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Spiraldynamik: Neue Methode gegen Fußprobleme

Ganz schön verdreht! Senk-, Spreiz- und Hohlfüße sollen sich mit Spiraldynamik behandeln lassen. Aber wie funktioniert die neue sanfte Methode? Außerdem: Einfache Übungen für zu Hause


Öfter mal „unten ohne“: Das Kind barfuß laufen zu lassen ist eine einfache Möglichkeit, Fußproblemen vorzubeugen

Sie werden zusammengepresst und eingezwängt, sehen selten das Tageslicht. Das Resultat: Viele Füße machen Probleme, reagieren etwa mit Fehlstellungen. „Das führt zu einer ungleichmäßigen Belastung und damit zu Schmerzen“, erklärt Prof. Dr. Alfred Karbowski, Chefarzt der Klinik für Orthopädie im Kölner Krankenhaus im Severinsklösterchen. Der Grundstein für solche Malaisen liegt oft in der Kindheit: „Zwei Drittel der Kinder tragen zu kleine Schuhe. Die Hälfte hat verformte Füße, ein Drittel gibt an, nie barfuß zu laufen“, beklagt der Arzt und Autor Dr. Christian Larsen („Gesunde Füße für Ihr Kind“, Trias Verlag) aus Zürich die Misere von Kinderfüßen. Das Problem setzt sich fort: Mindes­tens ein Drittel der Erwachsenen, so Larsen, hat massive Fußprobleme. Häufig raten Orthopäden dann zu Einlagen. „Oft bringt das aber nichts“, erklärt Karen Janker, Leiterin der Kinderfußschule München. „Einlagen sorgen eher dafür, dass die Muskulatur im Fuß schlapper wird und die Probleme bestehen bleiben.“


Was also tun? Zähne zusammenbeißen? Für immer mit Senk-, Spreiz- oder Hohlfüßen durchs Leben watscheln? „Am besten hilft ein Training, das die Muskulatur und damit den ganzen Fuß ­stärkt“, erklärt die Expertin. Mit gezielten Kraft- und Beweglichkeitsübungen könne man von früher Kindheit an Schäden vermeiden und bei Erwachsenen Probleme zum Teil revidieren oder zumindest verbessern.



Karen Janker ist Leiterin der Kinderfußschule in München

Spiraldynamik heißt eine noch junge Therapie, die der Mediziner Larsen entwickelt hat. Sie soll den ganzen Körper stärken und hat sich auch bei der Behandlung von Fußproblemen bewährt. Derzeit gibt es ein paar hundert Anbieter in Deutschland (Adressen nach Postleitzahl unter: www.spiraldynamik.com/fachkraefte.php*). Die Theorie dahinter erklärt Spiraldynamik-Expertin Janker: „Alle Knochen, die Wirbelsäule und eben auch die Füße sind so miteinander verbunden, dass sie für eine perfekte Aufrichtung des Organismus sorgen.“ Geht diese natürliche Drehung etwa durch falsche Belastungen verloren, so die Theorie, entwickeln sich Probleme. Am häufigsten zeigen sich die Schwierigkeiten im Fußbereich am Stand der Ferse: Ist sie nicht aufgerichtet, sackt der Fuß nach innen oder außen – und sorgt für Senk- oder Hohlfüße. „Das Training setzt damit an, die Ferse zu stabilisieren und das Körperbewusstsein zu schärfen“, so Janker.



Prof. Dr. med. Alfred Karbowski ist Chefarzt der Klinik für Orthopädie im Kölner Krankenhaus im Severinsklösterchen

Wie wirksam Spiraldynamik ist, darüber gibt es noch keine Studien. Dennoch stünde sie bei Orthopäden und Fußchirurgen hoch im Kurs, so Karbowski. „Wir haben damit, speziell bei Spreizfüßen, sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt er. „Patienten sollten es probieren und ein paar Monate lang beobachten, ob sich ­eine Linderung einstellt.“ Allerdings: Die gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten nicht. Sie belaufen sich auf etwa 60 Euro die Stunde. Für die Füße lässt sich aber auch im Alltag viel tun, indem man Kinder häufiger barfuß laufen lässt, auf passendes Schuhwerk achtet – und Zehen, Ballen und Fersen auf Kraft polt. „Weist ein Fuß echte Probleme auf, müssen wir mit gezieltem Training arbeiten, das genau zu der Fußfehlstellung passt“, erklärt Karen Janker. „In vielen Fällen reichen wenige Stunden.“

Grundsätzlich rät die Expertin Eltern zur Gelassenheit. Alle Babys kommen mit flachen Sohlen zur Welt. Auch Knickfüße, X- und O-Beine müssen zunächst nicht beunruhigen. Im Laufe der Zeit entwickelt sich das Fußgewölbe, und die Beine richten sich gerade aus. „Ab etwa vier Jahren kann man abschätzen, ob ein Kind Fußprobleme hat“, sagt Janker. Nur wenn ernste Schwierigkeiten auftreten, etwa Sichel- oder Klumpfüße, muss ein Baby zum Arzt. Bei kleinen Plattfüßen abzuwarten, raten auch Forscher einer Studie von der Medizinischen Universität Wien. 44 Prozent der untersuchten Drei- bis Sechsjährigen litten unter einem sogenannten flexiblen Plattfuß. Den mit Einlagen zu korrigieren, halten die Wissenschaftler für kontraproduktiv, weil die Unterstützung von außen das Muskelwachstum im Fuß hemmt. Forscher fanden aber auch heraus: Dicke Kinder leiden dreimal so häufig unter platten Füßen wie ­ihre normalgewichtigen Altersgenossen.


Standfest bleiben! Hier haben wir vier Übungen aus der Spiraldynamik zusammen­gestellt. Eltern und Kinder können sie prima zusammen machen, am besten jeden Tag.

  • Den Boden spüren:

    Stellen Sie die Füße knapp hüftbreit auseinander, schließen Sie die Augen, und nehmen Sie wahr, wie Sie auf dem Boden stehen. Auf welchen Stellen des Fußes ruht Ihr Gewicht? Jetzt langsam mit geschlossenen Augen nach links und nach rechts, nach vorn und nach hinten pendeln, dabei mit beiden Beinen stehen bleiben und spüren: Wie liegt der Fuß auf?
    Das bringt es: Ein geschärftes Bewusstsein dafür, wie man stabil stehen  und beide Füße belasten kann.


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  • Fersen-Lot:

    Stellen Sie sich mit dem Rücken vor einen Spiegel, oder bitten Sie jemanden, Ihre Fersen von hinten zu beobachten. Lenken Sie nun Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre Fersen. Verlagern Sie Ihr Gewicht abwechselnd auf die Fersen­­außenkante, danach auf die Innenkante. Rhythmisch wiederholen, bis Sie das Gefühl haben, dass die Fersen felsengerade stehen. Jetzt den Stand überprüfen und so ­korrigieren, dass die Ferse sich wirklich senkrecht zum Boden befindet. 30 Sekunden lang halten.
    Das bringt es: Viele Fußproble­me haben ihre Ursache in einem falschen Fersenstand. ­Diese Übung stabilisiert nachhaltig.


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  • Zehen-Raupe:

    Im Sitzen lassen Sie den Fuß unbelastet auf dem Boden stehen. Jetzt bauen­ Sie gezielt das Quergewölbe des Fußes auf, indem Sie die Zehen zu sich heranziehen. Halten Sie den Bogen für ein paar Sekunden. Dann Zehen wieder nach vorne verschieben. Alles wiederholen, etwa ein bis drei Minuten üben.
    Das bringt es: Die Ballenmuskulatur wird gekräf­tigt, die Übung beugt Spreiz-, Platt- und Hohlfüßen vor.


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  • Fußspirale:

    Setzen Sie sich bequem hin, Füße­ und Unterschenkel bilden einen rechten Winkel. Nehmen Sie einen Fuß in beide Hände. Eine­ Hand umfasst die Ferse, die ­andere den Vorderfuß. Jetzt den Fuß mit beiden Händen sanft wie ein Handtuch auswringen, dabei dreht die Ferse zunächst nach außen, der Vorderfuß nach innen. Bewegung rhythmisch wiederholen, zwei bis fünf Minuten pro Fuß.
    Das bringt es: Mehr Beweglichkeit in den Füßen, gut gegen Knicksenkfüße.


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* www.baby-und-familie.de übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten



Anne-Bärbel Köhle / Baby und Familie; 29.12.2011
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Martina Ibelherr, Strandperle/Tetra Images

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