Der richtige Sonnenschutz für Kinder

Wenn Sie ein paar Regeln beachten, steht einem Sommertag im Freien nichts im Weg. Wir beantworten die zehn wichtigsten Fragen zum Thema UV-Schutz
von Annabelle Fischer, aktualisiert am 29.05.2017

Immer gut eincremen: Sonnenlotion wappnet die Haut gegen UV-Strahlen

istock/MarKord

Warum ist die Haut von Babys besonders lichtempfindlich?

"Bei Kindern ist die schützende Hornschicht der Haut wesentlich dünner als bei
Erwachsenen. So kann die UV-Strahlung ­leichter in tiefere Hautschichten dringen", sagt Prof. Dr. med. Dietrich Abeck, niedergelassener Hautarzt mit Praxis in München. "Die hauteigenen Schutzmecha­nis­­men reifen bis zum zwölften Lebens­jahr."

Reicht Eincremen als Schutz?

Nein. Mittagssonne bitte ­immer meiden! Babys sollten nie in die pralle Sonne, da ihre Haut noch ­keine Schutzschicht hat. Schatten bevorzugen, über Planschbecken und Co. ­einen Sonnenschirm aufstellen. Beim Kinder­wagen auf Schirm­material mit UV-Schutz achten.

Muss auch schon im März oder April Ein­cremen wirklich sein? 

Ja, da der Körper sein Sonnen­abwehrsystem runtergefahren hat, reagiert die Haut auf die erste wärmende Sonne sehr empfindlich. "Typisch ist die Frühlingsperinosis, eine Sonnenallergie mit Bläschen an der Lippe oder hinter den ­Ohren", sagt Abeck.

Und auch im Schatten?

Ja. Unter Bäumen, Wolken oder Sonnenschirmen sind die UV-Strahlen zwar nicht so intensiv, trotzdem können sie Schaden anrichten. Deshalb sind Sonnenschutzmittel auch im Schatten Pflicht.

Prof. Dr. Dietrich Abeck ist Dermatologe und Allergologe mit eigener Praxis in München

Agentur Schneider-Press/Frank Rollitz

Wie überzeugen wir unsere Kinder?

Wichtig ist, dass sich die Creme gut verstreichen lässt und schnell einzieht. Die Kleinen am besten mitcremen lassen: "Du machst den Arm, ich das Gesicht." Dann macht es ihnen mehr Spaß.

Welche Sonnenschutzmittel eignen sich für Kinder?

Eine normale Sonnencreme ist auf jeden Fall besser als gar keine. Aber: "Wir empfehlen spezielle Sonnenschutzprodukte, da diese auf die Bedürfnisse empfindlicher Kinder­haut abgestimmt und meis­tens frei von Duftstoffen sind", sagt die Amberger Apothekerin ­Heike Übler.

Apothekerin Heike Übler ist Apothekerin mit eigener Apotheke in Amberg

W&B/Privat

Kann ich die ange­brochene Creme vom letzten Jahr verwenden?

"Ja", sagt Abeck. "Wenn Sie sich vergewissert haben, dass die Konsistenz noch stimmt, sie normal riecht und noch ein Drittel drin ist." Die Apothekerin ergänzt: "Am bes­ten das Öffnungsdatum auf das Produkt schreiben und nach un­gefähr zwölf Monaten erneuern, spätestens nach Ablaufdatum."

Wie funktionieren mineralische Filter?

Der Lichtschutz funktioniert durch Reflexion: Die Creme bildet eine weiße, film­artige Schicht auf der Haut, an der die Strahlung abprallt. Um diesen Weiß­effekt zu minimieren, werden Nano­partikel verwendet, die umstritten sind. Das Bundes­amt für Risiko­bewertung stuft die Verwendung im kosmetischen Bereich jedoch als gesundheitlich unbedenklich ein. Da der mineralische ­­Filter nur auf der Haut wirkt, wird er in der Regel für Kinder empfohlen. Manko: Er kann die Haut austrocknen.

Wie funktionieren chemische Filter?

Chemische Filter dringen in die Haut ein und wandeln die UV-Strahlung in andere Energieformen um, zum Beispiel Wärme. ­Manche Cremes mit chemischen Filtern enthalten noch Subs­tanzen wie Butylmethoxydibenzoylmethan, Octocrilen und Ethylhexylmethoxycinnamat (auf ­Liste der Inhaltsstoffe achten). ­Diese ­bitte meiden, sie stehen im Verdacht, hormon­ähn­lich zu wirken. "Gut sind kombinierte Präparate mit mineralischem und chemischem Filter, da sie weniger unerwün­schte Wirkungen zeigen und eine hohe Sonnenschutzleistung erreichen", so Übler.

Wie lange vor dem Sonnenbaden muss ich den Schutz auftragen?

Ganz einfach: Der mineralische wirkt sofort, da er wie eine Schutzschicht auf der Haut liegt. Präparate mit chemischen Filtern mindestens 20 Minuten, ­­bevor es nach draußen geht, auftragen.

Viele lieben gut duftende Kokosöle oder Gels. Bringen die was?

Nein, die haben keine Bedeutung für den Sonnenschutz.

Eignen sich Sprays oder Fluids?

"Sprays sind genauso sicher wie Cremes. Nach Angabe groß­zügig auftragen", sagt die Apothekerin. Hautarzt Dietrich Abeck: "­Fluids sind gut für Teenager, die zu ­Pickeln neigen, da sie weniger ­ölig sind."

Wie wasserfest ist wasserfeste Sonnencreme?

"Ach, gar nicht. Ein bisschen Creme bleibt zwar auf der Haut. Aber ­bitte nach jedem Wasserkontakt wieder auftragen", so Abeck. Nicht wasser­feste Produkte wären ganz weg. "Die Kombi von Wasser und ­Sonne steigert die Sonnenbrandgefahr. Daher immer LSF 50 verwenden", sagt die Apothekerin.

Wirkt der Schutz länger, wenn ich häufiger nachcreme?

Nachcremen ist sinnvoll. Am bes­ten schon nach zehn Minuten, rät Abeck. Denn: Erst nach dreimal Eincremen erreicht man den angegebenen Lichtschutzfaktor. Er wird unter Laborbedingungen festgelegt und die erreicht man beim Selbstcremen praktisch nicht.

Daher gilt: Mit Lichtschutzfaktor (LSF) 50 hat man ­einen tatsächlichen Schutz von nur LSF 20. Mit Faktor 10 multi­pliziert ergibt sich die Zeit, die ein Kind maximal in der Sonne bleiben darf, um keinen Sonnenbrand zu bekommen: In ­unserem Beispiel sind das 200 Minuten. "Aber", so der Arzt, "die Hautschädigung beginnt schon früher. Daher noch ­etwa ein ­Drittel der Zeit abziehen, um sicher­zugehen." Fazit: Bei ­einer Creme mit LSF 50 sollte ein Kind nach zwei Stunden aus der ­Sonne.

Wie schlimm ist ein Sonnenbrand auf der Kinderhaut?

Das Problem beim Sonnenbrand ist: Die Haut vergisst nichts. und wenn er häufiger vorkommt, kann sie geschädigt werden. Das Hautkrebsrisiko steigt. Prinzipiell muss man Sonnen­brände also vermeiden.

Wie behandele ich einen Sonnenbrand?

"Bei Schmerzen empfehle ich in den ersten 48 Stunden Ibuprofen-Saft für Kinder, damit die Entzündung weggeht", so Abeck. Wichtig: äußer­lich mit feuchten Umschlägen kühlen! Bei einem verbrannten Rücken: Feuchtigkeitscreme drauf, ein T-Shirt nass machen, auswringen und anziehen. "Entzündungshemmend können auch Schaumsprays oder Kühlgele wirken", sagt Übler.

Hemmt Sonnenschutz die Vitamin-D-Bildung?

Sind die Kinder ständig komplett, also auch mit langer Kleidung, geschützt, bilden sie kaum ­Vita­min D. Das ist aber für das Knochenwachstum wichtig. "Dann hilft es, Kinder zwei Minuten oberkörperfrei in die Sonne zu lassen", sagt Abeck. "Kinder, die kurzärme­lig raus­gehen, werden nie einen Vitamin-D-Mangel haben. Sogar bei bewölktem Himmel erreichen uns noch 80 Prozent der UV-Strahlen." Vorsicht im Urlaub: Strand, Wasser und heller Sand reflektieren das Licht verstärkt. Auch im Gebirge ist die UV-Strahlung deutlich höher. Tipp: Auf www.uv-index.de lässt sich der aktuelle Index checken.

Dürfen dunkelhaarige Kinder länger in die Sonne als hellblonde?

"Ja, da sie eine höhere Eigenschutzzeit haben. Die hängt vom Hauttyp ab. Pippi Langstrumpf als Hauttyp 1 hat mit Sonne nix am Hut", so Abeck. Sie braucht immer ­guten Sonnenschutz.

Ist auch die Sonnenbrille Pflicht?

Ja! Die fünf Schutz-S lauten: Schatten, Shirt, Sonnenhut, Sonnenschutz, Sonnenbrille. Und: Lippen eincremen, am besten mit einem LSF-Stick. Vor allem die Unterlippe, die obere ist von der Nase geschützt.


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