Hilft Physiotherapie bei ADHS?

Kinder mit einer Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) haben oft motorische Defizite. Was Bewegung bewirken kann

von Barbara Weichs, aktualisiert am 21.04.2015

In einem Trainingsparcours können Kinder lernen, ihre Motorik zu schulen

Strandperle Medien Services e.K/Cultura Images

Frau Wanderer, wie kann Bewegung die Therapie von Kindern mit ADHS unterstützen?  

Viele Kinder mit ADHS haben ­einen erhöhten Bewegungsdrang. Der muss abgebaut werden, damit sie sich besser konzentrieren können. Manche Betroffene haben zudem ­Defizite in ihren motorischen Fertigkeiten.

Sie können zum Beispiel nicht so be­hände klettern oder mit dem Ball umgehen wie Gleichaltrige. Das grenzt sie aus, sie verlieren an Selbstvertrauen. Da es dazu kaum Unter­suchungen gibt, wollten wir schauen: Lassen sich mit gezielten physio­therapeutischen Übungen beide Probleme behandeln?


Dipl.-Psychologin Sina Wanderer begleitet die Studie "Physiotherapie bei ADHS-Patienten" an der Dresdner Klinik für Kinder- und Jugendpsychatrie

W&B/Privat

Und was sind Ihre Ergebnisse?

Die Studie läuft noch, deshalb kann ich bisher nur von Einzelbeobachtungen sprechen, die aber vielversprechend sind. Wir sehen zum einen, dass sich die Motorik der Kinder deutlich verbessert hat. Zum anderen gehen die Kinder fröhlich aus dem Training. Sie haben Spaß an den Aufgaben.

Welche Aufgaben sind das?

Die Übungen sind genau abgestimmt auf die Schwierig­keiten des jeweiligen Patienten. Viele haben zum Beispiel eine unausge­glichene Körperspannung. Hier machen wir Übungen, die die Rumpfmuskulatur stärken, damit das Kind aufrecht sitzt. Das wiederum unterstützt die Konzentration. In Parcours, in ­­denen es über Sprossen­wände oder Bänke geht, schulen die Kinder ihre Motorik und gleichzeitig ihre Selbstorganisation, weil sie sich einen bestimmten Ablauf der Aufgaben merken müssen.

Denken Sie, dass Bewegung tatsächlich Medikamente in der ADHS-Therapie ersetzen kann?

Das wäre schön, es kommt aber auf die Schwere der Störung an. Manchmal wird es ­Medikamente brauchen. ­Bewegung sollte jedoch ein ergänzender Bestandteil sein. Denn richtige Bewegung ­erhöht auf jeden Fall die ­­Lebensqualität der Kinder, weil sie wieder mehr am Alltag teilnehmen können.

Familien, die an der Studie teilnehmen möchten, können sich unter Tel.: 0351/458 71 68 melden.



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