Richtig Zähne putzen – ab dem ersten Zahn

Der erste Zahn blitzt durch: Jetzt beginnt die Zahnpflege. Wie funktioniert die bei Babys? Und was können Eltern tun, wenn das Kind keine Lust darauf hat?
von Sabine Hoffmann, aktualisiert am 15.12.2016

Bürste in die Hand und los: Schon Milchzähne sollten regelmäßig geputzt werden

CD/Images Source/All in the Family

Strahlend weiß und eben­mäßig – so hätten wir die Zähne am liebsten. Damit das Gebiss blendend aussieht, braucht es aber korrekte und konsequente Pflege. Und die fängt am besten schon an, bevor die Zähne überhaupt zu sehen sind. "Bereits vor dem Durchbruch der ersten Zähnchen können Eltern den Kieferkamm ihres Kindes regelmäßig massieren", rät Dr. Yvonne Wagner, Zahnärztin an der Poli­klinik für Präventive Zahnheilkunde und Kinderzahnheilkunde des Universitätsklinikums Jena. "Das unterstützt das Zahnen. Und das Kind gewöhnt sich gleich an das spätere Putzritual."

Vor dem Zahnen eventuell Kieferkamm massieren

Für ­­Babys eignen sich Zahnputz-Fingerhütchen mit Bors­ten aus weichem Gummi oder ein Waschlappen-Fingerling. Im Opti­malfall bekommen Babys schon während der Still­phase nach jeder Mahlzeit eine Kieferkammmassage. Anschließend das Hütchen oder den kleinen Handschuh unter heißem Wasser abwaschen und an der Luft trocknen lassen.

Ein vollständiges Kindergebiss verfügt über 20 Zähne. Bei Erwachsenen sind es inklusive Weisheitszähne 32

W&B/Astrid Zacharias

Erste Zähne besonders anfällig für Karies

Im Alter von etwa sechs Monaten ist es dann bei den meisten ­Babys so­ weit: Der erste Zahn bricht durch. "Auch wenn das Kind noch gestillt wird, sollten die Zähne jetzt einmal täglich geputzt werden", sagt Wagner. Denn gesunde Zähne von klein an, sind die Basis für ein gesundes Gebiss als Erwachsener. "Die ers­ten Zähne haben einen dünneren Schmelz, der beim Durchbruch noch nicht vollständig ausgereift ist. Daher sind sie besonders anfällig für Karies. Je früher Eltern mit der Pflege beginnen, des­to besser sind die Zähnchen geschützt", erklärt Wagner.


Dr. med. Yvonne Wagner ist Zahnärztin an der Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde und Kinderzahnheilkunde in Jena

W&B/Privat

Zähneputzen fällt anfangs kürzer aus

Natürlich ist in diesem Alter noch nicht an dreiminütiges Zähneputzen zu denken. Bei den ganz Kleinen reicht es anfangs aus, abends nach der letzten Mahlzeit das erste Zähnchen mit einer Kinderzahnbürste ein paar Sekunden lang zu reinigen, etwa wenn das Kind auf dem Wickeltisch liegt. Je mehr Zähne durchbrechen, umso mehr verlängert sich automatisch die Putzzeit. Die meisten Kinder empfinden die Massage des Zahn­fleisches und der Kieferkämme während des Zahnens beruhigend.

Flourid genau dosieren

Die deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) empfiehlt zur Zahnreinigung einen Hauch Kinderzahnpasta mit 500 ppm Fluorid. Diese Mengenangabe steht auch auf der Tube. Ausnahme ist, wenn das Kind Tabletten mit Fluorid bekommt. In diesem Fall sollten ­Eltern eine fluoridfreie Zahn­pasta für den Nachwuchs verwenden. "Sonst wäre die Fluoridmenge zu groß, was später an den bleibenden Zähnen zu weißen Flecken oder braunen Verfärbungen des Zahnschmelzes führen kann", erklärt Wagner. Am besten sprechen ­Eltern vorher mit dem Kinderarzt, da auch der Fluroidgehalt in Trinkwasser und Nahrung ­eine Rolle spielt.

Mit einem Jahr putzt das Kind selbst

Ungefähr ab dem ersten Geburtstag dürfen Kinder ihre Zahnbürste ruhig selbst in die Hand nehmen und bürsten – Eltern müssen anschließend aber noch gründlich nachputzen. Ab zwei Jahren sollten die Zähne zweimal täglich mit jeweils einer erbsengroßen Menge Zahnpasta gebürstet werden. Klingt leichter, als es tatsächlich ist – vor allem in der Trotz­phase rebellieren die Kleinen oft heftig. Gut funktioniert das Zähneputzen zum Beispiel nach dem Essen, wenn das Kleine noch auf dem Kinderstühlchen sitzt.

Auch bei richtiger Technik noch nachputzen

Die DGZMK rät zur KAI-Technik. Diese Abkürzung gibt die Reihenfolge des Putzens vor: Erst auf den Kauflächen vor- und zurück- und auch mal querbürsten. Dann die Zähne zusammenbeißen und die Außenflächen vom Zahnfleisch zum Zahn, also von rot nach weiß putzen. Später können auch Kreise auf den Zähnen gemalt werden. Zum Abschluss den Mund weit öffnen und die Innenflächen wie mit einem Handfeger ebenso von rot nach weiß ausfegen.

Sobald die Lücke zwischen den Backenzähnen geschlossen ist, sollten Eltern auch Zahnseide verwenden. "Lassen Sie sich von der Prophylaxe-­Assistentin zeigen, wie Sie das am besten machen", rät Wagner. Und: Auch wenn der Nachwuchs schon gut alleine bürs­tet, ist Nachputzen bis ins Grundschulalter notwendig. "Erst wenn das Kind fließend die Schreibschrift beherrscht, hat es auch das feinmotorische Geschick für eine effektive Reinigung beim Zähneputzen."

Kleiner Verweigerer? Spiele helfen

Und was, wenn sich ein Kind dem Zähneputzen verweigert? Je nach Alter hilft es, die Sache spielerisch zu gestalten. Reime lenken jüngere Verweigerer ab ("Zähneputzen, Zähneputzen – das muss jedes Kind. Zähne­putzen, Zähne­­putzen – bis sie sauber sind"). Oder: den Zähnen Tiernamen geben ("Jetzt putzen wir ­vorne die Mäusezähne, da hinten schaut der Bärenzahn heraus"). ­Dazu das Lieblingslied anmachen oder ­einen Eierwecker laufen lassen, damit wirklich zwei bis drei Minuten lang geputzt wird.

Mit ä­lteren Kindern könnten Eltern auch ­einen Wettbewerb veranstalten: Wer kann am längsten putzen, ohne auszuspucken? Und wenn die Familie nach den Mahlzeiten gemeinsam den Karies-Kampf startet, motiviert das natürlich besonders.

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