Schmerzen in der Brust: Mögliche Ursachen

Immer beunruhigend: Die Brust verändert sich oder tut weh. Was steckt dahinter? Und wann zum Arzt? Das erklären Experten
von Anne-Bärbel Köhle, aktualisiert am 23.01.2017

Tut die Brust weh, kann das verschiedene Gründe haben – die meisten sind harmlos

Thinkstock/Banana Stock

Die Antwort kann so simpel sein. So dermaßen einfach, dass einem sofort und auf der Stelle ein Riesenstein vom Herzen fällt. "Haben Sie in letzter Zeit zugenommen?", fragt der Hannoveraner Gynäkologe und Vorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte, Dr. med. Chris­tian Albring, seine Patientinnen als Erstes, wenn diese über Brustschmerzen klagen. Extra Kilos lagern sich nämlich auch in den Brüsten an, lassen das Gewebe schwellen und führen zu Dehnungsschmerz.

Meist harmlose Gründe

In den meisten Fällen stecken tatsächlich harmlose Gründe dahinter, wenn Frauen der Busen wehtut, wenn er anschwillt oder wenn sich knubbelige Verhärtungen zeigen. "Sehr häufig sind zyklusbedingte Wassereinlagerungen die Ursache", erklärt die Münchner Gynäkologin Dr. Ariane Kunstein, stellvertretende Bezirksvorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte, Landesverband Bayern.

Dr. med Ariane Kunstein ist Gynäkologin in München und hat lange in einem Brust-Zentrum gearbeitet

W&B/Privat

"Grundsätzlich gilt: Treten die Schmerzen an beiden Seiten auf, ist das meist kein Anlass zur Sorge", sagt Albring. "Brustkrebs macht in den seltensten Fällen Schmerzen", beruhigt auch Ärztin Kunstein. Und selbst wenn die Probleme einseitig sind, steckt meist nichts Bösartiges dahinter, sondern eher Probleme wie Zysten.

Überblick: Mögliche Ursachen

Ursache Hormone: Vor der Regel tut die Brust weh, schmerzt bei jeder Berührung. Mastodynie nennen dies Gynäkologen. Ursache ist ein Ungleichgewicht der Hormone Östrogen und Progesteron ab der zweiten Zyklushälfte.

Dr. med Christian Albring ist Vorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. und hat seine Praxis in Hannover

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Dies führt dazu, dass sich vermehrt Wasser in der Brust einlagert. Und das schmerzt. Meist verschwinden die Beschwerden mit Einsetzen der Periode wieder. Sind sie sehr stark, kann der Arzt ein Gel mit Proges­teron verschreiben, das auf die Haut aufgetragen wird. Wichtig ist auch ein gut sitzender BH. Übrigens: "Auch Stress kann zu Brustschmerzen führen", erklärt Albring. Er sorgt nämlich dafür, dass der Körper vermehrt Prolaktin ausschüttet und die Brust anschwellen lässt.

Ursache Zysten: Sie sind, grob gesagt, kleine Drüsenläppchen, die sich mit Flüssigkeit füllen. Es beunruhigt Frauen natürlich, wenn sie Schwellungen ertasten. Ab einer bestimmten Größe tun sie auch weh. "Größere Zysten können deshalb durch eine Punktion entlastet werden", sagt Ärztin Kunstein. Zysten können wiederkehren.

Und: Ist die Flüssigkeit in den Zysten nicht klar-gelb, wird sicherheitshalber eine kleine Stanzbiopsie gemacht und etwas Gewebe entnommen, das im Labor­ untersucht wird. Meist sind jedoch nur kleine Einblutungen die Ursache für die Verfärbung der Flüssigkeit. Auch andere Knubbel ertasten Frauen in ihrer Brust ziemlich häufig. In den allermeis­ten Fällen sind sie gerade bei jungen Frauen harmlos, es stecken beispielsweise Verhärtungen des Drüsen- oder Bindegewebes oder Fetteinlagerungen dahinter. Sie sollten aber trotzdem vom Frauenarzt mittels Ultraschall abgeklärt werden.

Ursache Brustentzündung: Viele wissen nicht, dass es Brustentzündungen auch bei Frauen gibt, die nicht mehr stillen. Allerdings kommen sie eher selten vor. "Entzündungen müssen immer vom Arzt begutachtet werden", sagt Kunstein. Auch hier ist meist eine gesteigerte Prolaktinbildung schuld, die beispielsweise als Nebenwirkung bestimmter Beruhigungsmittel oder Antibabypillen auftreten kann.

Ursache Rückenschmerzen: Wenn der Busen wehtut, kann das auch mit dem Kreuz zusammenhängen. "Manche Schmerzen strahlen in die Brust­region aus", erklärt Albring. Ob die Pein tatsächlich mit dem Rücken zu tun hat, lässt sich mit einer einfachen Untersuchung zunächst selbst klären: "Nehmen Sie die Brust von unten in die Hand, drücken Sie von oben und unten gleichzeitig darauf. Tut das nicht weh, dann rührt der Schmerz von einer anderen Stelle her", sagt Albring. Ärztin Kun­stein rät betroffenen Patientinnen, mit Sport die Rückenmuskulatur aufzubauen – dann verschwindet oft auch das merkwürdige Ziehen.

Was Frauenärzte empfehlen: Einmal im Monat sollten Frauen bei guten Lichtverhältnissen systematisch ­ihre Brust begutachten und abtasten (siehe Grafiken unten). Vor den Wechseljahren liegt der beste Zeitpunkt dafür etwa eine Woche nach dem Beginn der letzten Regel. Dann ist die Brust besonders weich. Mehr als 80 Prozent der Fälle von Brustkrebs werden durch die Selbstuntersuchung entdeckt – und das, obwohl nur 27 Prozent aller Frauen ihre Brust monatlich selbst untersuchen.

Aber es geht noch um etwas anderes: Wer sich regelmäßig abtastet, bekommt ein gutes Gefühl für seine Brust, kann Veränderungen besser einschätzen. Natürlich muss jeder Knoten, der einem plötzlich auffällt, abgeklärt werden. "Aber meist ist es sinnvoll, die nächste Regel abzuwarten. Viele Veränderungen sind dann nicht mehr tastbar", sagt Frauenärztin Kunstein. Und das spricht eindeutig ­gegen Krebs.

 


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