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HIV-Infektion und Schwangerschaft

Ist eine Schwangere HIV-positiv, besteht Ansteckungsgefahr für das Baby. Doch mit der optimalen Therapie lässt sich dieses Risiko deutlich senken


Erhalten HIV-positive Schwangere die passende Behandlung, ist das Ansteckungsrisiko für das Baby minimal. Die Rote Schleife links im Bild steht für Solidarität mit HIV-Infizierten

Manchmal wird eine HIV-Infektion erst in der Schwangerschaft entdeckt – für die Betroffenen meist ein Schock. Doch auch HIV-positive Frauen können heute gesunde Kinder bekommen.

In Deutschland werden jedes Jahr rund 250 Kinder HIV-positiver Mütter geboren. Moderne Therapien senken das Ansteckungsrisiko für das Baby erheblich. Im Idealfall liegt es unter einem Prozent. Ohne Behandlung beträgt es etwa 20 bis 25 Prozent.

Eine HIV-Infektion ist nicht heilbar. Die Prognose für HIV-Infizierte hat sich in den letzten Jahren aber wesentlich verbessert. Die meisten Menschen mit HIV können heute dank konsequenter Behandlung ein normales Leben führen.



Schematische Darstellung des HI-Virus

Was bedeutet HIV?

HIV steht für Humanes Immunschwäche Virus. Das HI-Virus ist weltweit verbreitet und wird über Blut, Sperma und Vaginalsekret vor allem beim Geschlechtsverkehr übertragen.

„HIV positiv“ bedeutet, dass das Virus im Blut nachgewiesen wurde. Es befällt vor allem Abwehrzellen des Körpers. Das kann die Immunabwehr schwächen und das Infektionsrisiko erhöhen.

Schlimmstenfalls kommt es zum Vollbild der Immunschwäche-Krankheit AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome), die tödlich verlaufen kann. Rechtzeitig eingesetzte Medikamente können das verhindern. Es werden in der Regel mindestens drei Substanzen kombiniert.


HIV: Was ist in der Schwangerschaft wichtig?

Hat sich eine Mutter mit HIV infiziert, besteht die Gefahr, dass sich das Baby ansteckt. Das geschieht vor allem kurz vor oder während der Geburt. Auch beim Stillen ist eine Übertragung von HIV über die Muttermilch möglich.

HIV-positive Schwangere sollten engmaschig sowohl vom Frauenarzt als auch von einem HIV-Spezialisten betreut werden.

Üblicherweise erhält die Schwangere spätestens ab der 24. Woche geeignete Medikamente gegen HIV. Ziel ist es, die HI-Virusmenge in ihrem Blut maximal zu senken, damit sich das Baby bei der Geburt nicht anstecken kann.

Nimmt eine HIV-positive Frau bereits Medikamente ein und wird unter der Therapie schwanger, so sollte sie umgehend mit dem Arzt besprechen, ob die Wirkstoffe auch während der Schwangerschaft geeignet sind.

Generell gilt: Medikamente nicht eigenmächtig absetzen oder ändern, die Therapie immer genau mit den behandelnden Ärzten abstimmen.


Normale Geburt oder Kaiserschnitt?

Wenn möglich, sollte das Kind in einer spezialisierten Klinik zur Welt kommen, wo man sich mit dem Thema HIV gut auskennt. Während früher generell zum Kaiserschnitt geraten wurde, können heute die meisten Betroffenen auf natürlichem Weg entbinden.

Das Neugeborene erhält in den ersten Wochen ebenfalls Medikamente gegen HIV. Das soll Viren, die möglicherweise doch in den Körper des Kindes gelangt sind, sofort an ihrer Vermehrung hindern. Die Fehlbildungsrate ist unter HIV-Medikamenten nicht höher als in der Allgemeinbevölkerung. Mögliche langfristige Auswirkungen beim Kind sind bislang nicht bekannt.

HIV-positiven Müttern raten Ärzte vom Stillen ab. Denn HI-Viren, aber auch Medikamente können in die Muttermilch – und damit auf das Kind – übergehen.

Kinderwunsch bei HIV

Wünschen sich Paare, die von HIV betroffen sind, Kinder, sollten sie sich im Vorfeld möglichst ausführlich beraten lassen. Je besser die Schwangerschaft geplant ist, um so weniger Komplikationen sind zu erwarten. Ist nur einer der Partner HIV-positiv, kann das Paar den Kinderwunsch trotzdem auf natürlichem Weg realisieren, sofern der positive Partner eine erfolgreiche HIV-Therapie erhält, seine Viruslast also dauerhaft unter der Nachweisgrenze liegt. Darüber hinaus steht Paaren mit HIV heute die Unterstützung der Reproduktionsmedizin genauso zur Verfügung wie allen anderen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch.



Dr. med. Annette Haberl

Beratende Expertin

Dr. med. Annette Haberl arbeitet seit 1996 im HIVCENTER  des Universitätsklinikums Frankfurt am Main. In ihrer Spezialsprechstunde "HIV und Schwangerschaft" werden HIV-positive schwangere Frauen beraten und therapiert. Sie ist Vorstandsmitglied der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG) und leitet das Deutsche HIV-Schwangerschaftsregister der DAIG.


Quelle: Deutsch-Österreichische Leitlinie zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen (AWMF-Register-Nr.: 055 - 002, Stand Mai 2014) Online: http://www.daignet.de/site-content/hiv-therapie/leitlinien-1 (Abgerufen am 01.09.14)


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: Strandperle/itstockfree, ImageSource/RYF, W&B/Privat, W&B/ Ulrike Möhle

Mehr Informationen im Netz unter

www.baby-und-familie.de; aktualisiert am 11.09.2014, erstellt am 25.03.2009
Bildnachweis: Strandperle/itstockfree, ImageSource/RYF, W&B/Privat, W&B/ Ulrike Möhle

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