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Wochenbett: Die ersten Tage nach der Geburt

Hitzwallungen, Schmerzen, Heultage – was passiert eigentlich im Wochenbett? Hier lesen Sie die ganze Wahrheit und erfahren, was Sie tun können

Das Baby ist da, man selbst von Glückshormonen durchflutet. Es dauert ein wenig, bis man erfasst, welche Anstrengung der eigene Körper gerade vollbracht hat. Doch nach und nach werden die Zipperlein spürbar, die das Wochenbett mit sich bringt, über die aber kaum jemand spricht.

„Viele Frauen nehmen sich für diese Anfangszeit zu viel vor. Sie meinen, sie können einfach so weitermachen wie vor der Geburt“, sagt Ursula Fietz, Vorsitzende des Hebammenverbandes Niedersachsen. Dabei ist das Beste, was Wöchnerinnen für sich tun können: sich ausruhen und das Tempo reduzieren. Alles, was Mütter sonst noch über das Wochenbett wissen sollten, lesen Sie hier:

Wochenfluss: Vorlagen häufig wechseln

Wenn sich nach der Geburt die Plazenta in der Gebärmutter ablöst, entsteht an der Gebärmutterschleimhaut eine großflächige Wunde. Bis diese vollständig abheilt, fließt der Wochenfluss (Lochien). In den ersten Tagen nach der Geburt ist die Blutung meist sehr stark und enthält manchmal Klümpchen, danach wird sie zunehmend heller. Nach etwa sechs Wochen versiegt der Wochenfluss.



Dr. Ilsabe Behrens ist Apothekerin in Hamburg

Hygiene ist jetzt besonders wichtig, ziehen Sie die Dusche aber dem Vollbad vor. Zum Auffangen des Wochenflusses eignen sich spezielle Vorlagen aus der Apotheke (am besten schon vor der Geburt eine Packung besorgen). „Wechseln Sie diese alle paar Stunden, denn sie können der Nährboden für Keime sein“, rät Hebamme Ursula Fietz.

Mögliche Komplikation: ein Wochenflussstau. „Dabei bildet sich die Gebärmutter nicht so zurück, wie sie sollte“, erklärt Dr. med. Klaus König, Gynäkologe aus Steinbach im Taunus. Betroffene Frauen klagen dann über Bauch- oder Rückenschmerzen, der Wochenfluss versiegt nahezu und verändert seinen Geruch. Massagen oder Sitzbäder lösen den Stau meist wieder auf. Das Gefährliche: Ein unerkannter Wochenflussstau kann zu einer Infektion in der Gebärmutter und letztlich zu Kindbettfieber führen. „Damit es gar nicht erst so weit kommt, tasten Hebammen die ersten zehn Tage nach der Geburt täglich, wie weit sich die Gebärmutter bereits zurückgebildet hat“, sagt Fietz.

Rückbildung: Manchmal mit schmerzhaften Nachwehen verbunden

Nach der Geburt zieht sich die Gebärmutter immer wieder zusammen. Frauen, die das erste Kind bekommen haben, bemerken das in der Regel gar nicht. „Mit jedem weiteren Kind werden diese Nachwehen aber deutlich spürbarer und schmerzhafter“, erklärt König. Vor allem wenn Frauen das Baby zum Stillen anlegen, spüren manche heftige Schmerzen. Einige Tage nach der Entbindung klingen die Nachwehen ab.



Ursula Fietz ist Vorsitzende des Hebammenverbandes Niedersachsen. Sie betreut seit 30 Jahren Frauen im Wochenbett

Bei Müttern, die stillen, bildet sich die Gebärmutter in der Regel ohne Probleme zurück. Gibt es doch Schwierigkeiten, rät die Hebamme, sich immer wieder auf den Bauch zu legen. Der Druck regt die Gebärmutter zur Rückbildung an. Und: „Legen Sie für eine halbe Stunde einen Eisbeutel auf den Bauch und laufen dann eine Minute auf Zehenspitzen.“

Geburtsverletzungen: Seltener schmerzhaft

Risse in der Scheide, am Muttermund oder am Damm – die meisten Gebärenden ziehen sich bei einer Entbindung Verletzungen zu. Immer seltener sind diese aber mit Schmerzen verbunden. „Die Nahttechnik hat sich so verändert, dass keine so großen Spannungen mehr auf dem Damm lasten“, sagt König.

Frauen empfinden vor allem beim Sitzen Schmerzen. Hebammentipp: „Tief Luft holen und sich auf einen harten Stuhl setzen, auch wenn das zunächst unangenehm ist.“ Kälte wirkt ebenfalls schmerzlindernd. Fietz: „Umwickeln Sie einen mit Wasser gefüllten, kühlschrankkalten Latexfingerling (gibt es in der Apotheke) mit einem Tupfer, und legen Sie ihn auf die verletzte Stelle.“ Angenehm sind zudem Salzwassersitzbäder.



Dr. Klaus König ist Gynäkologe in Steinbach/Taunus und Vorstand im Berufsverband der Frauenärzte

Wer Schmerzen beim Wasserlassen hat, stellt sich am besten einen Messbecher mit kaltem Kamillentee oder einer Arnikalösung bereit und lässt die Flüssigkeit während des Toilettengangs über Scheide und Damm fließen.

Beckenboden: Anfangs nicht schwer heben

Übernehmen sich Mütter in den ersten Tagen nach der Entbindung, merken sie das meist sehr schnell: Sie spüren ihren Beckenboden. Deshalb sollten sie viel Zeit im Bett oder auf der Couch verbringen, um die geschwächte Muskulatur zu entlasten. Außerdem: „Heben Sie nichts Schweres wie zum Beispiel ein älteres Kind oder die Auto-Babyschale“, sagt Fietz. Falls es sich nicht vermeiden lässt: den Beckenboden dabei anspannen und den Bauch anziehen.

Etwa zwei Wochen nach der Geburt können Wöchnerinnen im Liegen mit leichten Übungen beginnen, die den Beckenboden stärken. Ein Beispiel: „Ziehen Sie Ihr Steißbein nach oben, und lassen Sie dann wieder locker“, erklärt die Hebamme.

Hämorriden: Salben helfen meist

Viele Frauen entwickeln während der Schwangerschaft Hämorriden, ohne dass sie diese bemerken. Durch das Pressen bei der Geburt treten sie meist in Erscheinung und bereiten dann Probleme. „Jetzt helfen Salben mit gerbenden Bestandteilen, die auf die Schleimhaut aufgetragen werden“, sagt Apothekerin Dr. Ilsabe Behrens aus Hamburg. Die Schmerzen gehen dadurch zurück, das Gewebe zieht sich zusammen. Auch Mütter, die stillen, können diese Salben verwenden. Halten die Beschwerden an und bilden sich die Hämorriden nach sechs bis acht Wochen nicht zurück, sollten Frauen ihren Gynäkologen aufsuchen.

Verstopfung: Oft Nachwirkung des Klinikaufenthalts

Die Angst vor Schmerzen, aber auch die fremde Umgebung in der Klinik bewirken bei Wöchnerinnen häufig, dass sie nicht auf die Toilette gehen können. „Oft reguliert sich das von alleine, sobald die Frauen wieder zu Hause sind“, sagt Fietz. Betroffene sollten sich ballaststoffreich ernähren, ausreichend Obst und Gemüse zu sich nehmen und viel trinken.

Hält die Verstopfung mehr als fünf Tage lang an, empfiehlt sich ein Klistier, um die Darmentleerung in Gang zu bringen. „Klistiere sind nebenwirkungsfrei und beeinträchtigen daher auch das Stillen nicht“, erklärt Behrens. Ebenfalls geeignet sind sanfte Abführmittel mit Lactulose oder Macrogol (bitte mit dem Frauenarzt besprechen).

Wassereinlagerungen: Oft erst nach mehreren Wochen weg

Wer in den letzten Schwangerschaftswochen Wasser in den Beinen eingelagert hat, verliert es nicht gleich mit der Geburt. „Meist kommt sogar um den zweiten, dritten Tag nach der Entbindung neues hinzu“, weiß Ursula Fietz. Viele Frauen sitzen während des Klinikaufenthaltes nicht im Bett, sondern auf der Bettkante, das Wasser sammelt sich so in den Beinen.

Zwei Wochen dauert es in der Regel, bis die Wassereinlagerungen wieder zurückgehen, oft sind sie erst nach fünf Wochen völlig verschwunden. Auf entwässernde Maßnahmen sollten Betroffene aber verzichten. „Dadurch würden auch für den Körper wichtige Stoffe ausgeschwemmt wie etwa Elektrolyte“, so die Hebamme.

Haarausfall: Nach der Geburt normal

Büschelweise verlieren frischgebackene Mütter ihre Haare schon in den ersten Wochen nach der Entbindung. „Auch wenn die Frauen das Gefühl haben, sie kriegen bald eine Glatze, können wir sie beruhigen“, sagt König. Die neuen Haare sitzen bereits in den Startlöchern, sie sind nur noch nicht an die Oberfläche gekommen.

Schuld am Haarausfall sind mal wieder die Hormone. „In der Schwangerschaft produziert der Körper verstärkt Östrogene, mit der Geburt geht die Produktion auf Normalmaß zurück. Der Körper empfindet dies jedoch wie einen Entzug“, erklärt der Frauenarzt. Stoppen ließe sich der Haarausfall, wenn dem Körper Östrogene zugeführt würden. Da diese aber abstillend wirken, ist das für viele Mütter keine Lösung. Da bleibt nur: Abwarten, bis die alte Pracht wieder sprießt.

Schwitzattacken: Wäsche öfter wechseln

Und noch eine Folge hat die Hormonumstellung: Frisch entbundene Frauen schwitzen sehr stark. „Ein kleiner Vorgeschmack auf die Wechseljahre“, meint Fietz. Letztlich können Frauen nichts dagegen tun. Die Hebamme rät jedoch, die Wäsche öfter zu wechseln, gerade wenn man nachts durchgeschwitzt ist. „Denn wer sich erkältet, bekommt auch schnell eine Brustentzündung“, so die Expertin.

Baby-Blues: Stimmungstief einige Tag lang normal

Am vierten, fünften Tag nach der Geburt ist vielen Müttern auf einmal nur noch zum Heulen zumute. Der Grund: „Überforderung, Schlafentzug, Stillprobleme, falsche Erwartungen“, zählt Hebamme Fietz auf. Nach dem Klinikaufenthalt, mit dem Kind zum ersten Mal allein auf sich gestellt, kommt alles zusammen.

In der Regel hält die Phase, in der frischgebackene Mütter dicht am Wasser gebaut sind, zwei bis drei Tage an. „Dauert sie länger oder treten die Heultage erst später auf, kann eine Wochenbettdepression die Ursache sein“, erklärt König. Betroffene brauchen dann professionelle Hilfe, zum Beispiel von einem Psychotherapeuten.




Bildnachweis: W&B/Privat

Barbara Weichs / Baby und Familie; aktualisiert am 03.06.2013, erstellt am 16.06.2011
Bildnachweis: W&B/Privat

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