Richtig Fieber messen

Hat das Kind Fieber? Es gibt mehrere­ Möglichkeiten, die Temperatur zu messen: Im Po, im Ohr, im Mund, an der Stirn oder unter der Achsel. Nicht jede eignet sich gleich gut
von Susanne Kailitz, aktualisiert am 03.06.2016

Heiße Stirn: Eltern sollten beim Fiebermessen auf die richtige Methode achten

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Fieber ist eigentlich eine ­gute Sache. Arbeitet der Körper bei höheren Temperaturen, als normal üblich ist, kann unser Immunsystem effek­tiver gegen Viren und Bakterien ankämpfen. Hohes Fieber­ über ­einen längeren Zeitraum kann aber insbesondere­ für kleine Kinder gefährlich sein und auch bei Größeren dazu führen, dass sie sich schlecht fühlen. Daher sollten Eltern die Temperatur ­ihrer Sprösslinge im Auge behalten. Mediziner sprechen bei einer Temperatur ab 38,5 Grad – rektal gemessen – von Fieber. Säuglinge bis drei Monate gehören schon bei einer Temperatur ab 38  Grad zum Kinderarzt.

Wie Eltern die Temperatur am besten ermitteln, hängt vom ­Alter des Kindes ab. Insgesamt stehen mehrere Varianten des Fiebermessens zur Verfügung. Wichtig zu wissen: Die Körpertemperatur schwankt über den Tag. Sie ist am frühen Morgen am niedrigsten und am späten Nachmittag und dem frühen Abend am höchsten. ­Schreien und Toben lässt sie nach oben schnellen.


Die Temperatur, die das Fieberthermometer schließlich anzeigt, wird auch durch den Ort der Messung beeinflusst. Bei Messungen in der Achselhöhle und im Mund sollte man ein halbes Grad hinzurechnen. Das Gute an digitalen Geräten ist: Sie geben in der Regel durch akustische Signale bekannt, wann die Messung beendet ist. Auf Glas- und Quecksilberthermo­­meter besser verzichten.

Rektale Messung

Sie ist die wohl unbeliebteste­ Var­iante des Checks der Körpertempe­ra­tur. Nur: Sie bringt auch die genauesten Ergebnisse. Das hat gerade ­eine Meta-Studie des ­Peter ­Lougheed Center im kanadischen Calgary erneut belegt, in der 75 ­Studien mit mehr als 8600 Patien­ten analysiert wurden. Auch Dr. Norbert Lorenz, Oberarzt an der Kinderklinik des Städtischen Klinikums Dresden Neustadt, sagt: "Bei Kindern bis etwa fünf ­Jahre empfehlen wir die rektale Messung, also das Einführen eines Stabthermometers in den Enddarm." Hier würden die besten Ergebnisse erzielt, auch wenn die Art der Messung von den meisten Kindern mit zunehmendem Alter als unangenehm empfunden werde.

Babys und Kleinkinder sollten bei der rektalen Messung am bes­ten mit dem Rücken auf Wickeltisch, Couch oder Bett liegen. Man hält ihre Beine mit einer Hand am Sprunggelenk fest und schiebt die Spitze des Thermometers vorsichtig in den After. Bitte das Thermo­meter während der gesamten Messung festhalten, damit sich das Kind bei einer Bewegung nicht verletzt. Die Messung dauert etwa eine Minute. Ein Klecks Creme auf der Spitze kann das Einführen erleichtern.

Messung im Ohr

Beim Ohrthermo­meter kommen In­frarotstrahlen zum Einsatz. Sie messen sekundenschnell die Temperatur des Trommelfells. Aber bitte nicht bei Babys unter drei Monaten: "Deren Ohren sind für die Geräte schlicht noch zu winzig", sagt Mediziner Lorenz. "Bei Kindern ab dem Schulalter ist das aber eine ­gute Methode." Oft wenden Eltern das Ohrthermo­meter nicht korrekt an, sodass falsche Werte gemessen werden. Richtig sei, bei der Messung die Ohrmuschel etwas nach hinten zu strecken, so Lorenz. "Der Sensor muss gerade auf das Trommelfell gehalten werden." Die Hersteller der Geräte raten, den Sensor nach jeder Messung gründlich zu reinigen, Ohrenschmalz kann die Ergebnisse verzerren. 

Messung an der Stirn

Stirn­thermometer messen die Temperatur der Haut über Infrarotstrahlen. Das ­dauert nur wenige Sekunden. Sabine Fischer, Pharmazeutisch-technische Assistentin­ aus Dresden, nutzt es für ­ihre ­eigene Tochter aus praktischen Gründen: "Man kann auf diese Weise auch Fieber messen, wenn das Kind schläft, ohne es aufzuwecken." Weil die Methode aber als ungenau gelte, sollten Eltern im Zweifelsfall oder spätes­tens nach dem Auf­wachen das Ergebnis mit einer rektalen Messung absichern. Auch Kinderarzt Lorenz ­­empfiehlt, lieber andere Messmethoden zu nutzen.

Messung im Mund

Bei der sublingualen Messung wird das Thermo­meter möglichst weit hinten im Mund und unter der Zunge platziert. Diese Messung ist zuverlässig, aber eher für größere Kinder und Erwachsene geeignet. Sie sollten in der letzten halben Stunde vor der Messung weder Heißes noch Kaltes zu sich nehmen; das könnte das Ergebnis verfälschen.
Von sogenannten Schnullerthermometern für Säuglinge, die den Kleinen in den Mund geschoben werden, rät Norbert Lorenz ab: "Sie funktionieren meist nur theoretisch gut." Das Problem ist, dass die Temperatur irgendwo im Mund gemessen wird und nicht sublingual. Die Ergebnisse sind deshalb zweifelhaft.

Messung in der Achselhöhle

Ähnlich ungenau ist die Messung in der ­Achselhöhle mit einem digita­len Thermo­meter. Sie misst nur die Temperatur der Haut, die Schwankungen können zum Teil groß sein. Einen weiteren Nachteil der Methode sieht Sabine­ Fischer aus Dresden in der langen Dauer der Messung: "Das Ganze dauert rund sieben bis neun Minuten, in denen das Kind still auf dem Rücken liegen sollte – das schaffen die wenigsten."


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