Mutter-Kind-Kur: Was Sie wissen sollten

Väter und Mütter haben einen gesetzlichen Anspruch auf eine Kur, wenn der Arzt eine entsprechende Diagnose stellt. Ob sie mit oder ohne Kinder verreisen, können sie selbst entscheiden

von Nadja Katzenberger, 20.12.2016

Leidet eine Mutter unter chronischer Erschöpfung, steht ihr oft eine Kur zu

Thinkstock/iStockphoto

Einmal raus hier, und wenn es nur ein paar Tage sind. Auf "Stopp" drücken und den ganz normalen Wahnsinn aus Familie, Job und Haushalt anhalten. "Wenn Sie das Gefühl haben: Ich kann nicht mehr, ich könnte jeden Tag heulen und komme gar nicht mehr zur Ruhe, sollten Sie über ­eine Mutter-Kind-Kur nachdenken", sagt Anne Schilling, Geschäfts­führerin des Müttergenesungswerks in Berlin. Alle vier Jahre – in besonderen Fällen auch früher – haben Mütter und Väter Anspruch auf diese dreiwöchige Auszeit, das ist im Sozialgesetzbuch festgeschrieben. Vor­aussetzung dafür ist ein Attest vom Arzt und die Bewilligung der Krankenkasse.


Wann habe ich Anspruch auf eine Vater- oder Mutter-Kind-Kur?

Möglich ist die Kur als Rehabili­ta­tionsmaßnahme, zum ­Beispiel bei chronischen Krankheiten, einem Bandscheibenvorfall, nach einer Trennung oder einem Trauer­fall. "Oder die Kur dient zur Vorbeugung, um eine drohende Erkrankung abzuwenden", erklärt Ulrike Albrecht von der Frauenberatung des Caritasverbandes Frankfurt e. V.. Starke Rückenschmerzen, häufige Migräne oder depressive Verstimmungen sind gute Gründe für ­eine Kur.

Wer hilft mir beim Antrag?

Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt, er klärt im Gespräch den Grund für die Kur und stellt das Attest aus. Zusätzlich helfen die mehr als 1300 Beratungsstellen des Müttergenesungswerks in Deutschland vom Antrag bei der Kranken­kasse bis zur Kliniksuche.

Welche Klinik ist die richtige?

Kommt darauf an, was die Mutter oder der Vater sich wünscht – und braucht. Jedes Haus hat andere Schwerpunkte, etwa die Behandlung von Hautkrankheiten, andere sind auf Naturheilkunde spezialisiert oder besonders gut geeignet für Menschen mit Behinderung. ­Einige Kliniken bieten "Vater-Kind-Kuren" an. Hier sind Väter und ihre­ Kinder unter sich.

Auch die Konzepte sind unterschiedlich: Viele Kliniken stellen die Ent­lastung der Mutter in den Mittelpunkt, und so werden die Kinder zum Beispiel während der Mahlzeiten betreut. Andere sehen die Kur als Gelegenheit, die Bindung zwischen Mutter und Kindern zu stärken – und legen Wert auf Gemeinsamkeit, auch beim Mittag­essen. Wer genau weiß, was er sich von der Kur erwartet, kann im Vorfeld besser auswählen. Will ich in Ruhe essen und öfter mal alleine sein? Oder will ich intensiv Zeit mit meinen Kindern verbringen?

Wer bewilligt die Kur?

"Die Krankenkasse entscheidet zwar, wo Sie die Kur verbringen werden, aber alle Versicherten haben ein Wunsch- und Wahlrecht. Und berechtigte ­­Wünsche muss die Kasse erfüllen, etwa wenn Sie wegen ­einer Hautkrankheit oder Therapieform eine bestimmte Klinik ausgewählt ­haben", sagt Anne Schilling.

Brauchen die Kinder auch ein Attest?

Kinder dürfen bis maximal 14 Jahre mitfahren, auch außerhalb der Ferien – viele Kliniken bieten Unterricht an. Schulkinder müssen allerdings beurlaubt werden. Gesunde Kinder brauchen kein Attest, haben dann aber keinen Anspruch auf Anwendungen und Therapien. Anders mit Attest, zum Beispiel bei Neurodermitis oder ­Asthma. Es ist daher sinnvoll, mit dem Kinderarzt zu sprechen und bei der Klinikwahl auf Therapien für die Kleinen zu achten. Auch eine Auszeit ohne Kinder ist möglich, die sogenannte Mütter-Kur.

Wie lange muss man auf eine Mutter-Kind-Kur warten?

Etwa sechs Monate dauert es vom Antrag bei der Krankenkasse bis zur Zusage. Weil immer mehr Kuren bewilligt werden (fast 90 Prozent), sind die Wartezeiten etwas länger. Gut zu wissen: Bei Ablehnung hat ein Wider­spruch in vielen Fällen Erfolg, auch hier hilft die Beratungsstelle.

Wie läuft die Kur ab?

Und dann: Endlich raus und ausspannen? Eine Kur ist kein Urlaub, jede Mutter, jeder Vater bekommt einen eigenen Therapieplan. Die 21 Tage sind gut gefüllt: Nordic Walking beispielsweise am Morgen, Atemtherapie oder Erziehungs­beratung am Vormittag, Gruppen­therapie nach dem Mittag. Ulrike Albrecht rät: "Sagen Sie, wenn es Ihnen zu viel wird, finden Sie Ihr Ding, und ziehen Sie es durch!" Reden hilft: Die Kur soll die Frauen animieren, selbst aktiv zu werden, sich wieder mehr um sich selbst zu kümmern.

"Die drei Wochen sind ­eine gute Gelegenheit, sich neu zu kalibrieren, Probleme zu erkennen und zu benennen", sagt Albrecht, die in Frankfurt Nachsorge-­Gespräche anbietet. Die Herausforderung ist, die Erfahrungen und Vorsätze mit nach Hause zu nehmen und im Alltag umzusetzen. "Es ist wichtig, nach einigen Wochen noch einmal darüber zu sprechen, warum man die Kur gemacht hat, was die Ziele waren", sagt Albrecht. Bei den Gruppentreffen sind die Frauen froh, offen sprechen zu können – alle machen Ähnliches durch, stützen sich gegenseitig.

Ulrike Albrecht selbst hat erst ­eine Mutter-Kind-Kur, später ­eine Mütter-Kur gemacht. "Das hat mein Leben verändert, ich ­habe 33 Kilo­gramm abgenommen, ­mache ­heute viel Sport – das haben die Kuren bei mir ausgelöst." Die Frauen, die sie damals kennengelernt hat, trifft sie heute noch.



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