Wunder Po: Was hilft?

Fast jedes Baby hat irgendwann einen wunden Po. Die richtige Pflege hilft und beugt erneutem Windelausschlag vor
von Nadja Katzenberger, aktualisiert am 17.08.2015

Dünn aufgetragen können Cremes empfindliche Babypopos schützen

W&B/Silvia Lammertz

Die meisten Babys finden Wickeln schön: gemütlich daliegen, frisch gemacht werden, sich die Füße kitzeln lassen. Doch bei einem wunden Po hört der Spaß auf, und das Windelnwechseln wird zur schmerzhaften Tortur. Fachleute sprechen bei der Entzündung im Windelbereich von Windeldermatitis. Die Haut ist gerötet, nässt und juckt. "Die ­Hälfte ­aller Kinder leidet im ersten Lebensjahr mindestens einmal an einer Windeldermatitis. Bei fünf Prozent beobachten wir einen schweren Verlauf, die Kinder haben meist auch eine Veranlagung zu trockener Haut", erklärt Professor Ehrhardt Proksch, Dermatologe an der Universitäts-Hautklinik Kiel.

Größere Babys häufiger betroffen

Sehr häufig plagt das Problem größere Babys zwischen neun und zwölf Monaten: Sie scheiden mehr Urin und Stuhl aus als Neugeborene und bewegen sich vor allem mehr. Dann reibt die Windel am Po und reizt so die Haut. Zudem bildet die Windel eine okklusive Schicht – das heißt, sie dichtet die Haut ab. Es entsteht ein feuchtes Milieu, das die Entzündung begünstigt und einen Nährboden für den Hefepilz Candida albicans schafft. Auch Enzyme im Urin, die Harnstoff zu Ammoniak abbauen und so den pH-Wert erhöhen, können für die Entzündung verantwortlich sein.


Prof. Dr. med. Ehrhardt Proksch ist stellvertretender Direktor der Universitätshautklinik Kiel und leitet dort die Arbeitsgruppe Wundheilung in Köln

W&B/Privat

Spezielle Cremes wirken austrocknend

Komplett vermeiden lässt sich die Windeldermatitis nicht, umso wichtiger ist die richtige Behandlung. "Akute Entzündungen im Windelbereich sollte man mit austrocknenden Grundlagen behandeln", sagt Dr. Joachim ­Kresken, Apotheker in Viersen und Vorsitzender der Gesellschaft für Dermo­­pharmazie. Er ­empfiehlt Zubereitungen mit einem hohen Anteil an sogenannten Feststoffen, etwa Zinkoxid. Sie saugen Entzündungssekret auf und schützen gleichzeitig die Hautbar­riere. Produkte mit Panthenol wirken entzündungshemmend, seien aber nur empfehlenswert, wenn sie ebenfalls Zinkoxid oder andere Feststoffe enthalten, so Kresken.


Dr. Joachim Kresken ist Apotheker in Viersen und Vorsitzender der Gesellschaft für Dermopharmazie

W&B/Markus J. Feger

Windel oft wechseln und Po sanft reinigen

"Wechseln Sie die Windel so oft wie möglich, denn je länger der Windelbereich feucht bleibt, desto größer ist die Gefahr, dass sich die Entzündung verschlimmert", sagt Kresken. Das gilt vor allem bei Durchfallerkrankungen, wo der aggressive, dünnflüssige Stuhl eine Windeldermatitis auslösen oder verschlimmern kann. Auch die Reinigung selbst reizt die Haut, deshalb sollte man nur Wasser und einen weichen Waschlappen oder ein Tuch benutzen. Apotheker Kresken rät zu seifenfreien Waschlotionen (Syndets) mit schwachsaurem oder neutralem pH-Wert und nachweislich geringer Reizwirkung. Seifen schädigen die Hautbarriere und verstärken so die Entzündung. "Öltücher sollte man nur vorübergehend verwenden, da Öl die Haut austrocknet", ergänzt Dermatologe Proksch. "Auch die klassischen Feuchttücher sind nicht zu empfehlen. Sie können bakteriell besiedelt sein, ihre Konservierungsmittel die Haut reizen." Ist der Po sauber: eincremen und Luft an die Haut lassen – so viel wie möglich. Dafür sollte das Baby eine Zeit lang ohne Windel sein, am bes­ten auf einer Decke am Boden oder im Stubenwagen. So lange kann die Creme gut einziehen und die Haut trocknen.

Vorbeugung gegen Windelsoor

Damit lässt sich im besten Fall eine Pilzinfektion, der sogenannte Windelsoor, vermeiden. Diesen verur­sacht der Hefepilz Candida albicans, der sich im feuchten Windel-Klima und über den Stuhl leicht ausbreiten kann. "Die Pilzinfektion erkennt man an den Pusteln mit weißer ­Stippe am Rand der Entzündung", sagt Ehrhardt ­Proksch. Sie kann manchmal von der Mutter übertragen werden, wenn diese an einem Scheidenpilz leidet, für den ebenfalls Candida albicans verantwortlich ist. Überträger sind dabei die Hände – deshalb sollte man sie vor jedem Wickeln unbedingt waschen.

Wirksame Mittel gegen Pilzinfektion

Zubereitungen mit Wirkstoffen wie Nystatin oder, bei schweren Formen, Miconazol, sogenannte Antimykotika, töten die Pilze ab. "Sie sollten möglichst auch Zinkoxid enthalten, um die Abheilung zu fördern", sagt Kresken. Spätestens nach einer Woche ist die Haut dann im Regelfall wieder heil. Von einzunehmenden Medikamenten zur Behandlung der ­Infektion raten die Experten ab. "Eine Windeldermatitis mit Candida albicans ist immer gut zu behandeln, zudem ist man bei Kindern mit sys­temischen Präparaten sehr vorsichtig", sagt Ehrhardt Proksch. Medikamente, die oral gegeben werden, wirken über das gesamte Körpersystem. Bei einer Entzündung am Po reicht aber die Behandlung an Ort und Stelle aus.

Will die Entzündung gar nicht abklingen, stecken vielleicht andere Ursachen dahinter. "Dann könnte ­eine andere Erkrankung ­vorliegen, etwa ein Zinkmangel nach dem Abstillen, ein atopisches Ekzem oder eine­ Streptokokken-Infektion", erklärt Proksch. Sehr selten seien eine­ Kontaktallergie oder eine­ Schuppenflechte.­ Spätestens nach zwei Wochen sollte man das beim Kinderarzt abklären ­lassen.



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