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Mittel gegen Wehen-Schmerzen

Wehen effektiv nutzen, Schmerzen erträglich machen: Das versucht die Hebamme. Wenn die Wehen zu stark werden, kann der Arzt mit ­Medikamenten gezielt und schnell helfen

„Wenn eine Geburt vom geraden Weg abweicht, dann führen wir – Arzt und Hebamme – sie mit Hilfsmitteln wieder auf den Weg zurück.“ Nach diesem Credo hilft Jutta Ubben, leitende Hebamme für Pränataldiagnostik und Geburtshilfe an der Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg, seit 33 Jahren Babys auf die Welt. Und die Hebamme räumt auch gleich mit einem Vorurteil auf: „Wir sind nicht generell gegen Schmerzmittel oder eine Periduralanästhesie (PDA).“ Manchmal empfiehlt die Geburtshelferin ­einer Frau diese sogar von sich aus: bei einem Geburtsstillstand etwa. „Ist die Frau schmerzfrei, entspannt sie sich wieder, und meist ist dann doch noch eine vaginale Geburt möglich.“

Professor Dr. med. Chris­tof Sohn, ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik in Heidelberg, hat die Erfahrung gemacht, dass Frauen besser mit den Schmerzen umgehen können, sobald sie bei den Presswehen aktiv mithelfen und gegen den Schmerz arbeiten dürfen. „In der Eröffnungsphase muss die Gebärende den Schmerz ja quasi über sich ergehen lassen“, sagt Sohn. Wichtig ist dem Gynäkologen, die Frau immer in die Entscheidung mit einzubeziehen, welche Methode der Schmerzbekämpfung gewählt werden soll.

Welche Mittel zur Entspannung und Schmerzlinderung Arzt und Hebamme anwenden, hängt vom Stadium der Geburt ab. Diese Möglichkeiten haben sie:


Entspannungsbad

In den meis­ten Kliniken gibt es inzwischen die Möglichkeit, während der Geburt in die Wanne zu gehen. „Gerade während der Eröffnungsphase biete ich dies gerne an, denn warmes Wasser ­entspannt – auch während der Wehenpausen“, erklärt Jutta Ubben. So lässt sich wieder mehr Kraft für die nächste Wehe schöpfen. Allerdings fühlen sich nicht alle Fauen im Wasser wohl. Am besten einfach ausprobieren, ob ein Bad tatsächlich guttut. Und: Das Baby muss nicht im Wasser zur Welt kommen, man kann die Wanne jederzeit wieder verlassen. Die Herztöne des Ungeborenen lassen sich auch im Wasser mit einem funkgesteuerten CTG überprüfen. Während der Eröffnungsphase ist dies aber gar nicht ständig notwendig. Wer jedoch bereits eine PDA hat, kann nicht mehr ins Wasser.

Homöopathie und ­Akupunktur

Die beiden alternativen Heilmethoden bringen ebenfalls ­keine vollkommene Schmerzfreiheit, können den Geburtsverlauf aber günstig beeinflussen. Homöopathische Zäpfchen etwa können die Schmerzverarbeitung unterstützen und werden mittlerweile in nahezu allen Kreißsälen angeboten. Akupunktur kommt zum Einsatz, wenn sich beispielsweise der Muttermund nur langsam öffnet. Aber nicht jede Hebamme kann die Nadeln setzen. „Fragen Sie daher in der Klinik, in der Sie entbinden wollen, nach, ob es dort Hebammen mit entsprechender Ausbildung gibt“, rät ­Jutta Ubben. Viele Schwangere lassen sich bereits vor der Geburt Akupunkturnadeln setzen, möglich ist das ab der 36. Schwangerschaftswoche. Einmal wöchentlich stimuliert die Hebamme dabei jene Punkte, die den Geburtsschmerz verringern und die Dauer der Entbindung verkürzen. Eine Studie der Universität Mannheim bestätigt dies: ­Eine Geburt dauert demnach durchschnittlich nur acht statt zehn Stunden.

Aromatherapie

Düfte beeinflussen unsere Psyche. So beruhigen und entspannen zum Beispiel Lavendel und Kamille, entweder als Badezusatz oder in einer Duftlampe. Jedoch bieten nicht mehr ­alle Krankenhäuser Aromatherapie im Kreißsaal an. Denn es gibt immer mehr Frauen, die die Düfte nicht vertragen. „Die Düfte sind so intensiv, dass sie in den Zimmern hängen bleiben oder unter Türen durchziehen und so auch Gebärende erreichen, die das gar nicht wünschen“, erklärt Jutta Ubben.

Positionswechsel

Ein bisschen sitzen, dann wieder herumlaufen, ein wenig liegen, auf dem Pezzi­ball hopsen oder die Wehe im Vierfüßlerstand begrüßen: Wenn Gebärende nicht von selbst daran denken, regt die Hebamme sie an, mal diese oder jene Position einzunehmen. Vor allem während der Eröffnungsperiode tun Frauen sich und dem Baby damit viel Gutes. Dem Baby, weil ein Stellungswechsel seinen Weg durch den Geburtskanal vorantreibt. Sich selbst, weil sie die Schmerzen so besser ertragen: „­Eine neue Position bringt eine Veränderung und damit eine Erleichterung für die Frau“, erklärt Hebamme ­Ubben. So können aktive Frauen mit jedem Stellungswechsel die Geburt ihres Babys weiterbringen.


Sinnvoll oder nicht?

Einlauf, Fruchtblasensprengung, Wehentropf – jahrzehntelang galten diese Methoden als Geburtsverkürzer. Doch stimmt das überhaupt? Und kommen sie überhaupt noch zum Einsatz?

Einlauf: wurde früher automatisch zum Geburtsbeginn gemacht. „Heute fragen wir die Schwangere, ob sie es möchte“, erklärt Jutta Ubben. Denn dass ein Einlauf eine Geburt tatsächlich verkürzt, ist nicht nachgewiesen. Viele Frauen entleeren ihren Darm sowieso mit Geburtsbeginn.

Wehentropf: wird nur dann als sinnvoll angesehen, wenn eine Geburt ins Stocken gerät. „Die Oxytocingabe bewirkt, dass sich die Gebär­mutter zusammenzieht und die Geburt wieder vorangeht“, so Ubben.

Fruchtblase sprengen: ebenfalls situationsabhängig. Manchmal hindert die Fruchtblase das Baby daran, ins Becken zu rutschen, weil sie wie ein Polster vor dem Muttermund liegt. „Dann öffnen wir sie“, so Ubben. Auch, wenn aus anderen Gründen die Geburt nicht weitergeht, wird die Methode angewandt.


Krampflösende und schmerzlindernde Medikamente

Öffnet sich der Muttermund trotz Wehen nicht oder kaum, kann der Arzt krampflösende Medikamente als Zäpfchen oder Spritze geben, die die Muskulatur entspannen. Schmerzmittel – in Oberschenkel oder Po injiziert – lindern die Schmerzen nach circa 15 Minuten. Ihre Wirkung hält bis zu vier Stunden an. Die Medikamente können jedoch die Atmung des Babys beeinflussen, wenn sie bei dessen Geburt noch nicht abgebaut sind. Daher werden sie nur während der Eröffnungsphase gegeben. Außerdem sind Kombi­präparate möglich, die entkrampfend und schmerzstillend wirken.

Periduralanästhesie (PDA)

Wenn der Wehenschmerz übermächtig wird, ist meist eine PDA das Mittel der Wahl. Voraussetzung: Die Geburt ist bereits voll im Gang. Dabei spritzt der Arzt ein örtliches Betäubungsmittel über einen Katheter in die Nähe der Rückenmarkshäute. Von dieser Stelle abwärts lässt sich so der Schmerz dämpfen. Etwa zehn bis zwanzig Minuten dauert es, bis das Medikament wirkt. Das Gute: Die Gebärende hat keine starken Schmerzen mehr, spürt die Wehen aber trotzdem und kann mitarbeiten. Da der Katheter in der Lendenwirbel­säule ­­liegen bleibt, kann das Medikament jederzeit nachgespritzt werden. „Meist übernimmt die Frau das selbst per Knopfdruck über eine Pumpe“, erklärt Christof Sohn. Eine spezielle Sicherung verhindert, dass sie das Mittel überdosiert. Falls ein Kaiserschnitt nötig ist, kann das Medikament in höherer Konzentration gespritzt werden, sodass es keiner anderen Narkose bedarf.

Früher hat eine PDA die Gebärende ans Bett gefesselt, heute lässt sie ihnen mehr Bewegungsfreiheit – für Spaziergänge und unterschiedliche Gebärpositionen. Der Nachteil: Der Katheter sollte eher zu Beginn der Geburt gelegt werden, da die Frau für das Einführen einige Minuten mit gebeugtem Rücken ruhig sitzen muss. Kommen die Wehen bereits in kurzen Abständen, ist das schwierig.

Pudendusblock

Steht die Geburt von Babys Köpfchens unmittelbar bevor, kann der sogenannte Pudendusblock die Schmerzen ausschalten. Hierfür spritzt der Arzt ein Betäubungsmittel in die Gegend des Sitzbeinhöckers. ­­Dieses blockiert die Schmerzen im Damm und den Schamlippen. Wird oft angewendet, wenn das Kind mit Zange oder Saugglocke geholt werden muss.



Peggy Elfmann und Barbara Weichs / Baby und Familie; aktualisiert am 09.04.2014, erstellt am 29.08.2012

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