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Kurzfristige Schönheitsfehler nach der Geburt

Babys mit Schwellungen, Blutergüssen oder starker Körperbehaarung? Wie die kleinen Schönheitsfehler entstehen und ob sie behandelt werden müssen


Bald glatt und rosig: Kurz nach der Geburt haben Babys manchmal noch schrumpelige Haut und kleine blaue Flecken

Kleine blaue Flecke, verschrumpelte Haut oder ein dichter Flaum auf dem Rücken: Nicht immer sehen Babys perfekt aus, wenn sie geboren werden. Das ist kein Wunder. „Für ein Kind ist die Geburt eine enorme Anstrengung“, sagt Professor Ekkehard Schleußner, Direktor der Abteilung Geburtsmedizin an der Frauenklinik der Universität Jena.

Aber auch bestimmte Umstände während der Schwangerschaft können dafür sorgen, dass Neugeborene kleine Makel haben. „Sie sind meistens harmlos und verschwinden von alleine wieder“, so Kinderarzt Hans-Ulrich Neumann aus Hamburg. Was Babys kurz nach der Geburt oft zeichnet, erklären die Mediziner:


Der Saugglocken-Fleck

Eine kleine Beule, manchmal leicht bläulich oder bräunlich verfärbt: Kinder, die mit der Saugglocke geholt werden, haben meistens ein faustgroßes Ödem auf dem Kopf. Denn: Bei dieser Art der Geburt wird dem Köpfchen im Beckenausgang der Mutter eine Kappe aus Metall oder Kunststoff aufgesetzt, die ein Vakuum erzeugt. Durch den Unterdruck sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe an. „Es passiert genau das Gleiche wie bei einem Knutschfleck“, sagt Frauenarzt Schleußner.

Die Beule verschwindet in der Regel schnell wieder. Eltern müssen sich also keine Sorgen machen. „Das Ödem ist nach ein paar Tagen nicht mehr zu sehen“, so Kinderarzt Neumann. Gleiches gilt für den blauen Fleck, der sich manchmal an der Ansaugstelle bildet. Der Bluterguss wird innerhalb weniger Tage vom Körper wieder abgebaut.

Die Zangenmarken

Seltener als die Saugglocke kommt die Geburtszange zum Einsatz. Durch das Anlegen der Zangenlöffel an das Köpfchen entstehen bei Kindern die sogenannten Zangenmarken, also Abdrücke an den Schläfen und Ohrläppchen der Kleinen. Aber auch hier sind Sorgen unbegründet. „Schon einige Stunden nach der Geburt sind die Druckstellen wieder verschwunden“, betont Schleußner.

Die Lanugo-Behaarung

Ein weicher, dichter Flaum auf dem Körper von Neugeborenen ist keineswegs ein Vorbote üppiger Körperbehaarung im Erwachsenenalter. „Vor allem Frühchen sind oft stark behaart“, sagt Neumann. Und das hat seinen Grund: Schon in den ersten Schwangerschaftswochen bildet sich auf der Haut des Ungeborenen ein Flaum, der die Körpertemperatur reguliert und die zarte Haut vor dem Fruchtwasser schützt.

Erst kurz vor der Geburt werden die Härchen abgeworfen. Kommt ein Baby zu früh auf die Welt, hat es meist noch die sogenannten Lanugo-Haare. Im Laufe der ersten Lebenswochen fallen sie aber aus und sind später nicht mehr zu sehen.

Die Waschfrauen-Hände

Sie sind ein Zeichen für den Reifegrad der Kinder: Babys, die nach der 41. oder 42. Schwangerschaftswoche geboren werden, haben oft sogenannte Waschfrauenhände, also schrumpelige Hautstellen, die sich nicht nur auf die oberen Gliedmaßen der Kinder beschränken.

Durch die veränderte Zusammensetztung des Fruchtwassers zum Ende der Schwangerschaft schrumpelt die Haut der Kleinen ein, als hätten sie zu lange im warmen Wasser gebadet. Das sieht zwar nicht schön aus, tut den Kleinen aber nicht weh. Und meistens ist die Haut der Winzlinge schon ein paar Stunden nach der Geburt wieder glatt und rosig.

Die Hexenmilch

Viele Eltern erschrecken sehr, wenn sie kurz nach der Geburt bei ihrem Baby einen kleinen Milchfleck auf dem Strampler entdecken. Hexenmilch heißt die Flüssigkeit, die vor allem kleine Mädchen manchmal aus ihren Brustwarzen absondern. Der Grund: Wenn Kinder geboren werden, fällt der hohe Östrogenspiegel, den die Babys im Bauch der Mutter hatten, plötzlich ab.

Normalerweise unterdrückt das weibliche Sexualhormon die Milchbildung. Weil es nach der Geburt stark absinkt, schwellen die Brustdrüsen der Kleinen leicht an und sondern Milch ab. Ein harmloser, natürlicher Vorgang, der sich einige Tage später wieder von alleine gibt.

Unsere Experten:


Professor Ekkehard Schleußner ist Gynäkologe an der Universitätsklinik Jena


Dr. Hans-Ulrich Neumann ist Kinder- und Jugendarzt mit Praxis in Hamburg




Bildnachweis: istock/RapidEye, W&B/Privat

Julia Schulters / Baby und Familie; aktualisiert am 18.01.2013, erstellt am 25.01.2011
Bildnachweis: istock/RapidEye, W&B/Privat

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