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Wann kommt endlich das Baby?

40 Wochen sind vorbei. Von Wehen nicht das geringste Anzeichen. Wie lange darf man noch warten? Und: Gibt es Mittel, die die Geburt anregen?


Nerviges Warten: Wird der Bauch immer größer, sehnen sich Mütter die Geburt herbei

Unglaublich nervig, diese Anrufer. Jeder fragt das Gleiche: „Und? Ist das Baby immer noch nicht da?“ Dabei wünschen sich werdende Mütter nach 40 Wochen Elefanten-Feeling sehnlichst, dass es endlich mit der Geburt losgeht. Und machen sich häufig sogar Sorgen: Womöglich schadet es dem Baby, wenn es zu lange im Mutterleib bleibt, weil es nicht mehr optimal versorgt wird.

Schritt 1: Entspannt abwarten

„Inzwischen wird das Datum, an dem ein Kind zur Welt kommen soll, ziemlich flexibel gehandhabt“, sagt Professor Dr. med. Klaus Friese, Direktor an der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und  Geburtshilfe der Ludwig-Maximilians-Universität München. Wenn der Ultraschall des Babys unauffällig und noch genügend Fruchtwasser vorhanden ist, „warten wir auch mal über den Geburtstermin hinaus zwei Wochen oder manchmal sogar länger ab“, so Friese. Gegebenenfalls wird über eine Bewegungsanalyse geprüft, ob es dem Baby noch gut geht. Ein weiterer Anhaltspunkt: Arbeitet die Plazenta nicht mehr einwandfrei, färbt sich das Fruchtwasser ins Gelb-Grünliche. Dann wird es Zeit, die Wehen einzuleiten. Sieht alles unauffällig aus, handeln die Geburtshelfer noch nicht.


Schritt 2: Natürlich nachhelfen

Hebammen kennen viele natürliche Mittel, die eine Geburt anstoßen können. Allerdings: „Sie funktionieren nur dann, wenn der Organismus auch wirklich dazu bereit ist, zu gebären“, sagt Hebamme Karin Balke aus Fulda. Besonders effektiv: ein Wehencocktail mit Rizinusöl. Der klingt zwar sanft und harmlos, hat es aber in sich. Denn Rizinusöl ist „ein sehr effektives Mittel“, sagt Friese. „Doch die Nebenwirkungen können gravierend sein.“ Unter anderem können die Schwangere schwere Durchfälle plagen, die Gebärmutter bildet sich manchmal nach der Geburt schlechter zurück. „Das Mittel hat eine stark beruhigende Wirkung, manche Frauen fühlen sich anschließend extrem müde“, so Hebamme Balke. Deshalb darf Rizinusöl nur im Krankenhaus und unter den Augen eines Arztes oder einer Hebamme verwendet werden.

Um Wehen anzustoßen, werden häufig homöopathische Mittel gegeben. „Frauen sollten drei- bis viermal am Tag Caulophyllum (Frauenwurzel) in der Potenz D6 einnehmen“, sagt Balke. Ihrer Erfahrung nach helfen die Kügelchen – ein wissenschaftlicher Nachweis steht aber aus. Das Gleiche gilt für Gewürze wie Nelke, Zimt oder Ingwer. „Sie können etwas bewirken, aber nur, wenn der Körper bereit ist“, so die Expertin. Eine geraspelte kleine Ingwerknolle zusammen mit einer Stange Zimt aufgekocht ergibt einen hochkonzentrierten Tee, der ebenfalls die Wehen locken kann.

Zunehmend setzen Kliniken auch auf Akupunktur, um Frauen für die Geburt vorzubereiten. Aus gutem Grund: Studien zeigen, dass sich der Geburtsverlauf bei einer Akupunktursitzung pro Woche ab der 36. Woche deutlich verkürzen lässt. Nämlich um durchschnittlich zwei Stunden. „Ob man mit Nadeln auch eine Geburt einleiten kann: Dafür gibt es keinen Beleg“, sagt Friese.

Vielen Frauen hilft eine Fußreflexzonenmassage. Die lässt sich auch selbst durchführen: „Die Schwangeren streichen am besten immer mal wieder ein paar Minuten mit sanftem Druck um den Außenknöchel“, empfiehlt Expertin Balke. Äußerst angenehm und nachweislich effektiv: Sex. „Denn im Sperma des Mannes stecken Prostaglandine. Das Hormon regt die Wehentätigkeit an. Und die Bewegung beim Geschlechtsverkehr lockert das Becken der Frau“, erklärt Balke. Als eher wirkungslos bezeichnet sie Maßnahmen wie ein Bad nehmen oder spazieren gehen: „Aber beides trägt dazu bei, die Schwangere zu entspannen, und schadet sicher nicht.“

Schritt 3: Mit Hormonen anschieben

Wenn das Baby tatsächlich zur Welt kommen muss, weil sich etwa seine Versorgung im Mutterleib verschlechtert, versuchen Hebammen und Ärzte in der Klinik, mit bestimmten Hormonen die Geburt anzustoßen. Meist klappt das ziemlich effektiv. Im Wesentlichen gibt es dabei folgende Möglichkeiten. Zunächst probieren es die Geburtshelfer mit Prostaglandin. Das Hormon schüttet der Körper natürlicherweise während der Geburt aus. „Wenn eine Frau noch nicht wehenbereit ist, kann man damit die Wehen in Gang bringen“, erklärt Friese.

Die werdende Mutter erhält entweder ein Gel, das in die Scheide eingebracht wird, eine Tablette oder – neuerdings – ein Tampon mit Rückholbändchen. „Damit lässt sich der Wirkstoff genau dosieren. Sobald die Wirkung auf die Gebärmutter zu stark wird, entfernen wir den Tampon wieder“, so Friese. Fazit: Prostaglandin kann tatsächlich die Geburt auslösen. „Allerdings ist nicht gesagt, dass der Anstoß reicht“, so Hebamme Balke. „Wenn der Körper nicht bereit ist, kommt der Vorgang gelegentlich auch wieder zum Erliegen.“ Das kann übrigens manchmal auch passieren, wenn eine Frau ohne Hilfsmittel Wehen bekommen hat.

In solchen Fällen setzen die Ärzte einen Wehentropf ein. Sein Hauptbestandteil ist das Hormon Oxytocin, das die Frau über die Vene erhält. „Ein sehr wirkungsvolles und bewährtes Mittel, um den Muttermund dazu zu bringen, sich zu öffnen“, sagt Friese – und deshalb ideal, wenn die Geburt stockt. Zur Not kann es auch hoch dosiert werden. Der entscheidende Nachteil dabei: „Die Wehenintensität nimmt schlagartig zu“, erklärt der Arzt. Der plötzliche, starke Schmerz kann Frauen gelegentlich überfordern. „Wir können dann aber eine Rückenmarksnarkose setzen“, so Friese.


Kleine Geburtshelfer

Diese Mittel können die Wehen anregen:

Homöopathie: Viele Frauen glauben an die kleinen Kügelchen – ein Wirkungsnachweis steht noch aus!

Sex: Eine angenehme Art, Wehen zu locken. Spezielle Stoffe im Sperma können die Geburt auslösen.

Zimt: Hilft vielleicht, vielleicht auch nicht. Jedenfalls müsste man eine Menge davon zu sich nehmen...

Heißes Bad: Entspannt läuft alles besser, auch die Geburt. Auslösen kann ein warmes Bad sie allerdings nicht.

Ingwer: Ein scharfer Helfer für Schwangere – Hebammen schwören auf ihn, zum Beispiel als Zusatz im Tee.

Fußmassage: Die Stimulation von Reflexzonen kann sichpositiv auf den Muttermund auswirken.

 




Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Thinkstock LLC

Anne-Bärbel Köhle / Baby und Familie ; 16.08.2010, aktualisiert am 16.08.2012
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Thinkstock LLC

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