Vorab zur Information: Ein voll entwickeltes Hüftgelenk besteht aus zwei passgenauen Gelenkpartnern – Gelenkkopf und Gelenkpfanne. Sie fügen sich optimal ineinander. Bei einer Dysplasie ist die Pfanne unzureichend ausgeformt. Dadurch umschließt sie den Gelenkkopf nicht richtig. Die Früherkennungsuntersuchung bei Neugeborenen (Hüftscreening) hilft, die Dysplasie rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, um Funktionsstörungen des Gelenks und Folgeschäden zu vermeiden.
Ob ein Neugeborenes eine Hüftgelenkfehlbildung entwickelt, hängt im Wesentlichen von folgenden Risikofaktoren ab:
- Kinder von Eltern mit angeborener Hüftdysplasie oder Hüftluxation (Auskugelung des Hüftkopfes aus der Gelenkpfanne aufgrund der Reifungsstörung des Hüftgelenks) haben ein fünf- bis zehnfach erhöhtes Risiko.
- Bei Mädchen ist die Hüftdysplasie (sechsmal) häufiger als bei Knaben.
- Die linke Hüfte ist häufiger betroffen als die rechte.
- Eine zu große Elastizität (Dehnbarkeit) von Kapsel und Bändern hat zur Folge, dass der Hüftkopf leichter aus der Pfanne gleiten kann.
- Bestimmte Veränderungen im Erbgut können mit einer Hüftdysplasie kombiniert sein (zum Beispiel Trisomie 18, Ullrich-Turner-Syndrom).
- Durch eine sogenannte Steißlage des Ungeborenen werden seine Hüften in der Gebärmutter stark gebeugt, wodurch sich das Pfannendach nicht richtig entwickeln kann.
- Bei einem Mangel an Fruchtwasser kann sich das Kind nicht ausreichend bewegen, ohne mechanischen Reiz aber kann sich die Hüftgelenkpfanne ebenfalls nicht richtig ausbilden.
- Bei erstgebärenden Frauen ist das Risiko, dass ihr Kind eine Hüftfehlbildung bekommt, erhöht, weil seine Bewegungsfreiheit durch die straffe Bauchmuskulatur und Gebärmutter eingeschränkt ist.
- Ein verzögerter Abbau der in der Schwangerschaft stark erhöhten weiblichen (mütterlichen) Geschlechtshormone verstärkt die Elastizität (Schlaffheit) der Bänder.
- Bei Frühgeborenen ist das Risiko ebenfalls erhöht.
Dr. med. Christa Kappler,
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Dietrich Reinhardt,
ehem. Direktor des Dr. von Haunerschen Kinderspitals, Universität München
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16.12.2008, aktualisiert am 05.09.2011
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