Scheidenpilz vorbeugen und behandeln

Unter bestimmten Bedingungen entsteht im Intimbereich leicht eine Pilzinfektion. Wie Sie vorbeugen und welche Mittel helfen
von Tanja Pöpperl, aktualisiert am 05.05.2017

Ein Scheidenpilz trifft drei von vier Frauen mindestens einmal im Leben

iStock/hannamonika

Nicht schon wieder dieser Juckreiz, das Brennen, der unangenehme Ausfluss… Frauen, die bereits betroffen waren, erkennen die Symptome einer vaginalen Pilzinfektion oft schnell. Der Übeltäter ist in rund 90 Prozent aller Fälle ein Hefepilz der Gattung Candida albicans. "Im gesunden Scheidenmilieu halten schützende Milchsäurebakterien diesen häufig vorkommenden Erreger in Schach", erklärt Apothe­kerin ­Christine Bender-Leitzig aus Wiesloch. "Doch sobald die Vaginal­flora gestört ist, können Hefepilze sich stark vermehren und die ­typischen Symptome einer Pilz­­infektion auslösen."

Pilzinfektion im Intimbereich: Frauen trifft es häufiger

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Vor allem ­hormonelle Um­stellungen, etwa durch Schwangerschaft, ­eine neue Verhütungsmethode oder die Wechsel­jahre, be­günstigen ein verstärktes Pilz­wachstum. ­Eine Behandlung mit Antibiotika zieht auch oft ­einen Scheidenpilz nach sich, da sowohl uner­wünschte Krankheitserreger als auch die körpereigenen schützenden Mikroorganismen zerstört werden.

Christine Bender-Leitzig ist Apothekerin in Wiesloch

W&B/Privat

Warum Frauen im Intimbereich häufiger als Männer von einer Mykose, also einer Pilz­infektion, betroffen sind, hat mit der weiblichen Anatomie zu tun. Zum einen fühlen Pilze sich in einem permanent feuchtwarmen Milieu, wie es die Scheide bietet, besonders wohl.

Zum anderen liegen Darmausgang und Scheideneingang relativ dicht beieinander. Durch das Abwischen und Abtupfen auf der Toi­lette, speziell nach dem Stuhlgang, können Darmpilze und -bakterien leicht in den nahe gelegenen Genitalbereich gelangen.

Deshalb empfiehlt es sich, ­immer von der Scheide nach hinten zu wischen. Auch hilfreich kann es sein, den Intimbereich vor jedem Stuhlgang einzufetten. So bleiben weniger Bakterien und Pilze auf der Haut zurück, und es kommt zu weniger Haut­­schäden durch den Reinigungs­vorgang, die wiederum Eintrittspforten für Mikroorganismen sind.

Wer häufig ­feuchte Toi­lettentücher, Waschlotio­nen oder Scheidenspülungen benutzt, tut sich keinen Gefallen. "Auch dadurch werden nützliche Bakterien der Vaginal­flora abgetötet", so Bender-Leitzig. "Weniger ist mehr: mit warmem Wasser waschen, so reguliert sich das Scheidenmilieu von alleine."

Scheidenpilz: Schwangere sollten zum Arzt

Was tun, wenn der lästige Pilz sich trotzdem breitgemacht hat? Bei einem unkomplizierten Verlauf kann man rezeptfreie Kombi­präparate aus Scheidenzäpfchen und Salben in der Apotheke kaufen, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Clotrimazol. Frauen, die schon mal eine Vaginalmy­kose hatten, erkennen die Symptome gut, da der plötzlich auftretende Juckreiz im Vordergrund steht, vor allem im Bereich des Scheideneingangs. Außerdem ist der Ausfluss normalerweise geruchlos und bröckelig.

Tritt ­keine Besserung ein oder ist man unsicher, ob etwas anderes hinter den Beschwerden steckt, sollte man unbedingt zum Gynäkologen gehen. "Schwangeren rate ich grundsätzlich zu einem Arztbesuch, da jede Infektion das Frühgeburts­risiko erhöht und bei einer vaginalen Geburt eine Pilzinfektion auf das ­Baby übertragen werden kann", sagt die Apothekerin.

Behandlung: Cremes mit Antimykotika helfen

Bei den rezeptfreien Mitteln können Frauen zwischen einer eintägigen und einer dreitägigen Anwendung wählen. Die Ein-Tages-Mittel sind höher dosiert. "Dabei weise ich immer darauf hin, dass zwar der Pilz nach 24 Stunden bekämpft ist, aber die Symptome nicht sofort vollständig verschwinden, weil die Schleimhäute sich erst regenerieren müssen", erklärt Bender-Leitzig. Bei starken Hautreizungen unterstützen Sitz­bäder mit Gerbstoffen die Heilung. Vom Hausmittel Tampon mit Natur­joghurt rät die Expertin ab: Zusatzstoffe könnten eventuell ­eine vaginale Infektion mit Bakterien auslösen.

Falls Beschwerden wie ­Jucken und Brennen trotz Behandlung nicht abklingen oder immer wieder auftreten, muss der Gynä­kologe ­andere Ursachen abklären. Auch Immun­erkrankungen oder Hautbeschädigungen durch ­­äußere Ein­wirkung kommen als Aus­löser infrage.

Fettcreme und Milchsäure beugen Scheidenpilz vor

Beim Sport, Wandern und Radfahren, beim Geschlechtsverkehr, dem Einführen eines Tampons oder dem Reinigen auf der Toi­lette kann es zu kleinen Läsionen kommen, die ­juckende oder eher brennende Schmerzen verursachen – und es Erregern leicht machen, anzugreifen. Deshalb kann es für Pilz-Geplagte vorbeugend ratsam sein, die Intimregion vor jeder mechanischen Belas­tung einzu­fetten. Vorsicht: Je nach Salbe (Fett) können Latexkondome nicht eingesetzt werden!

Diese Maßnahmen beugen ­einem Scheidenpilz vor: ­­

  • luftdurchlässige Unter­wäsche tragen,
  • Slips, Nachtwäsche und Handtücher bei mindestens 60 Grad waschen;
  • Intimbereich nur mit warmem Wasser waschen
  • auf der Toilette von vorne nach hinten abwischen
  • während einer Antibiotika-Therapie Zäpfchen mit Milchsäurebakterien nehmen, um die Scheidenflora zu stabilisieren.

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