Reiseschnäppchen für die klassische Familie – zwei Erwachsene, ein oder zwei Kinder – gibt es jede Menge. Ob tolle Ferienhäuser, günstige All-inclusive-Reisen oder exklusive Clubhotels zum Spitzenpreis: Die Reiseanbieter stellen Mama, Papa und Kind oft vor die Qual der Wahl.
Davon können alleinerziehende Mütter und Väter in Deutschland nur träumen. Wenn es Singles mit Kind und schmalem Geldbeutel in die Ferne zieht, müssten diese meist tief in die Tasche greifen. Notgedrungen bleiben sie dann oft zu Hause.
Alleinerziehend in Deutschland
Laut dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2009 1,6 Millionen Eltern alleinerziehend. Tendenz steigend. Mehr als die Hälfte der Alleinerziehenden, die Kinder unter drei Jahren haben, verfügen über ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1.100 Euro. Da überrascht es kaum, dass sich nur knapp die Hälfte aller Alleinerziehenden gerade mal eine einwöchige Reise im Jahr leisten kann.
Ilka Pein vom Landesverband alleinerziehender Mütter und Väter in Hamburg weiß, dass die Ansprüche der Alleinerziehenden an einen Urlaub gar nicht hoch sind: „Sie wünschen sich nur ein klein wenig Erholung und vielleicht etwas Unterstützung, was die Betreuung der Kinder betrifft.“ Sie bräuchten nicht unbedingt Sternehotel oder Strandnähe. „Aber bezahlbar sollte der Urlaub eben sein“, so Pein.
Aber genau da liegt das Problem: Bei den meisten Angeboten ist es so, dass in einer Familie bei zwei Vollzahlern das Kind oder die Kinder vergünstigt mitreisen. Fahren nun Mama oder Papa alleine mit dem Nachwuchs in die Ferne, gilt das Kind immer als Vollzahler. Das können sich die wenigsten Alleinerziehenden leisten.
Auch Pein kennt diesen Umstand: „Angebote, bei denen Alleinerziehende den vollen Preis bezahlen und dafür das Kind zum halben Preis oder gar kostenlos mitreisen kann, sind mir bei den geläufigen Reiseveranstaltern nicht bekannt.“ Dass dieser Umstand – 1,6 Millionen Alleinerziehende in Deutschland und vergleichsweise so wenig maßgeschneiderte Urlaubsangebote – bei den großen Reiseveranstaltern nicht berücksichtigt wird, ist Pein ein Rätsel.
Zuschüsse für den Urlaub
Um den Reisekostenfaktor zu reduzieren gibt es in fast allen Bundesländern Zuschüsse für Familienerholung, von denen auch Alleinerziehende profitieren können. In Hamburg, so Ilka Pein, kann man beispielsweise einen Zuschusses von 10 Euro pro Kind und Tag beantragen. Voraussetzung: Das monatliche Nettoeinkommen liegt unter dem doppelten Sozialhilfesatz und die Reisekosten überschreiten nicht den festgesetzten Höchstsatz. Außerdem muss man mindestens zehn Tage verreisen. In den anderen Bundesländern gibt es ebenfalls strenge Auflagen, um einen Zuschuss zu bekommen. Er gilt zum Beispiel nur bei Urlauben in speziellen Familienferienstätten oder wenn man eine bestimmte Zeit verreist.
Günstige Reisen für Alleinerziehende
Inzwischen gibt es allerdings auch einige Portale im Internt, die sich auf günstige Reisen für Alleinerziehende mit ihren Kindern spezialisiert haben. Ob Ferienhäuser an der Ostsee oder Hütten im Allgäu – Gruppen von Alleinerziehenden fahren gemeinsam dorthin, erholen sich gemeinsam, kochen gemeinsam, unternehmen etwas zusammen. So finden Erwachsene und Kinder auch gleich Anschluss.
Bedenken muss man allerdings bei dieser Art des Urlaubs: Mit Bedienungspersonal, leckerem Buffet oder Zimmerservice kann man hier natürlich nicht rechnen. Aber dafür hat man immer Gesprächspartner, Spielkameraden für die Kinder und erholsame Stunden in geselliger Runde.
Urlaub als Kontaktbörse
Wer möchte kann den Urlaub auch als Kontaktbörse nutzen. Nicht zufällig achten die Reiseveranstalter oft auf das richtige Mann-Frau-Verhältnis.
Die andere Frage ist natürlich, ob man das will: Mit anderen Elternteilen verreisen, die das gleiche „Schicksal“ haben wie man selbst. Gesprächsthemen sind da programmiert: der viele Stress, der schwierige Alltag, der böse Ex. Manche Alleinerziehende möchten diesen Themen zumindest einmal im Jahr entfliehen.
Es ist aber gar nicht so leicht, als Single-Mama oder Single-Papa Anschluss bei den klassischen Familien zu finden. Zu groß sind bisweilen die Vorurteile. „Da fehlt es leider noch etwas an Akzeptanz bei den Familien,“ so Pein. „Wenn die sehen, da ist eine Frau alleine mit Kind unterwegs, wird sich oft gedacht ,Oh, die klammert sich jetzt an unsere Familie' oder am Ende sogar „Die will mir meinen Mann ausspannen“.
Mit Freunden oder Eltern verreisen
Großartig ist es natürlich, wenn man sich mit guten Freunden – alleinerziehend oder nicht – zusammentut und gemeinsam in den Urlaub fährt. Günstig wird es zum Beispiel, wenn Sie sich nicht für einen Hotelurlaub im klassischen Sinne entscheiden, sondern beispielsweise auf den Campingplatz gehen oder sich gemeinsam ein Ferienhaus mieten.
Auch wenn es auf den ersten Moment für manche gewöhnungsbedürftig klingt: Ein Urlaub mit Oma und Opa kann ebenfalls eine wunderbare Alternative sein. Vor allem für den eigenen Erholungsfaktor. Während nämlich die Großeltern mit dem Kind beim Eisessen oder beim Baden sind, hat Single-Mama oder Single-Papa auch endlich einmal Zeit für sich. Und wenn Sie abends gerne ausgehen möchten, haben Sie Ihren Babysitter immer dabei.
Sandra Schmid / www.baby-und-familie.de; 12.07.2011
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