Wie Sie Kopfläuse bei Kindern bekämpfen

Ein Befall mit Läusen ist der Schreck jeder Eltern, Erzieher und Lehrer. Wie sich die juckenden Parasiten auf Kinderköpfen verbreiten und was Sie gegen die Läuse tun können

von Sandra Schmid, aktualisiert am 26.10.2012

Fast jedes Kind ist einmal von juckenden Kopfläusen betroffen

Jupiter Images GmbH/Photos.com

Kopfläuse! Oh nein! Panik! Wenn Eltern das große Krabbeln auf den Köpfen ihrer Kinder entdecken, ist die Aufregung groß. Wie konnte das passieren? Warum unser Kind? Dabei ist der Kopfläusebefall wahrhaft keine Seltenheit – auch nicht in modernen Industrieländern. Der Kopflausbefall gilt immer noch als die häufigste parasitäre Erkrankung in Europa. Eine Umfrage aus dem Jahr 2005 an Düsseldorfer Grundschulen zeigte beispielsweise, dass 85 Prozent der Kinder mindestens einmal bereits von Kopfläusen (Pediculus humanus capitis) heimgesucht wurde.

Wie sieht so eine Laus überhaupt aus?

Auf dem Kopf Ihres Kindes befinden sich bei einem Befall meist Läuse in all ihren Lebenszyklen. Da ist einerseits die ausgewachsene Laus. Sie ist ungefähr drei Millimeter lang, hat sechs Beine und liegt farblich irgendwo zwischen durchsichtig und leicht gräulich. Die Farbe hängt aber auch davon ab, wie satt die Laus gerade ist. Kopfläuse sind Parasiten. Das heißt: Sie ernähren sich vom menschlichen Blut. Hat die Laus Blut gesaugt, ändert sich auch ihre Farbe, denn das menschliche Blut schimmert rötlich durch den Chitinpanzer.

Daneben befinden sich auf dem Kopf auch noch die kleineren Läuse in den jeweiligen Entwicklungsstadien. Und die so genannten Nissen. Das sind die Hüllen der Läuseeier, die oft aber synonym für Läuseeier im Allgemeinen verwendet werden.

Entwicklungsstadien der Laus

Die Läuseweibchen legen auf dem Kopf ihre Eier ab, die sie mit einer Art selbst produzierten "Klebstoff" seitlich an den Haaransatz befestigen. Dies passiert vornehmlich in der unmittelbarer Nähe der Kopfhaut, weil da die optimale Temperatur für die Larvenentwicklung herrscht. Nach sieben bis zehn Tagen schlüpfen die Larven, auch Nymphen genannt. Für Erwachsene, die einen Läusebefall bei ihrem Kind vermuten, ist gut zu wissen: Nissen, die sich weiter als einen Zentimeter von der Kopfhaut entfernt befinden, sind mit Sicherheit immer leer und damit gefahrlos.

Nach insgesamt 14 bis 21 Tagen haben sich die Larven in ausgewachsene Läuse verwandelt, die ihrerseits wieder Eier legen können. Läuseweibchen leben etwa vier Wochen und können in ihrem kurzen Leben 100 bis 300 Eier legen. Befindet sich die Laus außerhalb ihres "Futterterritoriums" (also beispielsweise in der Kleidung oder auf der Couch), stirbt sie nach spätestens zwei bis drei Tagen.

Kopfläuse sind zwar extrem unangenehme und hartnäckige Gesellen, aber Krankheiten übertragen sie in den westlichen Industrieländern nicht. Die einzige Gefahr: Kratzen sich die Kinder ständig am Kopf, kann es zu Entzündungen auf der Kopfhaut kommen. Dann muss auf jeden Fall ein Kinderarzt konsultiert werden.

Wie erkenne ich, dass mein Kind Kopfläuse hat?

Erste Indizien eines Kopflausbefalls: Ihr Kind kratzt sich häufig am Kopf, schläft unruhiger und hat Hautrötungen auf der Kopfhaut oder im Nackenbereich. Das Jucken kommt von den Stichen der kleinen Biester: Sie zapfen die Kopfhaut mit Hilfe eines spitzen Saugrüssels an. Ähnlich wie bei Mücken sorgt ihr Speichel dafür, dass das Blut nicht gerinnt. Dieser Speichel erzeugt den Juckreiz – und auch die Fäkalien der Kopfläuse jucken.

"Manchmal läuft ein Kopflausbefall aber auch symptomarm ab und es fällt plötzlich eine Laus beim Kämmen aus dem Haar," sagt Dr. Susanne Hoffmann, Kinderärztin aus Prüm. Ist also etwa ein Kopflausfall im Kindergarten oder in der Schule bekannt oder haben Eltern einfach den vagen Verdacht, weil sich ihr Kind vermehrt am Kopf kratzt, müssen sie die Köpfe ihrer Kleinen genau unter die Lupe nehmen.

Die Diagnose eines Kopflausbefalls ist für einen Laien nicht ganz einfach. Selbst wenn man sich die Kopfhaut mit der Lupe ansieht, wird man nicht viele ausgewachsene Läuse auf dem Kinderkopf entdecken. Meistens sind es sogar weniger als zehn Stück – und die verstecken sich gut.

Der Trick mit der Pflegespülung

Deswegen empfiehlt Kinderärztin Hoffmann zwei Methoden, um den Kopfläusen auf die Spur zu kommen: "Am besten nach dem Haare waschen eine Pflegespülung auftragen, diese nicht auswaschen, sondern die noch feuchten Haare mit einem speziellen Läusekamm auskämmen," rät die Expertin. Wenn man dann die Reste der Spülung auf einem hellen Tuch oder auf einem Küchenpapier ausstreicht, sind die Läuse gut zu entdecken. Als Alternative kann man sich auch auf die Suche nach den Nissen machen. "Diese Methode eignet sich vor allem für den geübten Untersucher," sagt Hoffmann. Denn oft werden die Nissen mit Schuppen verwechselt. Man braucht schon etwas Erfahrung, um die winzigen Eihüllen zu entdecken, welche die Kopfläuse meist in der Nackengegend oder hinter den Ohren an die Haare kleben. Sind Sie sich unsicher, sollten Sie immer einen Kinderarzt aufsuchen.

Wie kann sich mein Kind anstecken?

Leider sehr einfach: Indem die erwachsene Laus einfach von einem Kinderkopf auf den nächsten krabbelt: im Kindergarten beim Kuscheln in der Ecke, beim Mittagsschlaf in der Kinderkrippe oder auf dem Pausenhof. Kopfläuse sind flink. Sehen sie die Chance auf einen anderen Wirt überzulaufen, packen sie diese beim Schopf – im wahrsten Sinne des Wortes. Immerhin können die Tierchen bis zu 30 Zentimeter in der Minute zurücklegen.

"Eine Übertragung durch Mützen und Kuscheltiere sowie Kämme und Bürsten ist zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich," sagt Hoffmann. Läuse verlassen nämlich sehr ungern ihren Wirt und ziehen freiwillig in einer Wollmütze um.

Wie werde ich die Läuse wieder los?

Mit wirksamen Präparaten und viel Geduld machen Sie den Parasiten den Garaus. Behandeln Sie den Befall zweimal innerhalb von acht bis zehn Tagen äußerlich mit einem geeigneten Arzneimittel und überprüfen Sie alle vier Tage den Kopf mittels der Haarspülung-Auskämm-Methode. Das dauert zwar ein bisschen. Aber nur so können Sie sichergehen, dass auch alle nachgeschlüpften Larven tot sind.

In Deutschland gibt es drei zugelassene Arzneimittel, die pyrethroide Wirkstoffe enthalten. Das sind chemische Insektizide, die das Nervensystem der Tiere lähmen. Diese drei Wirkstoffe heißen Permethrin, Pyrethrum (Extrakt aus der Chrysanthemenblüte) und Allethrin. Sie bekommen die Produkte in der Apotheke oder auf Rezept vom Kinderarzt.

"Neben den schon sehr lange verwendeten Wirkstoffen gibt es seit einigen Jahren auch Präparate auf Silikonölbasis," sagt die Kinderärztin Dr. Anne Rothe aus München. "Dieser Wirkstoff heißt Dimeticon und bewirkt einen Verschluss der Atmungsöffnungen der Insekten und führt somit zum Ersticken." Aber sind diese Wirkstoffe nicht reines Gift für die Kopfhaut eines Kindes? Rothe beruhigt: "Alle diese Wirkstoffe sind vom Umweltbundesamt zugelassen und auf ihre Wirksamkeit und Unbedenklichkeit überprüft worden."

Wenn Sie sich unsicher sind, welches Mittel Sie nehmen sollen, fragen Sie Ihren Kinderarzt, insbesondere wenn Ihr Kind vom Kratzen schon eine wunde oder entzündete Kopfhaut hat "Der Arzt kennt sich mit Wirksamkeiten und Resistenzentwicklungen aus," rät Hoffmann. "Er kann die Eltern zur korrekten Anwendung beraten und das richtige Medikament verordnen."

Helfen Hausmittel gegen Läuse?

Und was ist mit Hausmittelchen á la Essigwasser ins Haar, Heißluftanwedungen oder Mayonnaise auf den Kopf? "Von alternativen Methoden ist bei der Behandlung von Kopfläusen abzuraten," so Kinderärztin Hoffmann. "Ihre Wirksamkeit konnte in Studien nicht belegt werden. Einige Methoden können sogar die Kopfhaut schädigen."

Die Behandlung von Kopfläusen ist oft mühsam. Vor allem für die Kinder, die bei den aufwändigen Prozeduren oft lange still sitzen müssen. Tipp: Nebenbei ein Hörspiel hören oder den Papa etwas vorlesen lassen.

Muss ich jetzt den kompletten Haushalt desinfizieren?

Reinigen Sie alle Bürsten und Kämme sehr gründlich. Aber eine komplette Desinfektion des gesamten Hausstandes ist nicht nötig. "Da Läuse vor allem von Kopf zu Kopf und weniger von Gegenständen auf Menschen übertragen werden, dient eine Reinigung des Haushaltes vor allem dem Wohlbefinden", so Hoffmann.

Muss ich den Läusebefall melden?

Sobald Sie einen Kopfläusebefall bei Ihrem Kind festgestellt haben, müssen Sie das überall dort bekannt geben, wo sich Ihr Kind regelmäßig aufhält, das heißt im Kindergarten, in der Schule, im Hort, im Sportverein. Die Institutionen sind ihrerseits verpflichtet, den Befall dem Gesundheitsamt zu melden. In Deutschland dürfen Kinder bei einem Kopflausbefall diese Gemeinschaftseinrichtungen solange nicht mehr besuchen, bis die Behandlung gegen die Läuse begonnen hat. Eine Attestpflicht besteht nicht. Es reicht eine schriftliche oder mündliche Bestätigung (je nach Vorgaben der jeweiligen Einrichtung) der Eltern, dass sie ihr Kind behandeln.

In den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts, der zentralen Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung, heißt es: "Nach der sachgerechten Anwendung eines zur Tilgung des Kopflausbefalls geeigneten Mittels, ergänzt durch sorgfältiges Auskämmen des mit Wasser und Pflegespülung angefeuchteten Haars mit einem Läusekamm ist eine Weiterverbreitung auch bei noch vorhandenen vitalen Eiern mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr zu befürchten. Schulen und andere Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder und Jugendliche können direkt nach der Erstbehandlung wieder besucht werden (das Komplettieren der empfohlenen Behandlung an den Folgetagen wird dabei vorausgesetzt)."

Verschweigen Sie auf keinen Fall einen Kopflausbefall! Dieser hat nichts mit mangelnder Sauberkeit zu tun und ist kein Grund sich zu schämen. Glücklicherweise nimmt die Tabuisierung dieses Themas immer mehr ab. "Da in vielen Einrichtungen inzwischen umfangreiche Elternaufklärung geleistet wird, wissen die Eltern heutzutage oft bereits bevor sie zum Kinderarzt kommen, dass der Befall kein Zeichen für mangelnde Hygiene ist und dass es jeden treffen kann," so Kinderärztin Rothe. Wichtig ist "die frühzeitige und konsequente Behandlung der Erkrankung," sagt Hoffmann, "damit sich möglichst niemand anderes ansteckt."



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