Hygiene in Kitas: Welche Regeln gelten?

Läuse, Magen-Darm, Hand-Fuß-Mund-Krankheit: In Kitas folgt oft eine Erkrankungswelle auf die andere. Da ist eine gute Hygiene wichtig. Welche Vorgaben gibt es eigentlich?

von Larissa Gaub, aktualisiert am 10.02.2017

Nicht nur bei Magen-Darm-Epidemien sind saubere Toiletten in Kitas Pflicht

Getty Images/Westend61

Wo viele Kinder zusammen spielen, essen und schlafen, tummeln sich auch Viren und Keime nur zu gerne. Deshalb gelten in Krippen und Kindergärten ganz schön hohe Anforderungen an Sauberkeit und Hygiene. Ob und wie gut diese eingehalten werden, kontrolliert bundesweit das zuständige Gesundheitsamt. Marc Schlachter ist so ein Hygiene­kontrolleur, arbeitet beim Gesundheitsamt Augsburg Land und betreut über 220 Einrichtungen. Wenn er eine Kindertageseinrichtung besucht, schaut er sich zuerst die Toiletten an und prüft, wie sauber sie sind. "Denn nur eine saubere Toilette kann auch hygienisch sein", sagt Schlachter.

Hygieneplan ist in Kitas Vorschrift

Danach liest sich der Kontrolleur den Hygieneplan der Einrichtung durch. Hier steht nicht nur drin, wie die Toiletten gereinigt werden müssen, sondern auch was zu tun ist, wenn eine ansteckende Krankheit ausbricht. "Jede Einrichtung braucht einen Hygieneplan", sagt der Experte. Die Bundesländer bieten oft umfangreiche Muster­pläne an, die eine Einrichtung dann an ihre Bedürfnisse anpassen sollte. "Wer zum Beispiel Kinder wickelt, muss in dem Hygieneplan stehen haben, wie oft der Wickeltisch desinfiziert wird oder welche Handschuhe man benutzt", so Schlachter.


Marc Schlachter arbeitet beim Gesundheitsamt Augsburg Land als Hygienekontrolleur

W&B/Privat

Oft gewöhnungsbedürftig: Wickeln mit Handschuhen

Einige Kitas laden Schlachter auch zu Elternabenden ein, bei denen er allen die Hygieneregeln erklärt. Er ist es schon gewöhnt, dass ­Eltern ihn bei manchen Vorschriften ein bisschen komisch anschauen. Zum Beispiel wenn er erklärt, dass die Kleinen mit Handschuhen und Schürze gewickelt werden müssen. Viele Eltern und auch manche Erzieher finden das gewöhnungs­bedürftig. Das Kind soll schließlich nicht das Gefühl bekommen, sein Körper sei etwas Unangenehmes, das man nur mit Hand­schuhen anfassen will. "Auch wenn es seltsam aussieht, es hilft", sagt Schlachter. Denn durch Schürze und Handschuhe schützen die Erzieher nicht nur die Kinder vor Krankheiten, sondern auch sich selbst. Schlachter rät, die Handschuhe spielerisch mit ins Windelnwechseln einzubinden.

Inzwischen geben ihm die Kitas nur positive Rückmeldungen: "Die Kinder erinnern teilweise die Erzieher selbst daran, wenn sie ihre blauen Schlumpfhandschuhe vergessen haben", erzählt Schlachter.

Einige Krankheiten für Eltern meldepflichtig

Aber nicht nur für die Erzieher gelten viele Vorschriften, auch die Eltern müssen sich an Regeln halten. Wichtig für Eltern ist das Infektionsschutzgesetz, das zum Hygiene­plan dazugehört. Kommt das Kind in die Kita, unterschreiben Eltern neben dem Betreuungsvertrag auch die Aufklärung über die Inhalte des Infektionsschutzgesetzes. Zweck des Gesetzes ist es, übertragbare Krankheiten schnell zu erkennen und zu verhindern, dass sich mehr Menschen anstecken können. Eltern sind gesetzlich dazu verpflichtet, der Einrichtung zu melden, wenn ihr Kind an einer meldepflichtigen Krankheit, wie zum Beispiel Masern oder Wind­pocken, leidet oder Läuse hat.

Eltern müssen krankes Kind abholen

Die meisten Eltern halten sich auch an diese Spielregeln. Trotzdem kommt es hin und wieder vor, dass ein krankes Kind in die Einrichtung gebracht wird. Marc Schlachter sieht durchaus die Zwickmühle der Mütter und Väter: "Viele Eltern sind darauf angewiesen, dass ihre Kinder von einer Einrichtung betreut werden. Sie haben keine Großeltern, die Zeit haben, sich um die Kleinen zu kümmern, und die Fehltage in der Arbeit sind auch schon aufgebraucht."

Den Erziehern bleibt meist nichts anderes übrig, als die matten Kleinen mit müden Augen morgens in die Kita aufzunehmen. Aber sobald ein Kind etwa Fieber oder Durchfall in der Kita bekommt, müssen die Eltern das Kind wieder abholen und zum Arzt bringen. "Wer sich weigert, das Kind zu holen, macht sich unter Umständen­ sogar strafbar", so Schlachter. Und das kann vom Gesundheitsamt auch mit einer Geldbuße geahndet werden.

Wann darf das Kind wieder in die Kita?

Und wann darf das Kind wieder in die Kita? Auf jeden Fall, wenn es nicht mehr ansteckend ist. Handelt es sich um eine nicht meldepflichtige Krankheit, wie zum Beispiel die Hand-Fuß-Mund-Krankheit, braucht es dafür auch kein Attest. Dennoch sollte ein Arzt das Kind gesehen haben. Hat sich das Kind eine meldepflichtige Krankheit eingefangen, muss oft ein ärztliches Attest vorliegen, wenn es wieder in die Kita soll. Die Einrichtung ist verpflichtet, das zustädige Gesundheitsamt über so einen Krankheitsfall zu informieren.

Übrigens muss die Kita auch melden, sobald zwei oder mehr Kinder die gleichen Symptome zeigen und schwer erkrankt sind – egal ob es eine meldepflich­tige Krankheit wie Masern ist oder ­eine banale Erkältung. "Wenn ständig Kinder krank sind, besuche ich die Einrichtung und schaue mich genau um", sagt Schlachter. "Manchmal stelle ich dann fest, dass eine Kita nicht das richtige Desinfektionsmittel verwendet. Besonders hartnäckige Viren können so länger überleben."

Aber auch wenn sich Eltern und Erzieher streng an alle Regeln halten: Dass Krankheiten ausbrechen, lässt sich nie vollständig verhindern. Doch Marc Schlachter ist überzeugt: "Das Risiko lässt sich verringern: In einer meiner Kitas konnten die Krankheitsfälle um mehr als 25 Prozent reduziert ­werden."

 


Sabine Wilhelm ist Leiterin der Kinderkrippe St. Elisabeth in Königsbrunn bei Augsburg in Bayern

W&B/Privat

Das macht die Kita bei Magen-Darm-Infekten

"Wenn ein Kind sich in der ­Kita übergibt und dazu noch Durchfall bekommt, teilen wir Erzieher uns sofort auf: Einer kümmert sich um das kranke Kind und informiert die Eltern, der Nächste betreut die restlichen Kinder in einem anderen Raum. Außerdem grenzt einer das Erbrochene größzügig mit Stühlen ein und deckt es mit Küchentüchern oder Katzenstreu ab.

Damit wir uns beim Entfernen nicht selbst anstecken, haben wir in unserer Notfallbox für die Erzieher Schürze, Handschuhe und auch Mundschutz. Bettwäsche verpacken wir in einer Plastik­tüte. Unsere Hauswirtschaftskraft wäscht sie mit besonderem Waschmittel. Den Boden reinigen wir mit speziellem Desinfektionsmittel, das eine Stunde einwirken muss. Seitdem wir mit Schürzen und Handschuhen wickeln, haben wir weniger Durchfallerkrankungen. Aber es kommt eben immer mal wieder vor."


Ingrid Miklitz ist Vorsitzende der Wald- und Naturkindergärten in Baden-Württemberg aus Bad Liebenzell

/Anne Hoess

Das passiert im Waldkindergarten bei Problemen mit dem Eichenprozessions­spinner

"Durchfall, Läuse oder Schnupf­nasen kommen bei uns ge­nauso oft vor wie in anderen Kinder­gärten. Auch wir achten darauf, dass die Kinder sich regelmäßig die Hände waschen.
Im Sommer müssen wir be­sonders auf den Eichenprozessions­spinner achten. Das ist ein ­Falter, der auf ­Eichen lebt. Anfang Mai schlüpfen die Raupen aus den ­Eiern. Auf ihrem Körper bilden sich kleine, feine Brennhaare, die leicht vom Wind verweht werden und in der Luft herumfliegen. Die Härchen enthalten ein Nesselgift. Wenn sie in die Atemwege geraten, kann das eine allergische Reaktion auslösen.

Eine Meldepflicht besteht nicht, aber sowohl wir als auch die behandelnden Ärzte melden die Vor­fälle dem Gesundheitsamt und der Stadt. Die kümmern sich dann darum, die Nester so schnell wie möglich unschädlich zu machen. Unter Umständen muss der Waldkindergarten für eine bestimmte Zeit an einen anderen Platz um­ziehen, damit die Kinder und die Erzieher davor geschützt sind."


Dagmar Gackenholz-Franzen ist Leiterin der städtischen Kindertagesstätte Gertrud Kockhaus in Celle in Niedersachsen

W&B/Privat

So geht die Kita bei Läusebefall vor

"Haben die Kinder Läuse, fällt uns das meist schnell auf, denn sie kratzen sich häufig am Kopf. Sobald wir die Tiere oder deren Nissen sehen, rufen wir die Eltern an und bitten sie, das Kind abzuholen und zum Arzt zu bringen. Er kann einschätzen, wie lange es daheim bleiben sollte. Kommt das Kind wieder in die Kita, müssen die Eltern bei uns ein Attest vom Arzt vorzeigen. Behandelt werden Läuse mit einem speziellen Haarwaschmittel, das Eltern zweimal anwenden: einmal direkt nach dem Arztbesuch und einmal neun Tage später, da die Nissen bei der ersten Wäsche nicht vollständig getötet werden. 

Im Kindergarten waschen wir alle Kissen- und Matratzenbezüge, desinfizieren das Spielzeug und die Kämme der Kinder. Jedes Kind hat einen eigenen Kamm. Alles, was wir nicht heiß genug waschen können, verpacken wir luftdicht in Plastiktüten und lassen es mindestens drei Tage stehen. Wir sprechen auch mit allen Eltern, worauf sie zu Hause achten können, um die Läuse schnell wieder loszuwerden."



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