Welche Impfungen für Eltern wichtig sind

Mit dem Impfen ihrer Kinder nehmen es Eltern oft sehr genau. Dass auch sie Auffrischungen brauchen, vergessen viele

von Barbara Weichs, aktualisiert am 23.02.2016

Auch bei Erwachsenen ist ab und zu noch eine Impfung nötig

W&B/Achim Graf

Können Sie sich erinnern, wann Sie das letzte Mal ­Ihren Impfpass in der Hand hielten? Oder geht es Ihnen wie den Männern und Frauen in der Werbekampagne "Deutschland sucht den Impfpass"? Dann haben Sie gar keine Ahnung, wo Sie das ­kleine gelbe Heftchen überhaupt aufbewahren, und liegen damit im Trend. Einem zweifelhaften jedoch. "Die Impflücken bei den Erwachsenen hierzulande sind groß", sagt Susanne ­Glasmacher, Pressesprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Für den niedergelassenen Allgemeinarzt Dr. med. Dietmar Reinartz in Haigerloch sind die Gründe dafür naheliegend: "Erwachsene in dem ­Alter sind sehr beschäftigt mit Beruf und Familie und gehen in der Regel selten zum Arzt."


Susanne Glasmacher ist Pressesprecherin des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin

/Robert-Koch-Institut

Viele Kinderkrankheiten auch für Erwachsene gefährlich

Dabei lohnt sich der Blick in den Impfpass. Denn Kinderkrankheiten wie Keuchhusten (Pertussis), Masern oder Röteln können auch Erwachsenen gefährlich werden. Die Erreger der Krankheiten sind hoch ansteckend und ­­lösen ­teilweise schwere und lebensbedrohende Verläufe aus. Immer wenn Epidemien auftreten, stecken sich daher auch Erwach­sene an, die nicht oder unzureichend geimpft sind. Über genaue Zahlen verfügt das RKI nicht, denn nicht alle der vermeintlichen Kinderkrankheiten sind meldepflichtig. "Meldedaten aus den ostdeutschen Bundesländern zeigen aber, dass in den letzten Jahren zunehmend ­Erwachsene an Keuchhus­ten erkrankt sind", sagt Glas­macher. Die Barmer-GEK etwa ver­zeichnete in den Jahren 2006 bis 2012 einen Anstieg von 6000 auf 9000 Betroffene. Besonders in der Alters­­gruppe der über 30-Jährigen erhöhte sich die Zahl beständig, so die Kranken­kasse.


Dr. Dietmar Reinartz ist niedergelassener Allgemeinmediziner in Haigerloch

W&B/Thomas Rathay

Ungeimpfte Eltern gefährden ihre Babys

Das Beispiel Keuchhusten zeigt, welche Folgen ein unzureichender Impfschutz von Erwachsenen haben kann. Ungeimpfte riskieren nicht nur, womöglich Wochen oder gar Monate krank zu sein, sondern gefährden auch Mitmenschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können und Babys. Eltern können die Krankheit zum Beispiel auf ihr Kleines übertragen. Denn die Jüngsten haben bis zu einem Alter von sechs Monaten keine ausreichende eigene Immunkompetenz. "Für Säuglinge kann eine Infizierung mit den Pertussis-­Erregern tödlich werden, denn die starken Husten­attacken können bei ­ihnen leicht zu einem Erstickungsanfall führen", erklärt Mediziner Reinartz. Schätzungen gehen davon aus, dass sich etwa ein ­Drittel bis die Hälfte ­aller Säuglinge, die Keuchhusten bekommen, bei Mutter, Vater, Oma, Opa, ­Tante oder Onkel angesteckt hat. ­Diese bemerken oft gar nicht, dass sie selbst Keuchhusten haben, denn nicht immer bricht die Krankheit erkennbar aus und wird leicht mit einem hartnäckigen Husten verwechselt. Die Ständige Impfkommission am RKI empfiehlt deshalb seit 2009 allen Erwachsenen, sich bei der nächsten Tetanus- und Diphtherie-Auffrischung auch gegen Pertussis impfen zu lassen.


Diese Impfungen sollten Eltern haben:

– Tetanus (Wund­starr­krampf) und Diphtherie: alle zehn Jahre auffrischen lassen

– Pertussis (Keuchhusten):­ bei der nächsten Auffri­schung von Tetanus und Diphtherie mitimpfen lassen

– Masern: einmalige Impfung aller nach 1970 Geborenen, die ­entweder einen ­unklaren Impfstatus haben­ oder als Kind nur einmal geimpft wurden

– Poliomyelitis (Kinderlähmung): einmalige Impfung für alle nicht beziehungsweise­ unvollständig Geimpften

– Röteln: Frauen mit Kinderwunsch, die nicht geimpft sind

– Windpocken: Frauen mit Kinderwunsch, die nicht immun sind


Impfstatus regelmäßig überprüfen

Doch weshalb braucht es überhaupt eine Auffrischung? "Die Anti­körper, die der Körper nach einer Impfung bildet, bleiben nur im Immungedächtnis, wenn die Krankheitserreger über ­einen gewissen Zeitraum präsentiert werden", erklärt Reinartz. Da ­dieses Gedächtnis mit den Jahren nachlässt, braucht es immer wieder ­eine Erinnerung, also eine Auf­frischungsimpfung. Alle zehn Jahre sollten Erwachsene daher ihren Impfstatus überprüfen. Manchmal machen neue Lebensumstände wie etwa eine chronische Krankheit, ein Jobwechsel, zum Beispiel in ­einen Erziehungs- oder Pflegeberuf, oder Kinderwunsch einen früheren Check nötig. "Sprechen Sie Ihren Hausarzt gezielt darauf an", empfiehlt Susanne Glasmacher.

Wichtigstes Dokument dabei ist der Impfausweis. In ihm werden die vorgenommenen Impfungen eingetragen und können so vom behandelnden Arzt nachvollzogen werden. "Wer sein Impfbuch nicht mehr findet und bei früheren Ärzten keine näheren Informationen über erfolgte Impfungen bekommen kann, gilt als nicht geimpft", erklärt die RKI-Mitarbeiterin. Mediziner empfehlen dann, alle relevanten Impfungen nachzuholen. Von einer sogenannten Titerbestimmung, bei der im Blut die Menge der Antikörper gegen die Krankheiten geprüft wird, raten sie ab. Sie gilt nicht als aussagekräftig. Und sie kostet zwischen 30 und 40 Euro, die der Patient aus eigener Tasche bezahlen muss. Die beiden Experten sind sich einig: "Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig impfen." Ein Überimpfen sei nicht möglich, da der Körper zusätzliche Impfdosen einfach vernichtet. Die Krankenkassen bezahlen alle von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen.

Keine Angst vor ­Impfreaktion: Impfstoffe sind gut verträglich

Die Angst vor einer ­Impfreaktion ist in den Augen des Mediziners unbegründet. "Eine Reaktion des Körpers ist erwünscht, er soll ja Antikörper bilden. Jede Impfung kann daher leichtes Fieber, Abgeschlagenheit sowie Kopf- oder Gliederschmerzen zur Folge haben", erklärt Dietmar Reinartz. Manchmal rötet sich die Einstichstelle oder schwillt etwas an – ­eine harmlose Reaktion, die meist schnell vor­übergeht. "Moderne Impfstoffe sind gut verträglich, was in Studien getestet und regel­mäßig überwacht wird", betont auch Susanne Glasmacher. Schwere Neben­wirkungen oder allergische Reaktionen auf Bestandteile der Impfstoffe kommen sehr selten vor. Das ­­Risiko eines schweren Krankheitsverlaufes, zum Beispiel bei einer Maserninfektion, ist deutlich höher. "Impfungen sind ein medizinischer Fortschritt", sagt Reinartz. Den kann man für sich nutzen.


Grippe-Impfung für Schwangere

Seit 2010 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) ­allen werdenden Müttern, sich ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel gegen Influenza (Grippe) impfen zu lassen. "Während einer Schwangerschaft ist die Immun­abwehr weniger aktiv", erklärt Susanne Glasmacher Pressesprecherin beim Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. Deshalb fangen sich Schwangere leichter eine Grippe ein und entwickeln eher Komplikationen wie etwa eine Lungenentzündung.

Zudem gefährdet eine Influenza das Ungeborene: Wachstumsverzöge­rungen sowie Fehl- oder Frühgeburten könnten die Folge sein. Ein weiterer Vorteil: Mit der Impfung gibt die Mutter Antikörper an das Ungeborene weiter. Dadurch ist das Baby in seinen ersten Lebensmonaten vor der Grippe geschützt.

Schwangere, die durch ein Grundleiden, wie beispielsweise Asthma, Diabetes oder Bluthochdruck ­gesundheitlich erhöht gefährdet sind, sollten sich laut STIKO-Empfehlung, bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel gegen Grippe immunisieren lassen. "Das ist kein Problem, da es sich beim Influenza-Impfstoff um einen Totimpfstoff handelt", erklärt Susanne Glasmacher.



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