Warzen bei Kindern: Was hilft?

Warzen kommen bei Kindern häufig vor. Die kleinen Wucherungen auf der Haut sind in der Regel ungefährlich, aber zum Teil sehr hartnäckig
von Andrea Schmidt-Forth, aktualisiert am 09.09.2016

Warzen an Kinderfüßen: Lästig, hartnäckig, aber zum Glück meist völlig harmlos

W&B/Jan Greune

Sie sind echte Spaßverderber, diese kleinen, hässlichen Knubbel. Oder besser gesagt die Viren, die sie hervorrufen. Denn sie heften sich an unsere Fersen (und Zehen), während wir es genießen, barfuß durch den Sommer zu laufen. Gerade im Freibad, in feuchtwarmer Umgebung, finden die Erreger perfekte Bedingungen. Kinderfüße erobern sie besonders leicht. Unter den Vier- bis Sechsjährigen haben etwa fünf bis zehn Prozent Warzen. Bei Schulkindern sind drei von zehn betroffen – dreimal mehr als der Rest der Bevölkerung. "Wo viele Kinder zusammenkommen, gibt es viele Warzen", stellt die Berliner Haut­ärztin und Privatdozentin Dr. Natalie Garcia Bartels nüchtern fest.


Dr. Natalie Garcia Bartels ist wissenschaftlich an der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Charité in Berlin tätig

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Im Prinzip finden sich Viren, die Warzen verursachen, überall. Viele Menschen tragen sie mit sich herum, ­ohne dass sich die Hautwucherungen überhaupt bilden. Warum aber haben Kinder dann ein erhöhtes Risiko? "Weil sie viel Hautkontakt untereinander haben", erklärt Dermatologin ­Garcia ­­Bartels. "Dabei wird das Virus über­tragen." Denn während Kinder im Wasser planschen oder beim Sport schwitzen, weicht ihre Haut auf, und die Viren können leichter eindringen.

Leichtes Spiel hat das Virus auch bei Kindern mit Neurodermitis oder Neigung zu sehr ­trockener Haut. Risse und kleinste Verletzungen sind die Eintrittspforte, über die die Viren in den Körper gelangen.


Christel Sillner leitet eine Apotheke in Beilngries/Altmühltal

W&B/Privat

Welche Warzen hat mein Kind?

Die Diagnose ist unproblematisch. Dem Hautarzt reicht in der Regel ein Blick, um festzustellen, um welche Art es sich handelt. Bei Kindern sind es meist vulgäre Warzen, Dorn- oder Dellwarzen.

Vulgäre Warzen (Verrucae vulgares) machen etwa 70 Prozent dieser Hautwucherungen aus. Die rauen, schuppenden Stellen können erbsengroß werden. Sie bilden sich meist an Fingern, Händen, Fußsohlen oder im Gesicht. Die harten, sich vorwölbenden Knötchen verhornen im Lauf der Zeit und können sich beet­artig auf der Haut vermehren. Hervorgerufen werden sie durch verschiedene Typen der Humanen Papillomaviren (HPV). Die ungebetenen Erreger verbreiten sich schnell, zum Beispiel durch Körperkontakt und Berührungen (Schmier­infektion).

Dornwarzen (Verrucae plantares) sind eine Sonderform der vulgären Warzen. Sie sitzen ausschließlich an der Fuß­sohle, sehen eher flach aus bis leicht erhaben. An der Oberfläche finden sich ­dunkle Pünktchen. Sie sind ein Zeichen für die Wucherung der winzigen Blutgefäße, die die stark wachsende Hornschicht ernähren. Das Unangenehme: Durch das Körpergewicht werden die Warzen in die Haut gedrückt. Sie wachsen in die Tiefe und können unbehandelt sehr schmerzhaft werden, bei jedem Schritt sind sie zu spüren – eben wie ein Dorn.

Dellwarzen (Mollusca contagiosa) sind perlähnliche, stecknadelkopfgroße, hautfarbene bis hellrote Knötchen mit ­einer leichten Delle in der Mitte. Sie treten meist im Gesicht, am Hals, an Armen und Beinen auf. Ihr Kern ist weich. "Das Ausdrücken überlassen Eltern­ aber bitte ausschließlich dem Arzt. Denn die Flüssigkeit enthält viele Viren und ist somit hochansteckend", sagt Natalie Garcia Bartels. Dellwarzen werden von einem harmlosen Pockenvirus hervor­gerufen.

Wie schützen wir uns vor Ansteckung?

Mit ein paar Verhaltensregeln im Alltag kann man Warzen relativ leicht fernhalten. Im Hallen- und Freibad sowie in öffentlichen ­Duschen gehören grundsätzlich Bade­latschen an die Füße. Wer regel­mäßig seine Hände mit ­­Seife wäscht, verringert ebenfalls das Ansteckungsrisiko. Für ­Hände und Füße gilt außerdem: immer gründlich abtrocknen. Und zwar mit einem eigenen Handtuch! Wer zu trockener Haut neigt, cremt diese regelmäßig gut ein, um kleine­ Hautverletzungen zu vermeiden.

Und wenn die lästigen Knubbel trotzdem auftauchen? Dann heißt es: bitte nicht anfassen und schon gar nicht daran herumdrücken! Damit sich nicht alle Familienmitglieder anstecken, sollten zudem Handtücher immer bei 60 Grad gewaschen werden. Bei Dorn­warzen gilt das auch für Socken und Strümpfe. Hat sich ein Kind mit dieser Art Warzen angesteckt, ist außerdem gemeinsames Baden in der Badewanne erst einmal tabu.

Kann ich Warzen selbst behandeln?

Stört die Warze nicht, emp­fiehlt Ärztin Garcia Bartels Eltern meist, erst einmal abzuwarten. Im Prinzip braucht der Körper nämlich keine ­Hilfe, um die Wucherungen wieder loszuwerden. Er erledigt das von ­alleine – ohne dass Narben zurückbleiben. Das schafft er vor allem dann, wenn das Immun­­system des betroffenen Kindes geschwächt war und sich wieder erholt hat.

Macht die Warze aber Beschwerden, vermehrt sie sich sichtlich, oder das Kind kratzt oder reibt immer wieder daran, sollten Eltern etwas gegen die Knubbel unternehmen. In der Apo­theke gibt es eine Reihe von Mitteln, mit denen sie den Warzen selbst zu Leibe ­rücken können, zum Beispiel Tinkturen, Speziallack, Spezialpflaster und Ätzstifte. "Sie enthalten meist Salicylsäure, um die ­obere Hautschicht aufzuweichen, sowie eine Substanz gegen das Virus", erklärt die Apothekerin Christel­ ­Sillner aus Beilngries. Welches Mittel in der Apotheke empfohlen wird, hängt von der Art der Warze und dem Alter des Kindes ab.

Schmerzfrei und schon für ganz Kleine geeignet ist eine Schälkur mit Salicylsäure, eventuell mit Milchsäure kombiniert. Die Lösung wird zweimal täglich auf die Warze aufgetragen. Nach einigen Tagen lässt sich die so erweichte Hornschicht mit einem Seifenbad mühelos entfernen. Diesen Vorgang wiederholt man so lange, bis die Warze abgetragen ist oder abfällt. "Die Methode ist schonend, erfordert aller­dings Geduld, denn die Kur dauert vier bis acht Wochen", klärt die Apothekerin auf.

Wichtig ist zudem, dass die Lösung nicht auf die gesunde Haut gelangt. Eltern können sie mit ­einer fetthaltigen Creme ­schützen. ­Diese Vorsichtsmaßnahme ist vor allem erforderlich, wenn Präparate mit ätzender Ameisen­säure oder Monochloressig­säure (gegen normale oder Dornwarzen) oder Kaliumhydroxid (gegen Dellwarzen) zum Einsatz kommen. Sie sind leicht anzuwenden, die Behandlung dauert meist fünf bis sechs Wochen.

Für Kinder ab vier Jahren gibt es auch Vereisungssprays. Die Warze wird dabei etwa 20 Sekunden lang mit einem Flüssiggas-­Gemisch vereist. Dabei ent­stehen Temperaturen von bis zu minus 50 Grad. Bei der Behandlung selbst kann ein stechendes Gefühl auftreten, leichte Schmerzen können bis zu 24 Stunden andauern. Dermatologin Garcia Bartels: "Die Methode ist nur für Kinder geeignet, die während der Anwendung ruhig bleiben können." Zumal die Behandlung manchmal ein- oder zweimal wiederholt werden muss, bis die Warze abgetötet ist.

Wann behandelt der Hautarzt?

Wenn die Warzen sehr hartnäckig sind oder beim Laufen schmerzen. Der Hautarzt kann die Warze mit noch kälteren Temperaturen vereisen oder sie mit einem Skalpell oder Laser entfernen. Dies geschieht in der Regel unter örtlicher Betäubung, damit es dem kleinen Patienten nicht wehtut.



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