist er vollkommen harmlos. "An Körper und eben auch am Kopf treten hier schuppige und teigig-gelbliche Hautreizungen auf," so Spranger. "Auf der behaarten Kopfhaut wird aus den weichgelben Schuppen innnerhalb von Wochen oft eine graubraune, feste Haar- und Hautverklebung." Die Schuppen beim Milchschorf hingegen sind fester, manchmal auch nässend und borkig. Der Kopfgneis juckt im Gegensatz zum Milchschorf viel weniger bis überhaupt nicht. Auch die Haut ist fast nie gerötet.

Ein weiterer Unterschied: Der Kopfgneis tritt meist schon sehr früh, etwa eine Woche nach der Entbindung auf und bildet sich bereits in den ersten drei Lebensmonaten wieder zurück. Nur in seltenen Fällen bleibt der Kopfgneis bis ins Grundschulalter bestehen.

Milchschorf: Erstes Vorzeichen von Neurodermitis?

Die gute Nachricht: Kopfgneis ist kein möglicher Vorbote der Neurodermitis. Die schlechte Nachricht: Milchschorf schon. "Der Milchschorf ist im Gegensatz zum Kopfgneis den atopischen Erkrankungen zuzurechnen," so Spranger. Der Zusammenhang zwischen Milchschorf und Neurodermitis ist medizinisch also gegeben. Ein Trost: "Die Zahlen sind aber hier unsicher und nur selten wird aus frühkindlichem Milchschorf eine kind- und jugendbegleitende atopische Dermatitis," sagt der Experte. "Meist lässt sich der Milchschorf mit einfacher Basispflege beherrschen." Deswegen ist es wichtig, dass Sie mit Ihrem Kind bei Milchschorf regelmäßig den Kinderarzt aufsuchen. In der Regel heilt das Säuglingsekzem vollständig ab.

Behandlung von Milchschorf

Ob es sich um Milchschorf, um Kopfgneis oder um eine ganz andere Krankheit handelt, muss unbedingt der Arzt untersuchen. Mit ihm sollten Eltern auch die passende Therapie absprechen. Der Juckreiz lässt sich gut durch fettfeuchte Pflege – zum Beispiel eine Fettcreme plus Teeumschlag – und Schuppenlösung behandeln. "Mehr Therapie ist selten notwendig," so Spranger. "Nur eine Superinfektion mit Bakterien und Pilzen mit nässend entzündeter Haut sollte behandelt werden." In solchen Fällen verordnet der Kinderarzt meist desinfizierende Creme- und Gelzubereitungen. Selten und in schweren Fällen kommen kurzzeitig dann auch antientzündliche Therapien mit Steroiden wie Kortison zum Einsatz.

Diese Tipps helfen bei Juckreiz:

  • dünne Fäustlinge aus Baumwolle für die Nacht (oder für Kleinere: Overalls, die die Hände mit einschließen)
  • Fingernägel immer kurz halten
  • Kleidung aus Baumwolle (keine Kunstfasern)
  • nur unparfümierte Pflegeprodukte benutzen
  • besser abduschen nicht baden, um die Haut des Kindes nicht auszutrocknen
  • Überhitzung vermeiden

Den Kopfgneis muss man eigentlich überhaupt nicht behandeln. Einige Eltern stören allerdings die gelben Krusten an der Kopfhaut aus rein ästhetischen Gründen. Möchten Sie den Gneis unbedingt entfernen, müssen Sie dabei sehr vorsichtig sein. Durch kleine Verletzungen der Kopfhaut können leicht Entzündungen entstehen. Also auf keinen Fall die Schuppen mit dem Fingernagel wegkratzen! Lieber die Kopfhaut sanft mit Babyöl einmassieren und einige Stunden oder über Nacht einwirken lassen. Zur Auswahl geeigneter Produkte berät die Apotheke. Danach kann man die Schuppen mit einem weichen Lappen vorsichtig aus den Haaren wischen. Sollte sich die Haut röten oder womöglich deutlich entzünden, den Arzt aufsuchen!



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