Mobbing nach der Elternzeit: Was Müttern hilft

Nicht immer werden Mütter nach der Elternzeit von ihren Kollegen herzlich empfangen. Was bei Mobbing hilft und wie man vorbeugt
von Julia Schulters, aktualisiert am 17.07.2015

Ausgegrenzt nach der Elternzeit? Wer gemobbt wird, sollte frühzeitig gegensteuern

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"Ach ja, die Muttis wieder. Nie um eine Extrawurst verlegen! Typisch. Bestehen auf Urlaub in den Schulferien, bleiben zu Hause, nur weil das Kind eine Schnoddernase hat, und quatschen den ganzen Tag über Windelmarken und die Schnullerfee. Ganz schön nervig!"

Wer als Mutter nach der Elternzeit an den Arbeitsplatz zurückkehrt, muss sich manchmal blöde Sprüche anhören. Kein Wunder. "Mütter haben einfach unheimlich viele Angriffspunkte", sagt Bärbel Hoffmann, Leiterin der Münchner Selbsthilfegruppe "No Mobbing". Natürlich wird ein Kind mal krank, selbstverständlich will eine Mutter frei haben, wenn sie keine Kinderbetreuung hat. "Klar, dass der dritte kitafreie Montag nicht auf restlose Begeisterung bei den Kollegen stößt", sagt Hoffmann.


Bärbel Hoffmann ist Leiterin der Selbsthilfegruppe „No Mobbing“ in München

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Mobbing bei Müttern nicht häufiger

Dennoch: Mütter haben kein höheres Risiko, am Arbeitsplatz gemobbt zu werden, als andere Arbeitnehmer. Das zeigte Diplom-Psychologe Dr. Jens Eisermann in ­einer großen Befragung von Arbeitnehmern im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. "Es gab keinen Zusammenhang zwischen dem Vorkommen von besonderen Lebensereignissen und dem Auftreten von Mobbing", sagt der Experte von der freien Universität Berlin.


Cornelia Spachtholz ist Bundesvorsitzende des Verbands berufstätiger Mütter in Köln

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Dennoch passiert es. Bärbel Hoffmann berät in ihrer Selbst­hilfegruppe immer wieder Mütter, die sich gemobbt fühlen. Sie weiß: "Für Frauen ist es schwierig genug, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Wenn dann noch Stress mit den Kollegen oder dem Chef zur Tagesordnung gehören, ist das eine enorme Belastung." Dazu kommt: Auch die gesundheitlichen Folgen sind nicht ohne. Dass Mobbing mit Depressionen und anderen psychosomatischen Erkrankungen einhergeht, haben Forscher schon vor einigen Jahren erkannt.


Dr. Jens Eisermann ist Diplom-Psychologe an der Freien Universität Berlin

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Mobbing hat unterschiedliche Ursachen

Aber wie entsteht Mobbing ­eigentlich? Häufig stecken hinter den Sticheleien schlicht Neid, Eifersucht oder Frust. "Die Ursachen für ein schlechtes Arbeits­­klima sind so unterschiedlich wie wir Menschen", sagt Cornelia Spachtholz, Bundesvorsitzende des Verbands berufstätiger Mütter e.V. in Köln. "Manchmal stecken vielleicht auch persönliche Gründe dahinter wie ein unerfüllter Kinderwunsch der Kollegin, die anfängt, Stimmung gegen eine Mutter zu machen." Vielleicht fühle sich ein Kollege aber auch schlichtweg nur ungerecht behandelt.

Manchmal brechen diese negativen Gefühle irgendwann aus. "Dann geistern zum Beispiel plötzlich böse Rundmails durch E-Mail-Verteiler, oder über den Flurfunk werden Gerüchte verbreitet", sagt Hoffmann. Auch das ist Mobbing: jemandem wichtige Informationen vorzuenthalten oder ihn von Konferenzen auszuschließen. "Letztlich ist Mobbing einfach antisoziales Verhalten", sagt Eisermann.

Der Chef als Schlüsselperson

Vor allem eine Person spielt bei der Entstehung von Mobbing ­im Unternehmen eine wesentliche Rolle: der Chef. "Entweder mobbt er selbst, oder aber er lässt es zu, dass in seiner Abteilung gemobbt wird", erklärt Wissenschaftler Eisermann. Und häufig sei es insbesondere ein Kollege, der sich gegenüber ­einem anderen ­unsozial oder verbal aggressiv verhalte. "Die anderen Kollegen machen meistens eher im Hintergrund mit", sagt der Experte. Ganz nach dem Motto: Zwei halten fest, einer schlägt zu.

Aber was tun, wenn man einmal in der Mobbing-Mühle steckt? "Am besten erst mal mit dem Vorgesetzten sprechen", sagt ­Cornelia Spachtholz. Gibt es einen Konflikt, der das Mobbing ausgelöst hat, kann man selbst Lösungen vorschlagen. "Man sollte auf jeden Fall immer versuchen, so selbstbewusst und sachlich wie möglich zu argumentieren."

Mobbing: Betriebsrat ist Ansprechpartner

Hilft das alles nicht oder ist es gar der Chef selbst, der mobbt, kann man sich an den Betriebsrat wenden. In manchen Unternehmen gibt es sogenannte Betriebsvereinbarungen, die im Falle eines Konflikts Lösungsansätze bieten. Mit dem mobbenden Kollegen selbst zu sprechen bringt meistens nichts, ist Eisermann überzeugt. "Mobbing bedeutet unter anderem ja auch, jemanden auszugrenzen", erklärt er. Es sei daher höchst unwahrscheinlich, dass sich ein Mobber überhaupt auf ein Gespräch einlasse.

Die meisten Betroffenen handeln viel zu spät, glaubt Bärbel Hoffmann. Ein Grund: "Am Anfang versucht man das Ganze zu ignorieren oder sich irgendwie schönzureden", sagt sie. Sind aber bereits andere Kollegen involviert, wird es immer schwieriger, aus der Außenseiterrolle wieder herauszukommen. Wenn Gespräche mit dem Betriebsrat zu keiner Verbesserung führen, kann man sich auch an eine Selbsthilfegruppe wenden. "Dort versuchen die Teilnehmer dann alle zusammen, ­eine Lösung zu finden", sagt Bärbel Hoffmann.

Vorbeugen ist die beste Strategie

"Damit ein Konflikt nicht eskaliert, sollte man versuchen, erst gar nicht in die Schusslinie zu geraten", sagt Cornelia Spachtholz. Das heißt für Mütter auch: nicht immer nur Verständnis fordern, sondern sich auch mal in die Kollegen hineinversetzen. Vielleicht lassen sich zum Beispiel in Sachen Urlaubsplanung Kompromisse finden, die für alle okay sind. Letztendlich profitiere die gesamte Abteilung von einem harmonischen Miteinander. Die beste Arbeit komme schließlich in einem gemischten Team zustande. "Und dazu gehören auch Mütter mit ­ihren vielfältigen Fähigkeiten", sagt Spachtholz.

In der Elternzeit Kontakt halten

Oft gelingt der Wiedereinstieg besser, wenn man schon in der Elternzeit ein paar Dinge beachtet. Cornelia Spachtholz empfiehlt Müttern, sich vor allem über die Dauer ihrer Elternzeit Gedanken zu machen. "Nach mehreren Jahren zu Hause ist man in der Firma eher Newcomer als alter Hase", sagt sie. In dieser Zeit könne sich am Arbeitsplatz viel ändern, auch die Kollegen seien einem nicht mehr so vertraut.

Deshalb ist es wichtig, Kontakt zu halten. "Ab und zu ­eine Mail oder ein Anruf tun dem Verhältnis zu den Kollegen gut", sagt sie. Wer sich in der Elternzeit weiterbildet oder mit den anderen Seminare besucht, sammelt nicht nur Pluspunkte beim Chef, sondern fördert auch das Zusammengehörigkeitsgefühl.



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