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Nabelschnurblut: Spenden oder lagern?

Was tun mit den Stammzellen aus dem Nabelschnurblut unseres Neugeborenen? Diese Frage stellen sich viele Eltern. Es gibt mehrere Möglichkeiten


Direkt nach der Geburt wird das Nabelschnurblut mit den Stammzellen eingefroren

Ob in Frauenarztpraxen, in Geburtskliniken oder im Internet – werdende Eltern sehen sich heute unweigerlich mit dem Thema Stammzellen aus Nabelschnurblut konfrontiert. Und mit der Frage: Wie gehen wir mit den Stammzellen unseres Kindes um, wenn es geboren wird? Stammzellen aus Nabelschnurblut sind in der medizinischen Forschung begehrt. Sie gelten als jung und meist unbelas­tet von Viren und Umwelteinflüssen.

Kein Risiko für Mutter und Kind

Und sie lassen sich ohne Risiko für Mutter und Kind und ethisch unbedenklich gewinnen. Man kann sie zur Heilung bestimmter Krankheiten einsetzen und hofft, einmal Gewebe und Organe mit ihrer Hilfe erneuern zu können. Sie lassen sich nur ein einziges Mal gewinnen – direkt nach der Geburt eines Kindes aus dem Blut der Nabelschnur. Anschließend werden sie bei circa minus 196 Grad Celsius kryokonserviert.


Stammzellen: Einsatzmöglichkeiten noch ungewiss

Für Therapien mit eigenen Stammzellen aus Nabelschnurblut gilt: Vieles ist unsicher, die private Einlagerung eine Option auf die Zukunft. Sollte es der Wissenschaft gelingen, etablierte Therapien für bestimmte Krankheiten zu entwickeln, könnte das Kind davon profitieren.

Möchten Eltern die Stammzellen ihres Kindes bewahren, gibt es drei Möglichkeiten: spenden, privat einlagern oder eine Kombination aus beidem. Aber wo liegen die Unterschiede? Eine Übersicht:



Dr. med. Ansgar Schulz leitet an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Ulm den Bereich Stammzelltransplantation

Stammzellen privat ­einlagern

Es gibt eine Reihe privater Unternehmen, die Stammzellen aus dem Nabel­­schnurblut eines Kindes einlagern. Das kostet Geld, je nach Anbieter etwa 1200 bis 2500 Euro in
25 Jahren. Dafür stehen die Stammzellen nur dem eigenen Kind zur Verfügung. Die Probe wird komplett eingelagert. „Nach wie vor gibt es – bis auf ganz wenige Anwendungen in der sogenannten autologen Stammzelltransplantation – keine etablierten Therapien, bei denen eigene Stammzellen aus Nabelschnurblut eingesetzt werden“, erklärt Dr. med. Ansgar Schulz. Er leitet den Bereich Stammzelltransplantation an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Ulm. Eine autologe Stammzelltransplantation – also mit eigenen Zellen – werde bei Erwachsenen und sehr selten bei Kindern mit bösartigen Erkrankungen durchgeführt. Routinemäßig neh­me man dazu aber Stammzellen aus dem Blut oder Knochenmark der Patien­ten, sei also nicht auf Nabelschnurblut angewiesen.

Gut zu wissen: Es gibt ansonsten nur Heilversuche. Einzelne Studien laufen, etwa zu kindlicher Zerebralparese, einer bestimmten Form von Hirnschädigung. Es ist jedoch offen, ob und wann daraus anerkannte Therapien hervorgehen. Die Menge der eingelagerten Stammzellen reicht in der Regel bisher nur zur Anwendung bei einem Kind, nicht bei Erwachsenen.

Nabelschnurblut öffentlich spenden

Eltern können das Nabelschnurblut an eine öffentliche Stammzellbank geben. Das kostet die Familie nichts. Sollte man die Stammzellen dennoch einmal für das eigene Kind benötigen, kann man sie anfragen. Es gibt aber keine Gewähr, dass sie noch vorrätig sind.

Gut zu wissen: „Man kann Eltern durchaus empfehlen, Nabel­schnurblut in öffentlichen Banken zur Verfügung zu stellen“, erklärt der Hämatologe und Onkologe Ansgar Schulz. „Denn mit gespendeten Stammzellen aus Nabelschnur­blut können heute Patienten mit Leukämie oder anderen Erkrankungen des blutbildenden Systems geheilt werden“, erklärt Schulz. Zum Beispiel, wenn sich kein passender Knochenmarkspender findet. Mediziner verwenden hier allogene, also fremde Stammzellen, da diese Krankheiten bereits in den eigenen Zellen des Patienten angelegt sein können. Allerdings: Spenden sind nicht in allen Geburtskliniken möglich. Außerdem muss die Stammzell-Spende eine bestimmte Mindestgröße aufweisen, um eingelagert zu werden.

Kombination aus privater Einlagerung und Spende

Bei dieser Variante arbeiten Privatunternehmen und öffentliche Datenbank zusammen. Eltern lassen das Nabelschnur­blut ihres Kindes privat gegen Kosten einlagern. Gleichzeitig lassen sie es in einem öffentlichen Register ­­vermerken. Die eingelagerten ­Stammzellen bleiben Eigentum des Kindes. Kommen diese aber für einen anderen Patienten infrage, wird die Familie gefragt, ob sie die Probe freigibt. Stimmt sie zu, erhält die Familie das bereits gezahlte Geld zurück.

Gut zu wissen: Wer sich für diese Variante entscheidet, sollte sich bereits vorher im Klaren darüber sein, wie er mit ­einer Spenden­anfrage umgeht. Sonst kann sie einen im Fall des Falles leicht in Gewissenskonflikte bringen.




Bildnachweis: /Universitatsklinikum Ulm, Photo- und Presseagentur GmbH/Focus/SPL

Stefanie Becker / Baby und Familie; aktualisiert am 08.08.2013, erstellt am 07.11.2011
Bildnachweis: /Universitatsklinikum Ulm, Photo- und Presseagentur GmbH/Focus/SPL

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