Kinderschuhe kaufen – aber richtig!

Viele Kinder tragen zu kleine Schuhe, ohne dass die Eltern dies bemerken. Worauf Sie schon beim Schuhkauf achten sollten
von Barbara Weichs, aktualisiert am 24.05.2017

Zu klein? Zu groß? Zu schmal? Kinderschuhe kaufen ist oft ganz schön schwer

W&B/Silvia Lammertz

Kleine Füße brauchen vor allem eins: viel Bewegungsfreiheit. Eine wichtige Rolle für eine gesunde Fußentwicklung spielen deshalb die Schuhe. Allerdings nicht, weil der Fuß sie braucht, um gut zu wachsen. Denn: Je häufiger Kinder barfuß oder auf rutschfesten Socken laufen, desto besser werden die Füße gekräftigt.

Zu kleine Schuhe können zu Fehlstellungen der Füße führen

Vielmehr können nicht passende Schuhe für die Füße problematisch werden. Vor allem zu kleine Schuhe engen die Füße so ein, dass diese sich dauerhaft verändern können. "Krallenzehen und Hallux valgus, eine Fehlstellung der großen Zehe, sind zum Beispiel möglich", erklärt Dr. René Paulus, Kinder­orthopäde mit eigener Praxis in München.

Zu große Schuhe verformen Füße und Zehen zwar nicht, sind für Kinder aber unbequem. Sie schlüpfen nicht nur ­ständig aus ihnen raus, sondern können auch nicht gut darin abrollen. Ein tollpatschiger Gang ist dann typisch. Manchmal kommt es auch zu Muskelverspannungen, das Kind klagt dann über Fußschmerzen.


Dr. med. René Paulus ist niedergelassener Kinderorthopäde in München

W&B/Privat

Der richtige Zeitpunkt für das erste Paar Schuhe: wenn das ­Kleine auch im Freien läuft und seine Füße vor Kälte, Schmutz oder Verletzungen geschützt werden müssen. Ob ein Schuh wirklich passt, erfahren Eltern von ihrem Nachwuchs meist nicht, selbst wenn dieser schon sprechen kann und versteht, was Mama oder Papa von ihm wissen wollen.

Schuhe und Füße regelmäßig kontrollieren

"Kinder fühlen sich nicht gestört von zu kleinen Schuhen und laufen auch über einen längeren Zeitraum klaglos damit herum", sagt Prof. Andrea Meurer, Ärztliche Direktorin der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim in Frankfurt am Main. Sie rät deshalb, etwa alle vier bis sechs Monate zu kontrollieren, ob Schuhe noch ­passen (siehe Tipps).

"Gucken Sie aber auch in der Zwischenzeit die Füße Ihres Kindes an: Entdecken Sie Druckstellen, Rötungen oder Hornhaut an unüblichen Stellen? Das deutet auf nicht passende Schuhe hin", so die Expertin.


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www.kinderfuesse.com

Das sollten Sie beim Schuhkauf beachten

1. Schablone zeichnen

Stellen Sie Ihr Kind noch zu Hause auf ein Stück Karton. ­Zeichnen Sie den Fuß nach, und geben Sie an der längsten Zehe etwa 12 Millimeter dazu. Ab­druck ausschneiden. Lässt sich die Schablone leicht und flach in einen Schuh legen, passt dieser. Unbedingt auch vom zweiten Fuß machen! Der größere ist entscheidend.

2. Innensohlen-Check

Lässt sich die Sohle aus dem Schuh nehmen, können Sie auch so die Größe prüfen: Hat Ihr Kind ausreichend Platz darauf? Manche Geschäfte haben dafür auch ein Innenmessgerät. Fragen Sie einfach nach!


Prof. Dr. Andrea Meurer leitet die Ortho­pädi­sche Univer­si­tätsklinik Friedrichsheim in Frankfurt/Main

/Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim

3. Nachfühlen im Schuh

Keine gute Idee, denn Kinder ziehen oft instinktiv die Zehen zurück, wenn man auf die Schuhspitze drückt. Mit folgen­dem Trick kann es funktionieren: Legen Sie eine Hand quer über den Schuh, und fixieren Sie dadurch die Zehen. Ist ein Daumenbreit Luft?

4. Schuhform und -weite

Hat Ihr Kleines eher ­einen schmalen Fuß oder einen breiten? Lassen Sie sich beraten, welcher Hersteller entsprechende Modelle hat. Ein Schuh sollte festen Halt geben, darf aber nicht einengen. Besser eckige Schuhe wählen als spitze: Die Zehen brauchen Platz.

5. Flexibel, leicht und atmungsaktiv

Die Faustregel beim Schuhkauf: Je beweglicher, ­desto besser. Um das zu testen, sollte man die Schuhe in die Hand nehmen und sie in alle Richtungen biegen. Die Laufsohle sollte außerdem rutschfest sein. Polster oder Fußbett sind überflüssig. Luftdurchlässiges Obermaterial lässt den Fuß atmen. Achten Sie auch auf das Gewicht der Schuhe: Schwere Schuhe belasten Gelenke und Wirbelsäule unnötig. 

6. Enger schnallen 

Mit Schnürsenkeln, Klettverschlüssen oder Schnallen lassen  sich Schuhe gut dem Fuß anpassen. Schuhe zum Reinschlüpfen müssen hingegen perfekt sitzen, sonst schlüpft das Kleine ständig raus.

7. Vererben – ja, oder?

Experten raten, gebrauchte Schuhe nur dann zu nutzen, wenn die Sohlen nicht einseitig abgelaufen sind.



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