Krankes Kind, Kita tabu?

Das Kleine hustet und hat leichtes Fieber. Können es Eltern trotzdem in die Kita bringen? Was erlaubt ist – und was nicht

von Annett Zündorf, aktualisiert am 27.10.2015

Schnupfen haben Kinder oft: „Eine infektfreie Kita ist nicht realistisch“

istock/heidijpix

Wenn das Kind am Morgen fiebert, die Nase läuft oder das Ohr schmerzt, bekommen viele Eltern Panik. Sie müssen zur Arbeit. Aber kann das Kind so in die Kita? Grundsätzlich gilt: "Hat ein Kind Fieber oder ist es in seinem körperlichen Wohlbefinden beeinträchtigt, muss es zu Hause bleiben", sagt Dr. Florian Lang, Kinderarzt aus Stuttgart. Und zwar so lange, bis es ihm wieder besser geht.

Und was ist mit all den Triefnasen und Dauerhustern? "Husten und Schnupfen haben Kinder ständig. Eine infektfreie Kita ist nicht realistisch", sagt Lang. Deshalb darf der Nachwuchs auch mit laufender Nase zu seinen Kumpels. Eltern müssen dabei kein schlechtes Gewissen haben.


Bei Ansteckungsgefahr die anderen schützen

Bei einigen ansteckenden Krankheiten ist es klar untersagt, dass das Kind die Kita besucht. Sie stehen im Infektionsschutzgesetz. Dazu gibt es Ergänzungen der Landesgesundheitsämter, die nur in einzelnen Bundesländern gelten. Manchmal erteilen die örtlichen Gesundheitsämter zusätzliche Auflagen.

Infektionskrankheiten: Gegen viele Kinderkrankheiten von Masern bis Mumps lässt sich impfen. Tritt aber doch ein Krankheitsfall auf, dann sind alle nicht geimpften Kinder der Kita gefährdet, sich anzustecken. Deshalb gelten in diesen Fällen besondere Vorsichtsmaßnahmen.

Beispiel Masern: Nach dem Kontakt mit einem Erkrankten dauert es etwa acht bis zwölf Tage, bis man selbst erkrankt. Zu Masern gehört ein typischer Ausschlag. Ab fünf Tage vor dessen Auftreten bis vier Tage danach ist der Kranke ansteckend. In dieser Zeit darf das Kind auf gar keinen Fall in die Kita. Der Arzt meldet die Masernerkrankung ans Gesundheitsamt. "Fünf Tage nach dem Beginn des Ausschlags und wenn die Krankheitssymptome weg sind, es dem Kind also wieder besser geht, darf es wieder in die Kita", erklärt Florian Lang. "Dazu ist kein ärztliches Attest erforderlich."

Für das erkrankte Kind ist die Sache damit erledigt. Nicht aber für die anderen Kinder in der Kita. Wer nicht geimpft ist, kann in den ersten drei Tagen nach dem Kontakt zum Masernerkrankten noch geimpft werden. Ohne Nachimpfung muss das Kind 14 Tage zu Hause bleiben.

Einige Krankheiten sind meldepflichtig

Ähnliche Regelungen wie bei den Kinderkrankheiten gelten auch für andere Infektionskrankheiten: Solange sie ansteckend sind, darf das Kind nicht in die Kita. Eltern müssen der Kita mitteilen, wenn ihr Kind eine der im Infektionsschutzgesetz genannten Krankheiten hat. Für manche Krankheiten wie Tuberkulose ist ein Attest des Arztes notwendig, um abzusichern, dass diese wirklich überstanden ist und keine Ansteckungsgefahr mehr besteht.

Ein Zettel mit einem Hinweis auf Magen-Darm-Erkrankungen hängt in vielen Kitas fast rund ums Jahr: Durchfall und Erbrechen sind hier Dauergäste. Oft lösen Noro-, Rota- oder Adenoviren die Erkrankung aus. Einen einheitlichen Krankheitsverlauf gibt es nicht. Die Erreger werden mit dem Stuhl ausgeschieden. "Ein Kind darf wieder in die Kita, wenn es nicht mehr erbricht und der Stuhl mindestens einen Tag lang wieder geformt ist", erklärt Lang. Kinder unter sechs Jahren, die an einem Magen-Darm-Infekt erkrankt oder dessen verdächtig sind, dürfen Gemeinschaftseinrichtungen allerdings nicht besuchen und an Veranstaltungen in dieser nicht teilnehmen, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Erkrankung nicht mehr zu befürchten ist. Die Vorlage eines schriftlichen Attests ist jedoch nicht erforderlich.

Haben Kinder sich mit Salmonellen, Camphylobacter, Yersinia oder anderen Bakterien infiziert, sind sie oft über einen längeren Zeitraum krank. Deshalb gilt auch hier: Erst nachdem der Durchfall abgeklungen ist, werden sie wieder für die Kita zugelassen.

Angsteinflößend – aber nicht schwerwiegend

Hand-Fuß-Mund-Krankheit: Der Schreck ist groß, wenn der Zettel an der Kitatür die Hand-Fuß-Mund-Krankheit verkündet. Dabei ist die Erkrankung meist nicht schwer beeinträchtigend und auch nicht zu verhindern. "Das geht immer wie Wellen durch die Einrichtungen", sagt Lang. Der Grund für die hohe Ansteckungsrate: "Die Kinder sind schon ansteckend, bevor sie Krankheitssymptome haben", erklärt Lang. Haben die Kleinen Fieber und fühlen sie sich schlecht, sollten sie zu Hause bleiben. Kleiner Trost für Eltern: Bei vielen Kindern verläuft die Hand-Fuß-Mund-Krankheit fast unbemerkt.

Bindehautentzündung: In manchen Kitas müssen Kinder zu Hause bleiben, sobald sich eine kleine Rötung am Auge zeigt. Tatsächlich kann eine Bindehautentzündung ansteckend sein, allerdings tritt die hochansteckende virale Bindehautentzündung nur selten auf. "Meist handelt es sich um Keime aus der eigenen Nase, die in die Augen verschmiert wurden", sagt Lang. Trotzdem empfiehlt er, Kinder daheim zu lassen, bis das eitrige Sekret verschwunden ist.

Läuse: Manchen Eltern sind sie peinlich. Dabei nisten sich Läuse bei vielen Kindern mal ein. Gern verlangen Kitas dafür eine Gesundschreibung. Aber die ist nicht immer nötig: "Normalerweise bestätigt ein Erziehungsberichtigter schriftlich, dass er die Haare mit einem geeigneten Medikament behandelt hat", sagt Lang.

Gesundschreibungen sind meist nicht nötig

Generell verlangen manche Kitas bei verschiedenen Erkrankungen der Kinder eine Gesundschreibung. Doch nur für wenige Erkrankungen, wie Lungentuberkulose oder EHEC, verlangt das Gesetz ein ärztliches Attest, in dem bestätigt wird, dass der Patient wieder gesund ist. Bei allen anderen Krankheiten genügt es in der Regel, wenn die Eltern sich an die Empfehlung des Arztes halten, wann das Kind wieder in die Kita darf. Für die Gesundschreibung, die die Kitas wollen, müssen Eltern bezahlen. Wie viel, ist in der ärztlichen Gebührenordnung festgelegt. "Eltern sollten den Kitas sagen, dass solche Gesundschreibungen Geld kosten", empfiehlt Lang. "Oft ist das in den Kitas nicht bekannt."

Falls Kinder noch Medikamente bekommen müssen, obwohl sie schon wieder in die Kita dürfen, sind Erzieher nicht verpflichtet, diese auch zu geben. Das ist eine Sache der Absprache.



Arbeitsrecht für Eltern

Krankes Kind

Kind krank: Welche Rechte Berufstätige haben »

Ist das Kind oft krank, mehren sich die Fehltage der Eltern schnell. Gut zu wissen, welche Rechte berufstätige Mütter und Väter haben »

Mutter mit Kleinkind auf dem Schoß am Laptop

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Mutter mit Kind arbeitet vor dem Laptop

Entwicklungsnewsletter

Erhalten Sie alle zwei Wochen Infos zum ersten Lebensjahr Ihres Kindes »

Teilen Sie sich die Elternzeit mit Ihrem Partner?

Finden sie es okay, Babybilder in Sozialen Medien zu posten?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages