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Hebamme: So hilft sie rund um Schwangerschaft und Geburt

Eine Hebamme bringt das Kind mit zur Welt – und sonst nichts? Von wegen! Welche Aufgaben die Geburtshelferin noch übernimmt, wie Sie die richtige finden und welche Leistungen die Kasse zahlt


Hebammen stehen Schwangeren und Müttern mit Rat und Tat zur Seite

Ohne Hebammen würden sich wohl viele werdende oder frisch entbundene Mütter ziemlich aufgeschmissen fühlen. Wohin dann mit all den brennenden Fragen, nagenden Zweifeln und alltäglichen Problemen, die Schwangerschaft, Geburt und Neugeborenes so mit sich bringen? Denn die gelernten Entbindungshelferinnen begleiten Schwangere nicht nur durch die Wehen und die anstrengende Geburt. Sie stehen den Frauen oft schon während der Schwangerschaft und auch noch in den ersten Wochen nach der Geburt – dem Wochenbett – zur Seite.


In der Schwangerschaft

Die Schwangerenvorsorge übernimmt immer der Arzt? Das muss nicht sein. Werdende Mütter können auch eine Hebamme mit dieser Aufgabe betrauen. Sie kann dann fast den kompletten praktisch-medizinischen Teil des klassischen Frauenarzt-Angebotes übernehmen: die Schwangerschaft feststellen, den Mutterpass ausstellen und die Vorsorgeuntersuchungen durchführen. Eine Ausnahme bilden die Ultraschall-Untersuchungen: Diese müssen in einer gynäkologischen Praxis vorgenommen werden. Aber auch in einigen anderen Fällen ist die Konsultation eines Arztes unerlässlich. „Wenn bei der Schwangeren Unregelmäßigkeiten oder Komplikationen auftreten, dann wird sie auf alle Fälle für weitere Untersuchungen an einen Gynäkologen überwiesen“, sagt Susanne Teuerle, Geburtshelferin und Vorstandsmitglied des Hebammen-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen.

Zusätzlich bieten Hebammen oft Geburtsvorbereitungskurse an. Sie finden in Hebammenpraxen, Kranken- oder Geburtshäusern statt und werden in der Regel ab der 25. Schwangerschaftswoche empfohlen.

Arzt oder Hebamme?

Zu Beginn der Schwangerschaft sind sich viele Frauen unschlüssig, ob sie für die Vorsorge einen Arzt oder eine Hebamme wählen sollen. Sie fragen sich zum Beispiel: Bin ich im Notfall bei einem Gynäkologen oder einer Gynäkologin medizinisch besser aufgehoben? Kann er/sie sich genug Zeit nehmen für meine Probleme und Ängste? Glücklicherweise müssen sich Schwangere in dieser Frage nicht strikt für eine Alternative entscheiden. Die werdende Mutter kann für einige Untersuchungen zum Gynäkologen gehen und für andere Teile die Hilfe einer Hebamme in Anspruch nehmen.

Vor allem aus emotionalen Gründen entscheiden sich viele Frauen dafür, schon früh eine Geburtshelferin zu konsultieren. „In der Hebammenarbeit geht die Betreuung ja weit über den medizinischen Aspekt hinaus. Hebammen sind Ansprechpartnerinnen für alle Probleme und Sorgen, die eine Schwangerschaft, die Geburt und das Wochenbett mit sich bringen“, sagt Teuerle.

Während der Geburt

Spätestens wenn das Kind kommt, steht die Entbindungshelferin der Schwangeren zur Seite. Das Deutsche Hebammengesetz schreibt vor, dass bei jeder Geburt eine Hebamme oder ein Entbindungspfleger anwesend sein muss. Hat die Frau nicht schon für die Betreuung in der Schwangerschaft eine Hebamme gewählt, die für die Geburt auf Abruf bereitsteht, übernimmt diese Aufgabe eine bei der Entbindungsklinik angestellte Geburtshelferin oder ein Geburtshelfer. Nur im Notfall darf der Arzt ohne Hebamme entbinden.

Bei einer normalen Geburt überwacht die Hebamme den Gesundheitszustand der werdenden Mutter, des Kindes und den Geburtsverlauf. Sie ist dazu berechtigt – wie es zum Beispiel bei Hausgeburten oder in einem Geburtshaus üblich ist – die Geburt völlig selbstständig ohne Arzt zu leiten. Gibt es Komplikationen, muss sie jedoch einen Arzt hinzurufen.

Im Wochenbett

Auch während der Wochenbett-Phase überwacht die Hebamme, wie es Mutter und Kind geht –  im Rahmen von üblicherweise bis zu 16 Terminen innerhalb der ersten acht Wochen nach der Geburt. Sie kontrolliert das Abheilen des Nabels beim Neugeborenen und die Rückbildung von Gebärmutter und Beckenboden bei der Wöchnerin sowie die Wundheilung eventueller Dammverletzungen. Außerdem berät sie die Mutter zum Stillen und zur Pflege ihres Kindes.

„Die Hebamme begleitet die ersten Entwicklungen und überwacht ein Stück weit auch die Vorgänge zwischen Mutter und Kind. So kann sie sicherstellen, dass die Abläufe gut funktionieren, bei Bedarf Hilfestellungen geben oder beratend zur Seite stehen“, sagt Teuerle. Geburtshelferinnen sind auch Ansprechpartner, falls die Mutter im Wochenbett unter psychischen Problemen leidet. Bei manchen Frauen tritt aufgrund der Hormonumstellung nach der Geburt der sogenannte Baby-Blues auf. In der Regel dauert er nur ein paar Tage. Im Extremfall kann er sich aber zu einer behandlungsbedürftigen Wochenbettdepression ausweiten.


Welche Hebammen gibt es?

Freiberufliche Hebamme: Sie ist rund um die Uhr für die Schwangere oder Wöchnerin erreichbar. Zu ihren Aufgabenbereichen gehören die Vorsorge in der Schwangerschaft, die Durchführung von Hausgeburten sowie die Wochenbettbetreuung. Klinikgeburten kann sie aber meist nicht leiten.

 

Beleghebamme: Sie ist ebenfalls eine frei praktizierende Hebamme, hat allerdings einen Belegvertrag mit einer oder mehreren Geburtskliniken oder Geburtshäusern. Die Betreuung und Begleitung der Schwangeren sowie die Geburt finden in der Klinik statt, an die die Beleghebamme vertraglich gebunden ist.

 

Angestellte Hebamme: Sie arbeitet fest in einer Klinik und wird dort im Kreißsaal, auf der Wochenbettstation oder in der Kinderstation eingesetzt.

 

Familienhebamme: Ihre Tätigkeit unterscheidet sich von der anderer Hebammen. Sie betreut Familien in Problemsituationen nach der Geburt eines Kindes – auch über das Wochenbett hinaus – und kann so dabei helfen, dass trotz der Schwierigkeiten eine gute Bindung zwischen Mutter und Kind entsteht.


Welche Leistungen zahlt die Kasse?

Jede gesetzlich versicherte Schwangere hat  Anspruch auf die Betreuung durch eine Hebamme. Allerdings werden nicht alle Leistungen bezahlt. Es ist daher sinnvoll, sich gegebenenfalls vorher bei der Krankenkasse zu erkundigen. Dasselbe gilt auch für privatversicherte Frauen.

Auch der Geburtsvorbereitungskurs wird meist von den Krankenkassen bezahlt. Wenn allerdings der Partner mitmachen möchte, muss er üblicherweise den Eigenanteil selbst tragen.

Geht die Wochenbettbetreuung über die festgelegten acht Wochen (16 Konsultationen) nach der Geburt hinaus, muss die Frau die Kosten dafür meist selbst übernehmen. Ausnahmen kann es geben, wenn zum Beispiel der Kinder- oder Hausarzt die zusätzlichen Konsultationen verordnet. Erweiterte Angebote der Hebammen wie Akupunktur, Babymassage oder Schwangerschaftsyoga werden meist gar nicht oder nur teilweise übernommen. Die Schwangere sollte sich am besten vorab bei Ihrer Krankenkasse informieren, welche Leistungen diese bezahlt.

Wie finde ich eine geeignete Hebamme?

Bei einer Klinikgeburt entbindet in den meisten Fällen die Hebamme, die gerade zum Dienst eingeteilt ist. Wenn die werdende Mutter schon während der Schwangerschaft von einer Hebamme betreut werden möchte, kann sie am besten bei ihrer Entbindungsklinik nach einer Liste der dortigen Beleghebammen fragen. Ähnliches gilt für die Entbindung in einem Geburtshaus.

Wünscht sich eine Schwangere, dass sie sowohl in der Schwangerschaft, als auch bei der Geburt und dem Wochenbett von einer freiberuflichen Hebamme betreut wird, sollte sie sich zeitig umsehen, rät Susanne Teuerle. Gerade in ländlichen Gebieten oder in kinderreichen Großstädten wie zum Beispiel Köln, München oder Hamburg sind die Kapazitäten knapp. „Da ist die Nachfrage viel größer als das Angebot“, so die Expertin. Ihr Tipp: Schwangere sollten sich in nachfragestarken Gebieten bereits weit vor der 20. Woche um eine Geburtshelferin kümmern. Auch für eine Hausgeburt sind freiberufliche Hebammen die richtigen Ansprechpartnerinnen.

Hebammenvereine, Hebammenzentralen oder Hebammennetzwerke bieten entsprechende Listen an – zum Beispiel die Landesverbände des Deutschen HebammenVerbands e.V. (www.hebammenverband.de*).

* www.baby-und-familie.de übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten




Bildnachweis: Banana Stock/RYF

Sandra Schmid / www.baby-und-familie.de; aktualisiert am 19.09.2013, erstellt am 02.02.2012
Bildnachweis: Banana Stock/RYF

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