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Die Geburt – eine Mutter erzählt

Tut es sehr weh, ein Kind zu bekommen? Und wie schön ist es wirklich? Eine Mutter berichtet über ein schmerzhaftes, aber sehr glückliches Erlebnis


Ist das Baby endlich da, entschädigt das für alle Schmerzen

Ziemlich aufregend, wenn die Wehen einsetzen. Geht es jetzt wirklich los oder ist noch Zeit? Und wie stark sind die Schmerzen, wenn das Baby geboren wird? Tanja W. (32) aus München erzählt, wie ihr erstes Kind Luis Maximilian zur Welt kam.

Samstag, 25. Juli: Heute habe ich mir das erste Mal in meinem Leben einen Kreißsaal angesehen. Da also soll mein Baby zur Welt kommen – hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Im Grunde sehen die Gebärzimmer aus wie gemütliche Wohnzimmer mit Bett und gar nicht wie sterile, kahle OP-Räume. Was mich interessieren würde: Wie merkt man eigentlich, dass es so weit ist? Eine meiner Freundinnen hatte Wehen, das war dann aber Fehlalarm, und sie musste wieder nach Hause. In vier Wochen habe ich Termin!


Freitag, 21. August: Den ganzen Tag ist es schon unglaublich heiß. Für die Nacht ist Gewitter angesagt. Vielleicht geht es heute los! Angeblich kommen ja, wenn es blitzt und donnert, ganz besonders viele Kinder zur Welt. Ich fühle mich sehr schlapp, mag nur liegen und schlafen. Eigentlich war ich am Abend eingeladen. Aber ich habe HaJö allein hingeschickt. Er hat mir vom Fest noch eine SMS geschrieben: „Wie geht es euch beiden?“ Ich habe geantwortet: „Alles in Ordnung, feiert noch schön!“

Samstag, 22. August, 0.30 Uhr: Irgendetwas ist anders. Ich bin davon aufgewacht, dass sich mein Bauch ab und zu verhärtet, es fühlt sich an wie leichte Menstruationskrämpfe. Gut, dass HaJö bald nach Hause kommt!

1.28 Uhr: Vielleicht sind es doch Wehen? Allmählich kommen sie ziemlich rhythmisch, alle zehn bis zwölf Minuten. Wir haben die Zeiten auf einem gelben Zettel notiert. Die Schmerzen kann ich sehr gut aushalten. Im Geburtsvorbereitungskurs habe ich gelernt, wie man mit der Wehe atmet, und das bringt eine ganze Menge. Am effektivsten klappt es, wenn ich beim Atmen noch ein Geräusch mache, ein tiefes „Uuuuh“. Klingt komisch, hilft aber!

3.00 Uhr: Jetzt kommen die Wehen schon alle sechs bis sieben Minuten. Wir haben gerade in der Klinik angerufen, aber die Hebamme meinte, wir sollen uns noch Zeit lassen, erst kommen, wenn sich der Abstand auf vier Minuten verkürzt. Die Klinik ist ja glücklicherweise nur zehn Minuten mit dem Auto weg.

5.45 Uhr: Ich glaube, jetzt ist es so weit. Mein Gefühl sagt mir: Ich möchte in die Klinik. Das Köfferchen habe ich schon lange gepackt. Jetzt geht es los. Ich bin erstaunlich ruhig.

6.15 Uhr: Die Aufnahme in die Klinik haben wir hinter uns. Ein bisschen spazieren im Klinikgarten waren wir auch. Beim Rückweg hat mich eine Wehe auf der Treppe erwischt. Ich glaube, Hajo fand es ein bisschen peinlich, dass ich den Schmerz mit meinem „Uuuh“ weggeatmet habe – muss sich mit dem Hall im Treppenhaus ziemlich gespenstisch angehört haben. Inzwischen bin ich an den Wehenschreiber angeschlossen. Die Hebamme hat mich untersucht. Der Muttermund ist zwei Zentimeter offen. Nur zwei Zentimeter! Darüber bin ich ein bisschen enttäuscht.

9.00 Uhr: Der Muttermund hat sich jetzt auf sechs Zentimeter geöffnet. Die Wehen sind anstrengend, aber noch komme ich ganz gut zurecht. Allmählich merke ich nur, dass mir der Schlaf fehlt. In einem Buch habe ich mal gelesen, dass eine Geburt so anstrengend wie ein Marathon ist. Kann ich nur bestätigen! Inzwischen mag ich auch nicht mehr stehen, sondern liege im Bett auf der Seite. Manchmal nicke ich in den Wehenpausen weg. Hajo ist ein Schatz. Spricht mit mir, streichelt mir den Rücken, ermutigt mich. Gut, dass er dabei ist. Die Hebamme schaut immer mal wieder nach mir.

11.00 Uhr: Die Hebamme will die Fruchtblase öffnen, damit die Geburt schneller vorangeht. Sehr unangenehm! Ich hatte mich gerade in meine Decke eingemummelt, war mit mir und meinen Wehen beschäftigt. Jetzt muss ich mich auf den Rücken legen, und die Hebamme kümmert sich um die Fruchtblase. Es tut zwar nicht weh. Aber ich will mich augenblicklich am liebsten gar nicht mehr bewegen, nur noch daliegen und mich auf die Wehen konzentrieren.

12.00 Uhr: Jetzt wird’s richtig heftig. Ich habe das Gefühl, dass das Köpfchen meines Babys stark von innen gegen mich drückt. Die Wehenpausen werden immer kürzer. Ich würde so gern pressen, aber die Hebamme sagt, ich muss es noch zurückhalten. Das ist irre anstrengend. Inzwischen krebse ich im Vierfüsslerstand auf dem Bett herum. Bitte macht was, dass das Baby rauskommt!

14.10 Uhr: Mein Mann hält mich von links, die Hebamme von rechts. Ich presse. Diese Wehen sind unglaublich, wie eine Naturgewalt. Mein Körper führt ein Eigenleben, will nur noch das Baby nach draußen drücken. Ich muss immer wieder stoppen, auf die nächste Wehe warten, bis ich weiterpressen darf. Ich höre die Befehle der Hebamme: „Pressen, pressen, pressen. Stopp!“ Lang dauert’s nicht mehr. Ich denke immer daran, was die Hebamme mir gesagt hat. Durchhalten. Jede Wehe bringt mir mein Kind näher!

14.46 Uhr: Eine gigantische, schmerzhafte Presswehe. Die Hebamme sagt, der Kopf ist draußen. Noch eine. Mein Baby ist da. Es schreit nicht richtig, sondern quäkt nur ein bisschen. „Guck mal, da ist er“, sagt HaJö mit ganz komischer Stimme. Ich denke nur noch eins: Ich will meinen Sohn haben, will ihn spüren. Die Hebamme untersucht ihn ganz kurz, legt ihn mir auf den Bauch. Er fühlt sich noch ganz glitschig an, wiegt 2940 Gramm und ist 51 Zentimeter groß. Hallo Luis Maximilian, willkommen im Leben!




Bildnachweis: istock/seanoriordan

Anne-Bärbel Köhle und Julia Wölkart / Baby und Familie; aktualisiert am 27.03.2013,
Bildnachweis: istock/seanoriordan

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