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Kaiserschnitt auf Wunsch: Pro und Contra

Der Kaiserschnitt ist in Mode: Jedes dritte Kind kommt derzeit so auf die Welt. Verrat an der Natur oder risikoarme Alternative?


Eine Geburt per Kaiserschnitt hat Vor- und Nachteile für Mutter und Kind

Die Betäubung im Rückenmark ist rasch gesetzt, ein schneller Schnitt knapp über dem Schambein und schon ist das Baby auf der Welt – ein Kaiserschnitt dauert in der Regel nicht mal eine Stunde. Inklusive Zunähen. Keine stundenlangen Wehen, kein Pressen, kein Dammriss.

Jedes dritte Kind wird heute per Kaiserschnitt entbunden, doppelt so viele als noch vor 20 Jahren. Damals galt der Kaiserschnitt als Notfallmaßnahme, seitdem haben sich Operationstechniken und Hygiene verbessert. „Bei uns in der Klinik haben wir derzeit sogar eine Kaiserschnittrate von rund 40 Prozent“, sagt Professor Ernst Rainer Weissenbacher, Belegarzt in der Frauenklinik Dr. Geisenhofer am Englischen Garten München. „Ein Viertel davon sind Wunschkaiserschnitte.“


Häufig keine zwingenden Gründe für einen Kaiserschnitt

Kann sich also jede Frau einfach einen Kaiserschnitt wünschen? Streng genommen, nein. „Die Krankenkassen bezahlen keine Wunschkaiserschnitte“, sagt Hebamme Dr. Mechthild Groß, Leiterin der AG Hebammenwissenschaft an der Medizinischen Hochschule Hannover. Der Arzt muss also einen Grund für den Kaiserschnitt angeben. Meist sind das sogenannte weiche Indikationen: Gründe, die zwar dafür sprechen, den Kaiserschnitt aber nicht zwingend notwendig machen. „Oft ist das eine Kombination aus mehreren Faktoren, wie ein etwas höheres Alter der Patientin, vielleicht auch ein etwas erhöhter Blutdruck oder schlechte Erfahrungen, die im Bekanntenkreis der Schwangeren aufgetreten sind“, sagt Groß. Im Prinzip wäre also eine vaginale Geburt möglich.

Trotzdem ist es für den Arzt nicht ratsam, die Schwangere gegen ihren Willen zu einer natürlichen Geburt zu drängen: „Geht etwas schief, könnte ein Gutachter bemängeln, warum nicht früher oder von vornherein ein Kaiserschnitt gemacht wurde“, sagt Weissenbacher.

Warum sich Frauen für einen Kaiserschnitt entscheiden:

  • Alter: Frauen werden heute später Mütter. Um mögliche altersbedingte Risiken zu begrenzen, ziehen viele Ärzte einen Kaiserschnitt vor. Dabei ist das Risiko für Komplikationen bei der Mutter beim Kaiserschnitt sogar zwei bis dreimal höher als bei einer natürlichen Geburt.
  • Kindeswohl: Dagegen ist das Risiko für Komplikationen beim Baby bei einem Kaiserschnitt etwa zwei bis dreimal geringer. „Das ist für viele Frauen ausschlaggebend“, sagt Weissenbacher.
  • Angst vor Dammriss und Inkontinenz: Viele Frauen wollen im Genitalbereich unversehrt bleiben oder fürchten eine Beckenbodenschwäche, also Inkontinenz. Lieber nehmen sie eine Kaiserschnittnarbe in Kauf.
  • Angst vor den Wehen: „Manche Mütter haben diffuse Ängste, einige wollen sich nicht mit dem Geburtsvorgang befassen“, sagt Mechthild Groß. Diese Einstellung sieht die Hebamme sehr kritisch. „Es ist wichtig, dass sich die werdenden Eltern mit ihrer künftigen Rolle auseinandersetzen. In solchen Fällen verlange ich zumindest ein Zertifikat über einen Geburtsvorbereitungskurs, bevor ich dem Kaiserschnitt zustimme.“
  • Planbarkeit:  Die Planbarkeit des Geburtstermins spielt laut Weissenbacher kaum eine Rolle. „Auch ein Wunschkaiserschnitt ist nicht so genau planbar: In der Klinik gehen Notkaiserschnitte vor.“

Was gegen einen Kaiserschnitt spricht:

  • höheres Risiko für die Mutter: Ein Kaiserschnitt ist eine größere Bauchoperation mit dem Risiko für Verletzungen anderer Organe, Wundheilungsstörungen, Infektionen, Thrombosen, Verwachsungen und Narbenproblemen.
  • Atemprobleme beim Baby: Kaiserschnittbabys haben häufiger Fruchtwasser in der Lunge. „Das liegt aber eher daran, dass Kaiserschnitte oft zu früh durchgeführt werden“, sagt Weissenbacher. „Manche Ärzte setzen die Operation zwei bis drei Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin an.“ Ideal sei ein Datum sieben bis zehn Tage vor dem errechneten Termin. Auch Mechthild Groß warnt: „Zu früh auf die Welt geholte Kinder können sich oft schlechter anpassen, haben häufiger Atemprobleme, Probleme mit dem Blutzuckerspiegel und dem Temperaturhaushalt.“
  • Fehlender Geburtsstress: Studienergebnisse lassen die Vermutung zu, dass Kaiserschnittkinder wegen der fehlenden Hormone, die bei einer natürlichen Geburt ausgeschüttet werden, häufiger unter Anpassungsstörungen wie verstärktem Schreien leiden. Mütter, die ihr Kind vaginal geboren hatten, reagieren demnach ausgeprägter auf das Schreien des Kindes. Das ist jedoch nicht ausreichend belegt.
  • Fehlende Keimbesiedelung: Bei einer vaginalen Geburt wird die Bakterienflora des Geburtskanals auf das Baby übertragen, seine Haut und sein Darm schneller mit wichtigen Bakterien besiedelt. Laut neuesten Studien haben Kaiserschnittkinder wegen der fehlenden Bakterien ein höheres Risiko für Übergewicht und Diabetes.
  • Komplikationen bei Folgeschwangerschaften: Möchte eine Frau nach einem Kaiserschnitt auf natürlichem Weg entbinden, ist das Risiko eines Gebärmutterrisses erhöht. „Wenn keine weiteren Risikofaktoren vorliegen, kann sie aber zu 74 Prozent vaginal entbinden“, sagt Groß.

 

Fazit der Experten: „Die vaginale Geburt ist etwas Natürliches“, sagt Weissenbacher. „Bei Patientinnen ohne erkennbares Risiko empfehle ich, es damit zu versuchen.“ Wünscht die Frau trotzdem einen Kaiserschnitt, kläre er sie über die Risiken auf und diskutiere mit ihr die optimale Lösung. Ähnlich geht Hebamme Groß vor. „Natürlich ist ein Wunschkaiserschnitt eine persönliche Entscheidung der Frau“, sagt sie. Die Hebamme habe aber manchmal den Eindruck, die betreffenden Frauen seien sich der Tragweite ihrer Entscheidung nicht bewusst, insbesondere für eine mögliche Folgeschwangerschaft.

Übrigens: In Puncto Figur bringt der Kaiserschnitt keinen Vorteil. Was die Frau in der Schwangerschaft zugenommen hat, muss sie in beiden Fällen später wieder abnehmen.




Bildnachweis: iStock/arcticFlea

Daniela Frank / www.baby-und-familie.de; aktualisiert am 09.04.2014, erstellt am 01.08.2012
Bildnachweis: iStock/arcticFlea

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