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Wohin mit den Stammzellen aus dem Nabelschnurblut?

Stammzellen aus dem Nabelschnurblut eines Neugeborenen können Leben retten. Eltern stehen mehrere Möglichkeiten offen, das kostbare Gut aufzubewahren


Direkt nach der Geburt werden die wertvollen Stammzellen aus der Nabelschnur entnommen

Nach rund 40 Wochen Schwangerschaft hat sie ihren Dienst getan und landet meist im Abfall. Dabei ist die Nabelschnur auch kurz nach der Geburt noch von medizinischem Nutzen: als Reservoir wertvoller Stammzellen. ­­Diese werden aus dem Blut der Nabelschnur-­Vene gewonnen und können zum Beispiel bei der Therapie bösartiger Blutkrankheiten, schwerer Defekte des Immunsys­tems oder Stoffwechsel­problemen zum Einsatz kommen. Ihre Fähigkeit, sich zu unterschiedlichen Zellarten weiterzuentwickeln, macht sie für die Medizin so einzigartig. In Blutbanken lagern die Zellen bei etwa minus 196 Grad, bis ein Patient sie ­benötigt. Möchten Eltern, dass das Nabelschnurblut ihres Babys bewahrt wird, haben sie verschiedene Möglichkeiten, die Zellen einlagern zu lassen.


Öffentliche Banken

Hier gehen die Zellen als Spende an die Allgemeinheit, Eltern kostet das nichts. Damit können sie das Leben anderer retten. Es gibt inzwischen etablierte Therapien, etwa bei bestimmten Formen der Leukämie, bei denen es auf fremdes Material ankommt. In eigenen Stammzellen kann es nämlich bereits die genetische Anlage für den Blutkrebs geben. Da sich Stammzellen, ähnlich wie rote Blutzellen, in bestimmten Gewebemerkmalen unterscheiden, passt nicht jede Spende bei jedem Patienten. In der öffentlichen Bank werden alle Präparate mit ihren Merkmalen gelis­tet und bei Bedarf mit denen der Patienten abgeglichen. Möchten Eltern das Nabelschnurblut einer öffentlichen Bank überlassen, muss die Geburt in einer Klinik stattfinden, die mit einer dieser Banken kooperiert. Meist können Frauen­ärzte und Hebammen informieren, welche Krankenhäuser in der Umgebung das sind.



Prof. Dr. rer. nat. Gesine Kögler leitet die José-Carreras-Stammzellbank an der Universitätsklinik Düsseldorf

Allerdings wird nicht jede Spende eingelagert. „Wir müssen sehr auf die Qualität der Zellen achten, um den potenziellen Empfängern wirklich nutzbare Transplantate zu bieten“, sagt Prof. Dr. Gesine Kögler, Leiterin der José-Carreras-Stammzellbank an der Universitätsklinik Düsseldorf. Einige der Spenden, die keine ausreichende Qualität haben, dienen der Forschung. Gibt es in der Familie bereits ein krankes Kind, dem Blutstammzellen eventuell helfen, haben Eltern auch die Möglichkeit zur sogenannten gerichteten Spende. Da Familien­mitglieder in etwa einem Viertel ­aller Fälle die gleichen Zellmerkmale haben, besteht die Chance, dass ein Kind dem anderen mit der Spende hilft.



Dr. med. Dirk Masson ist Gynäkologe und Pränataldiagnostiker in Hamburg

Private Anbieter

Sie lagern das Nabelschnurblut eines Kindes für dessen persönlichen Gebrauch. Für einen bestimmten Betrag bekommen Eltern – und später der erwachsene Nachwuchs, wenn er den Vertrag weiterführt – die Garantie, im Bedarfsfall auf die eigenen Stammzellen zurückgreifen zu können. Je nach Bank gilt das Angebot unterschiedlich lang bis hin zur unbegrenzten Einlagerdauer. Für 25 Jahre zahlen Kunden zwischen 1600 und 2600 Euro. Aber: Für die häufigste Anwendung von Stammzellen, einige Leukämie-Formen, werden fremde Zellen eingesetzt. Bisher konnte die Wissenschaft noch keine Therapie mit eigenen Stammzellen etablieren. Es gibt nur Heilversuche, etwa bei schweren Hirnschäden. „Wir wissen nicht, was in 20 Jahren möglich ist“, meint Frauenarzt und Pränataldiagnostiker Dr. med. Dirk Masson aus Hamburg. „Wenn Eltern das Geld übrig haben, können sie die private Einlagerung der Zellen überlegen.“ Wer es nicht tut, braucht kein schlechtes Gewissen zu haben. Wichtig bei der Wahl des Anbieters: Sicherheiten im Falle einer Insolvenz, zum Beispiel in Form einer Versicherung oder indem er etwa mit einer Universitätsklinik kooperiert.

Kombi-Angebote

Hier lassen Eltern die Nabelschnurblut-Zellen ihres Kindes privat einlagern mit der Option, sie im Bedarfsfall zu spenden. Die Daten werden dann in einer öffentlichen Bank gespeichert. Wenn ein Patient mit passenden Gewebemerkmalen die Zellen benötigt, können die Eltern sie zur Spende freigeben, müssen es aber nicht. „Eltern sollten sich vorher klarmachen, wie schwer eine solche Entscheidung fallen kann. Es geht schließlich um Leben und Tod“, sagt Masson. Bekommt eine fremde Person das Präparat, erhalten die Eltern ihr Geld zurück.




Bildnachweis: W&B/Privat, Mauritius Images/AGE

Julia Lüneburg / Baby und Familie; 07.11.2011
Bildnachweis: W&B/Privat, Mauritius Images/AGE

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