Das hilft bei Schimmel in der Wohnung

In den Fugen, an der Wand oder der Zimmerdecke: Schimmelbefall in der Wohnung ist ziemlich eklig. Wie schädlich er außerdem ist und wie Sie ihn loswerden
von Susanne Kailitz, aktualisiert am 22.06.2016

Keine Chance dem Schimmel! Kleine Flecken sollten Sie rasch selbst entfernen

W&B/Angie Wolf

Dunkle Verfärbungen in der Fuge, schwarze Punkte auf der Fensterleiste: Schimmel in der Wohnung – da reagieren wir oft schon bei kleinen Stellen mit Entsetzen. Ist er nicht ungesund, ­sogar giftig? Armin Schuster, Biologe am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushy­giene des Universitätsklinikums Freiburg, rät: nicht in Panik verfallen, aber die Sache mit klarem Kopf angehen und sich im Zweifel Expertenrat holen. "Aktiv werden sollte man schon. Schimmel gehört nicht in eine Wohnung!"

Damit sie wachsen, be­nötigen Schimmelpilze viel Feuchtigkeit. Dann bilden sie die typischen Fäden und Sporen. Draußen findet man sie übrigens überall, da stören sie auch nicht. In Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmern aber haben sie nichts verloren: "Die Sporen und Stoffwechselprodukte der Pilze fliegen als Feinstaub durch die Luft und können Atemwege und Augen reizen", erklärt Schuster.

Wie gefährlich ist Schimmel?

Viele selbst ernannte Schimmelexperten warnen vor der hochgiftigen und krebserregenden Wirkung der unerwünschten Mitbewohner. "Davor muss man sich nicht fürchten: Schimmelpilze produzieren zwar tatsächlich gefährliche Mykotoxine. Die nehmen aber auch Bewohner einer verschimmelten Wohnung nur in geringen Mengen auf. Nach allem, was wir derzeit wissen, besteht ­keine Gefährdung", so der Experte.

Wirklich gefährlich werden können die Pilze jedoch Menschen, ­deren Immunsystem durch ­schwere Krankheiten oder Behandlungen wie Chemotherapien angegriffen ist. "Sie haben ein höheres Risiko, an ­einer durch Schimmelpilze ausge­lösten Infektion zu erkranken", sagt Prof. Dr. Eckard Hamelmann, Di­rek­tor der Klinik für Kinder- und Jugendmedi­zin Bethel und Spre­cher des Allergie-Centrums der Ruhr-Universität Bochum. Die sogenannte Aspergillose kann etwa schwere Lungenentzündungen auslösen.

Allergie gegen Schimmelpilze?

Wer häufig husten muss und dazu in seiner Wohnung ­Schimmel entdeckt, vermutet oft ­eine Schimmelpilzallergie hinter den Beschwerden. Fachleute raten dann zu weiterer Abklärung: "Schimmelpilzallergie gehört zu den weniger häufigen aller­gischen Erkrankungen", sagt ­Hamelmann. Sie äußere sich aber sehr unspezifisch: "Vermehrter Husten, Kurzatmigkeit und ­eine ­­pfeifende Atmung können ­Hinweise sein", so der Arzt. Treten diese Beschwerden ganzjährig vor allem in den Innenräumen auf, sei das ein Indiz. "Auch wer während des Urlaubs komplett beschwerde­frei ist und daheim sofort Probleme bekommt, kann daran leiden", sagt Hamelmann. Hier kann ein Allergietest sinnvoll sein.

Bestätige sich der Verdacht, rät der Experte zur Immuntherapie. So kann verhindert werden, dass sich ein allergischer Schnupfen zu Asthma ausweitet. "Die Behandlung ist ab dem fünften Lebensjahr zugelassen", sagt Hamelmann.

Wie entfernt man Schimmel richtig?

Ganz ­kleine Stellen kann man selbst entfernen. Etwa, indem man die Flächen mit Isopropanol oder Wasserstoffper­oxid abreibt. Dabei sollte man unbedingt Gummi­­handschuhe und ­eine Atemschutzmaske tragen. Bei größeren oder älteren Flecken rät Schus­ter Laien davon ab, das Problem auf ­ei­gene Faust lösen zu wollen. "Vom bloßen Augen­schein kann man nicht auf das wahre Ausmaß schließen." Auch die fachgerechte Beseitigung des Schimmels sei nur mit entsprechender Ausrüstung möglich: "Wenn man nicht will, dass beim Entfernen der schimmeligen Tapete massenhaft Schimmel­sporen herumfliegen und den Rest der Wohnung kontaminieren, lässt man besser Profis ran." Mehr Tipps stehen im "Schimmelpilz-Leitfaden" des Bundesumweltamts (www.umweltbundesamt.de).

Vor allem muss man die Ursache für den Schimmel, die Feuchte, beseitigen. "Das kann viel sein: vom falschen Lüften bis hin zu Schäden in der Bausubs­­tanz", sagt Schuster. "Nur wenn die Ursache beseitigt ist, kann man sich darauf verlassen, dass das Problem nicht wieder­kommt."

So beugen Sie Schimmel vor

1. Gleichmäßig heizen, Räume nie vollständig auskühlen lassen.

2. Besser stoßlüften statt Fenster kippen. Öffnen Sie mindestens zweimal am Tag für fünf Minuten in jedem Raum Fenster und Türen weit, sodass Durchzug herrscht. Babys und Kleinkinder dabei nicht der Zugluft ausetzen, im Zweifel warm einpacken.

3. Die relative Luftfeuchtigkeit darf langfristig nicht über 60 Prozent liegen. Legen Sie sich ein Hygrometer, also Luftfeuchtemesser zu, dann haben Sie das Wohnklima im Blick.

4. Ein paar Zentimeter Abstand halten zwischen Möbeln und Außenwänden. Sonst kann die Luft nicht ausreichend zirkulieren.

5. Baumängel wie undichte Rohrleitungen, ungenügende Dämmung etc. selbst beheben oder dem Vermieter melden.

6. Kleine Schimmelstellen sofort entfernen.



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