Stuhlgang bei Babys: Was ist normal?

Viele Eltern schauen sich den Windelinhalt ihres Babys genau an. Was das Aussehen des Stuhls verrät, erklären unsere Experten
von Larissa Gaub, Annett Zündorf, aktualisiert am 22.09.2016

Mit ein bisschen Erfahrung wissen Eltern, welcher Windelinhalt völlig normal ist

W&B/Colourbox

Manche ziehen sich täglich aufs stille Örtchen zurück, andere nur alle drei Tage. Über das große Geschäft reden? Bloß nicht! Das gehört sich nicht. Außer man hat ein Baby. Dann gibt es für Eltern scheinbar nichts Spannenderes, als sich über den Windelinhalt auszutauschen.

Und tatsächlich verändert sich der Stuhl von Babys im ersten Lebensjahr immer wieder. Wie viel oder wie häufig ein Kind am Tag Stuhlgang hat, kann sehr unterschiedlich sein. Außerdem kann der Stuhl oft Hinweise darauf geben, ob mit dem Baby alles in Ordnung ist. Deshalb fragen sich viele Eltern, welcher Windelinhalt normal ist und in welchen Fällen sie den Kinderarzt um Rat fragen sollten. Hier kommt eine kleine Stuhlkunde.


W&B/Dr. Ulrike Möhle

Dunkelgrün bis schwarz

Was bitte ist diese klebrige, zähflüssige, schwarze Masse?­ Soll das normal sein? Ja. Kindspech nennen es Hebammen. Gut, wenn es binnen 48 Stunden nach der Geburt kommt. Das bedeutet nämlich, dass ­Babys Darm vorzüglich arbeitet. "Das Kindspech ist der erste Darm­inhalt, den Neugeborene ausscheiden", erklärt Medizinpädagogin Edeltraut Hertel aus Chemnitz.

Nach der Geburt werden im Körper des Kindes sehr viele ­rote Blutkörperchen abgebaut, dabei entsteht Bilirubin. Es wird über die Galle in den Darm abgegeben und bildet dort mit Haaren und alten Hautzellen eine zähe Masse. Das Bilirubin muss schnell ausgeschieden werden, da es sonst vom Körper wieder aufgenommen wird. Kreist es durch die Blutbahn des Kindes, scheint es durch die dünne Haut – das Baby hat eine Gelbsucht. Das kann gefährlich werden. Deshalb ist in der allerersten Milch der Mutter – dem Kolostrum – neben vielen Vitaminen, ­Mineralien und Antikörpern auch das Hormon Motilin enthalten. Es regt die Bewegung des Darmes an. Bei Flaschenkindern dauert es ­etwas länger.


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Hellgrün und flüssig

Vorsicht, Spritzgefahr! Nach dem Kindspech kommt der "Spritzpups". So nennen Hebammen die Darmausscheidungen tatsächlich. Denn stinkende Tropfen können beim Windeln wechseln in Hochgeschwindigkeit durch die Gegend fliegen. "Ein zwei Meter weiter Strahl ist völlig normal", sagt Hertel. Das liegt an der bläulich-weißen Übergangsmilch der Mutter, die nach dem Kolostrum knapp zwei Wochen lang produziert wird. Sie lässt den Babystuhl heller und dünnflüssig werden. 


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Goldgelb bis ocker, flüssig bis weich

Zum Ende der zweiten Lebenswoche versiegt der Anteil der Übergangsmilch langsam, und das Baby bekommt immer mehr ­reife Muttermilch. Damit ver­­ändert sich die Farbe des Baby­stuhls, er wird hellgelb und riecht aromatisch oder leicht säuerlich. Die Konsistenz aber bleibt gleich: Von weich bis flüssig ist alles normal. Wichtig ist die Häufigkeit: "In den ersten drei bis vier Lebenswochen kann nach jeder Mahlzeit etwas Babystuhl in der Windel sein", erklärt Edeltraut Hertel.


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Goldgelb bis ocker, weich

War was drin? Nein? Wann hat es das letzte Mal Stuhlgang gehabt? Bleibt die Windel mehr als einen Tag stuhlfrei, sind Eltern schon alarmiert. Meist völlig unbegründet. Vielmehr liegt dies an Babys Entwicklung. Nach drei bis vier Wochen haben die Kleinen einen Wachstumsschub. Sie sind oft unleidlich, haben unbändigen Hunger und kommen nur an Mamas Brust zur Ruhe.

In dieser Phase reift auch der Darm. Er resorbiert mehr Nährstoffe, und damit bleibt weniger Masse übrig. Der Stuhl wird etwas fester und die Darmausscheidung seltener. Von einmal täglich bis einmal in sieben Tagen ist ­alles normal, "solange das Baby ­einen entspannten Eindruck macht und mindes­tens 150 Gramm in der Woche zunimmt", erklärt die Pädagogin. Geht es dem Baby dagegen nicht gut, sollte nach spätestens fünf Tagen der Kinderarzt abklären, ob alles in Ordnung ist.


W&B/Dr. Ulrike Möhle

Wenn es mal wieder länger mit dem Stuhl dauert, können Eltern nachhelfen: Finger mit etwas Öl benetzen und sanft den Damm des Babys massieren, rät Edeltraut Hertl. Das bringt den Darm in Gang.

Gelblich, fest, geruchs­intensiv

Kinder, die das Fläschchen bekommen, produzieren weder den berühmten Spritzpups noch den kaum riechenden Milchstuhl. Bei ihnen riecht es schon vor der Breizeit intensiver.


W&B/Dr. Ulrike Möhle

Grün, schaumig, stechender Geruch

Hier ist Vorsicht geboten!­ "Wenn der Stuhl länger als einen Tag so aussieht und stinkt, gehen Sie auf jeden Fall zum Kinderarzt", sagt Hertel. "Das spricht für eine Infektion." Wer stillt, macht dies bitte weiter. Die Mutter­­milch enthält schützende Inhaltsstoffe, die dem Baby helfen, eine Infektion besser zu überstehen. Warum der Stuhl grün wird? Der höhere Laktoseanteil in der Muttermilch beschleunigt die Darmtätigkeit. Dadurch kann der Gallenfarbstoff Bilirubin nicht komplett umgebaut werden. Deshalb erscheint der Windelinhalt grün.


Unterschiedliche Farbe, fest

Kind, was hast du nur gegessen? Wenn die Breizeit startet, hat das erhebliche Auswirkungen auf das, was Babys hinten rauslassen. Jetzt wechseln Farbe und Konsistenz wie bei den Großen. Rot bei Roter ­Bete, Grün bei Spinat, dunkleres Braun bei Fleisch. Der ­Geruch ist nun auch ganz ähnlich und so gar nicht mehr babysüß. Isst das Kind feste Nahrung, kann der Stuhl Bestandteile davon enthalten, wie Karottenstücke oder auch ganze Maiskörner.

Medikamente lassen den Stuhl weicher werden

Bekommt das Baby Antibiotika, kann sein Stuhl sehr weich werden, da sie die Darmflora verändern. Von Durchfall spricht man bei Babys, wenn der Stuhl über längere Zeit sehr flüssig ist, große Mengen ausgeschieden werden und dies sehr plötzlich auftritt. Eltern müssen dann besonders darauf achten, dass ihr Baby noch genügend trinkt. Bei anhaltendem Durchfall sollten Eltern mit dem Baby einen Arzt aufsuchen – je jünger das Kind, umso früher. Denn kleine Babys verlieren schnell zu viel Flüssigkeit.


Vorsicht bei auffallenden Farben

Der Windelinhalt kann in Farbe und Form sehr unterschiedlich sein. Eltern sollten sich nicht wundern, wenn er schwärzlich wird, nachdem das Baby ein Eisenpräparat bekommen hat. "Das ist aber unbedenklich", so Dr. med. Axel Enninger, Ärztlicher Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Stuttgart – Olgahospital. Färbt sich allerdings der Stuhl ohne vorherige Eisengabe schwarz, kann Blut aus dem Magen-Darm-Trakt der Grund sein: Deshalb besser zum Arzt gehen.

Aufpassen sollten Eltern auch bei entfärbtem, weißlichem Stuhl. "Ein weißer Stuhl kann darauf hindeuten, dass etwas mit der Gallenausscheidung nicht richtig funktioniert", erklärt der Kinder- und Jugendmediziner. Kleine weiße Striche im sonst normal farbigen Stuhl können Würmer sein – oder auch einfach unverdaute Reiskörner.

Schmerzen bei Verstopfung

"Es kommt nicht darauf an, wie häufig das Baby Stuhlgang hat, sondern ob es währenddessen von Schmerzen geplagt wird", erklärt der Kinderarzt. Die Eltern müssen ihr Kind im Gesamten beobachten: Was macht es für einen Eindruck? Hat es Schmerzen beim Stuhlgang? Ein Zeichen einer Verstopfung kann sein, wenn der Stuhl von Tag zu Tag wechselt, von kleinen Kleksen bis zu großvolumigen Stühlen. Durch den verhärteten Stuhl kommt es bei Verstopfung gelegentlich zu kleinen Schleimhauteinrissen am After, wodurch Blut im Stuhl zu finden ist. Dann können Medikamente helfen, die den Stuhl weich machen. Der Enddarm wird weniger überdehnt und die Schleimhauteinrisse können wieder abheilen.

Hat mein Baby eine Milchzuckerunverträglichkeit?

"Eine angeborene Laktoseintoleranz ist in den ersten drei bis vier Lebensjahren in Deutschland extrem selten", sagt der Facharzt für Kinder-Gastroenterologie. Bei dieser Form der Milchzuckerunverträglichkeit vertragen Babys keine Muttermilch, weil ihnen ein spezielles Enzym fehlt. Sie können mit Bauchkrämpfen, Blähungen und starkem Durchfall reagieren. Eine angeborene Laktoseintoleranz ist gefährlich: Sie kann zu Gedeih- und Entwicklungsstörungen führen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird.

Manche Säuglinge vertragen vorübergehend kein Milcheiweiß. Auch hier können Bauchschmerzen, Blähungen sowie Verstopfung oder Durchfall auftreten. Manche leiden unter Erbrechen, gelegentlich gepaart mit Hautausschlag. Hin und wieder können auch Beschwerden der Atemwege, Kreislaufprobleme und sogar ein anaphylaktischer Schock die Folge sein. Viele dieser Kinder vertragen nach dem Säuglingsalter dann wieder Kuhmilcheiweiß.



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