Mit Kindern in die Berge

Wandern schon mit Baby oder Kleinkind, geht das? Aber ja! Mit unseren Tipps können Eltern mit großen und kleinen Kindern die Gipfel sicher und entspannt stürmen

von Madlen Ottenschläger, aktualisiert am 11.05.2016

Wer mit Kindern in den Bergen unterwegs ist, sollte ein paar Regeln beachten

Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

Ab wann können Kinder mit auf den Berg?

"Ein Mindestalter gibt es nicht, Wandern geht mit Kindern jeden Alters. Auch Babys und Kleinkinder können mit auf den Berg", sagt Caroline Chaillié, Expertin für Familienbergsteigen beim Deutschen Alpen­verein (DAV) in München. Vorausgesetzt, Tour und Equipment passen zum ­Alter des Kindes. Babys werden in Trage­tüchern oder Trage­hilfen getragen. Sie sollten dabei in der Spreiz-Anhock-Haltung sitzen, also mit dem Gesicht zum Tragenden schauen. Nur dann ist ihr Rücken rund, Haltungsschäden werden vermieden.

Sobald ein Kind selbstständig sitzt, wechselt es in die ­Kraxe. Einen direkten Körperkontakt wie im Tuch oder Sitz gibt es nun nicht mehr. Nachteil: Der Tragende fühlt die Körper­temperatur des Kindes nicht. Und weil die Kleinen sich in der Kraxe kaum bewegen, können sie überhitzen oder auskühlen. Deshalb: regelmäßig die Haut kontrollieren, Kinderkleidung für jedes Wetter einpacken und regelmäßige Bewegungspausen für die Kinder machen.


Caroline Chaillié ist Expertin für Familienberg­steigen beim Deutschen Alpenverein in München

W&B/Privat

Was gehört in den Wanderrucksack?

"Proviant, Kleidung und die Erste-­Hilfe-Ausrüstung", sagt Caroline Chaillié. Pro Kind und Erwachsenem muss mindestens ein Liter Flüssigkeit gerechnet werden; am besten ­Wasser, alternativ geht auch Fruchtsaftschorle. Als Pro­­viant empfiehlt die DAV-Expertin Obst (für ein Mehr an Flüssigkeit!), Brot (für energiereiche Kohlenhydrate) und Müsliriegel. Da es in den Bergen schnell kühl werden kann, muss e­ine wärmende (Funktions-)Jacke mit. Auch Sonnenhut und -creme gehören zur Standard­ausrüstung. Für Er­wachsene sinnvoll ist ein Wechsel-Shirt, besonders, wenn das Kind getragen wird. Man schwitzt oft stark – und kühlt dann bei einer Pause aus. ­

Kinder brauchen ein komplettes Set an Wechselkleidung. Und ­Extra-Socken! Geht es ­über einen Bach, sind die Füße ruckzuck nass.

Was tun bei kleinen Verletzungen?

In das Erste-Hilfe-Set gehören Pflaster und Desinfektionsmittel, um Schürfwunden zu behandeln. Mit einer Pinzette können Splitter entfernt werden – Kinder holen sich diese etwa beim Spielen im Wald. ­Gute Dienste leis­ten auch eine Zeckenkarte und ein Gel, um Insektenstiche zu lindern. Die häufigsten kleinen Bergverletzungen sind aber Blasen. Deshalb: In den ­­Pausen ­alle Kinderfüße kontrollieren, auf Rötungen kommt ein (Blasen-)Pflaster.

Geschieht ein größerer Unfall und der Verletzte kann nicht mehr allein gehen oder das Kind nicht getragen werden, schützt eine sogenannte Rettungs­folie vor Auskühlung, während man auf Hilfe wartet. Eine Rettungsfolie kann ganz klein gefaltet werden und ist extrem platzsparend; sie gehört in jeden Wanderrucksack.

Was sollten Familien vor der Wanderung beachten?

In den Bergen kann sich das Wetter ­rasant ändern. Deshalb ist es Pflicht, sich vorab und dann nochmals kurz vor einer Tour über das ­Wetter zu informieren – für die Alpen etwa auf der ­Seite des Alpenvereins, Stichwort Berg­wetter. ­Raten Einheimische wie zum Beispiel Hütten­wirte von einer Wanderung ab, bitte darauf ­hören, auch wenn der Himmel noch so blau ist!

"Informieren Sie auch immer jemanden über die geplante Tour: Wo wollen Sie hin? Wann ­wollen Sie zurück sein?", sagt Chaillié. So kann im Notfall rasch und ziel­gerichtet eine Rettung eingeleitet werden. Die Nummer der Bergrettung im ­Handy ­speichern. In Deutschland ist das die zen­trale Notrufnummer 112, in Österreich (Inland) die 140, in der Schweiz (Inland) die 14 14.

Wann ist eine Tour familienfreundlich?

Erwachsene Wanderer sind oft Gipfel-Fetischisten. Sie wollen in die höchsten Höhen und zum besten Ausblick. Kinder leben eher nach der Weisheit: Der Weg ist das Ziel. Sie spielen mit Stöckchen am Weges­rand, und niedliche Ziegen auf einer Alm sind für sie interessanter als das tollste Watzmann-Panorama. "Deshalb sollte die Tour für Kinder abwechslungsreich sein, gern mit Highlights wie einer Ruine, einem Wildbach oder Tieren", sagt Caroline Chaillié. Und natürlich muss der Weg ­sicher sein, das bedeutet nicht ausgesetzt und ohne Absturzgefahr. ­

Gute Kinder-Touren findet man zum Beispiel in speziellen Familien-Wander­führern; ebenso sind viele Touris­tenbüros auf Familien eingestellt und machen Vorschläge. Wenn man wegen des Geländes unsicher ist, kann man dort ebenfalls nachfragen.

Wie lange können Kinder wandern?

Die Faustregel lautet: Kindergartenkinder brauchen für eine ­Strecke etwa 1,5 Mal so lang wie Erwachsene. Die Gehzeiten für ­Erwachsene stehen in Tourenbüchern oder auf den Wander-Wegweisern. Wie lang eine Tour aber sein darf, damit Kinder sie schaffen und dabei auch Spaß haben, hängt vom ­­Alter, der Kondition und der Wander-Lust des Nachwuchses ab. Weil Letztere auch tagesabhängig ist, sind ­Touren ideal, die flexibel verlängert oder verkürzt werden können.

Wichtig: Beim Zeitbudget müssen unbedingt Pausen mit­gedacht und zusätzlich eingeplant werden! Der Deutsche Alpenverein rät zu etwa einem Stopp pro Stunde.­ Denn können Kinder nicht immer mal wieder nach Herzenslust spielen und toben, verlieren sie schnell die Wanderlust. "Doch ­Pause machen ist für Kinder etwas anderes als für Erwachsene", erläutert ­Caroline Chaillié. "Sie erholen sich, indem sie Verstecken spielen oder einen Staudamm bauen. Ruhig sitzen können sie nur kurz."

Für Kinder­gartenkinder emp­fiehlt die Expertin maximal eine Drei- bis Vier-Stunden-Tour, wenn man den ganzen Tag (etwa sechs Stunden) Zeit für die Wanderung hat. Grund­schulkinder schaf­fen bis zu fünf Stunden Wegzeit.



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