So verheilt ein Dammriss gut

Bei der Geburt kann es passieren, dass der Damm der Mutter reißt oder eingeschnitten wird. Welche Damm-Verletzungen es gibt und wie sie behandelt werden

von Daniela Frank, aktualisiert am 26.02.2016

Dammrisse heilen meist während des Wochenbetts gut ab

iStock/Steve Coleccs

Die gute Nachricht zuerst: Damm-Verletzungen während der Geburt werden seltener. "Bis vor einigen Jahren bekamen noch die Hälfte aller Frauen bei der Geburt einen Dammschnitt", sagt Dr. Babett Ramsauer, Gynäkologin und leitende Oberärztin der Klinik für Geburtsmedizin am Vivantes-Klinikum Neukölln in Berlin. "Aber es ist erwiesen, dass das nicht sinnvoll ist." Heute werde bei etwa einem Viertel der Gebärenden eine sogenannte Episiotomie durchgeführt – immer noch zu viele, wie Ramsauer findet. Zwar gebe es Situationen, in denen der Arzt schneiden muss. "Manchmal ist die Öffnung zum Beispiel einfach zu klein für das Kind", so die Expertin. Ansonsten sollte aber mittlerweile gelten: Den Damm lieber reißen lassen als schneiden.


Dammrisse haben unterschiedliche Ausprägung

Die Verletzung wird in vier Schweregrade eingeteilt:

  • 1. Grad: Der Riss ist oberflächlich und betrifft nur die Haut
  • 2. Grad: Die Beckenbodenmuskulatur ist zusätzlich etwas eingerissen
  • 3. Grad: Der äußere Afterschließmuskel ist zusätzlich eingerissen
  • 4. Grad: Auch die Darmschleimhaut ist aufgerissen

Risse ersten und zweiten Grades betreffen in Deutschland etwa 17 bis 18 Prozent der Gebärenden, dritten Grades etwa 1 bis 1,2 Prozent und vierten Grades etwa 0,1 Prozent.

Wunde heilt in der Regel schnell

"Meist klingt das schlimmer, als es ist", sagt Ramsauer. "Auch stärkere Risse heilen supergut, wenn man sie gleich nach der Geburt anatomisch korrekt näht." Innerhalb von zwei bis drei Tagen sei die Wunde schon gut verschlossen, nach etwa 14 Tagen sei sie für gewöhnlich komplett verheilt. Bei Rissen dritten und vierten Grades brauche der Schließmuskel etwas Zeit, um sich zu regenerieren. Die Fäden müssen nicht gezogen werden, sondern lösen sich auf. "Schon am zweiten Tag sind eigentlich keine Schmerzen mehr vorhanden", sagt Ramsauer. "Frauen benötigen wegen eines Dammrisses in der Regel keine Schmerzmittel." Allerdings bekämen die meisten wegen der Nachwehen für ein oder zwei Tage welche.

Zur Pflege reicht Wasser aus

Beim Duschen kann die Frau die Stelle mit klarem Wasser abspülen. Dazu am besten den Duschkopf verwenden und nicht mit den Händen an der Wunde reiben. Anschließend mit einem separaten Handtuch trockentupfen, da sich in der Genitalregion durch den Wochenfluss Blut befinden kann. Spezielle Wundauflagen sind nicht nötig, die Wöchnerinnen-Vorlagen reichen aus. "Die Frau kann aber ab und zu für kurze Zeit ohne Vorlage im Bett liegen, damit etwas Luft an die Stelle kommt", sagt Ramsauer.

Naht möglichst nicht belasten

Während die Wunde verheilt, sollte die Mutter die Stelle nicht übermäßig belasten – also zum Beispiel nicht im Schneidersitz sitzen oder Fahrrad fahren – sowie für einen weichen Stuhl sorgen. Dabei hilft viel trinken und eventuell ein entsprechendes Mittel. "Hier in der Klinik geben wir den Frauen meistens Magnesium", sagt Ramsauer. "Das macht den Stuhlgang nur weich, nicht flüssig." Wenn ihr das Sitzen sonst unangenehm ist, kann die Frau ein weiches Kissen unterlegen. Wie alle Mütter sollte sie während des Wochenbetts, also in den ersten vier bis sechs Wochen nach der Geburt, ihre Bauchmuskeln und den Beckenboden nicht übermäßig belasten: zum Aufstehen aus dem Bett am besten über die Seite rollen, nicht schwer heben und kein Bauchmuskeltraining machen.

Wann zum Arzt?

Falls die Stelle nach einer vorübergehenden Besserung plötzlich wieder zu schmerzen oder zu bluten beginnt, sollte sie sich eine Hebamme oder ein Arzt ansehen und entsprechend behandeln. "Manche Frauen sind auch vorübergehend inkontinent", sagt Ramsauer. "Wenn das nach der Rückbildung nicht weg ist, sollten sie zum Arzt." Das sei leider oft ein Tabuthema – genau wie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, die manche Frauen nach der Geburt haben. "Unbedingt beim Gynäkologen ansprechen", rät die Expertin.



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