Depressionen bei Kindern: Häufig unerkannt

Dass ein Kind depressiv ist, wird häufig übersehen oder erst spät erkannt. Warum das so ist, erklärt Dr. Mirko Döhnert im Interview

von Peggy Elfmann, aktualisiert am 17.02.2016

Depressiv? Bei Kindern wird das häufig lange nicht festgestellt

F1online

"Bei Kindern und Jugendlichen sind Depressionen ein unterschätztes Problem", lautet die Zwischenbilanz der Gesundheitsstudie des Leipziger Forschungszentrums für Zivilisationserkrankungen (LIFE). Warum? Wir haben Dr. Mirko Döhnert gefragt, Kinder- und Jugendpsychiater sowie stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Leipzig.

Herr Dr. Döhnert, wieso werden Depressionen bei Kindern unterschätzt?

Weil es eine leise Störung ist. Die Kinder ziehen sich zurück – und das fällt lange nicht so auf wie ein trotziges, aggressives Kind. Deshalb werden Depressionen bei Kindern übersehen oder zu spät erkannt.


Dr. med. Mirko Döhnert ist Kinder- und Jugendpsychiater sowie stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Leipzig

W&B/Privat

Wie viele Kinder sind betroffen?

Im Vorschulalter sind es etwa ein Prozent, im Grundschulalter zwei Prozent, und ab der Pubertät steigt die Häufigkeit bis zu acht Prozent. Das sind so viele Kinder wie mit ADHS. Mich hat es überrascht, wie viele Kinder eine depressive Störung aufweisen. Das geht manchmal unter, sogar in der Klinik.

Wie kommt das?

In unserer Studie haben wir gesehen, dass die Depression im Kindesalter oft mit anderen Schwierigkeiten kombiniert ist. Da kann es passieren, dass man die Depression nicht sieht.

Welche Schwierigkeiten treten noch auf?

Häufig sind Angst- oder Verhaltensstörungen. Aber auch Schlaf- oder Appetitstörungen kommen oft vor.

Welche Kinder erkranken vor allem?

Bei einem Drittel der kranken Kinder leiden die Bezugspersonen, meist die Mütter, auch an einer Depression. Unsere Untersuchung zeigt, dass depressive Kinder schwierigeren Lebensumständen ausgesetzt sind als gesunde Kinder und ihr Umgang mit Stress gestört ist.

Können Eltern erkennen, ob ihr Kind gefährdet ist?

Ja, wenn sie ihren Blick schärfen. Depressive Kinder sind traurig, ziehen sich zurück. Sie haben keine Freude mehr an Hobbys, klagen oft über Schlafstörungen, Bauch- und Kopfweh. Dann sollten Eltern Hilfe suchen. Der Kinderarzt ist eine gute Anlaufstelle. Er kann an Experten überweisen.



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