Elektromagnetische Strahlung gefährlich?

Babyfon, Smartphone, Mikrowelle: Viele Geräte im Haushalt geben elektromagnetische Strahlen ab. Wie gefährlich diese wirklich sind und wie man sich schützen kann
von Larissa Gaub, aktualisiert am 11.04.2017

Alu-Anzug oder Abstand halten? Es gibt viele Tipps zum Schutz vor Strahlung

F1online digitale Bildagentur GmbH, iStock/bombuscreative, W&B/Astrid Zacharias

Der Brei dreht in der Mikrowelle seine Runden. Zeit, um Oma und Opa schnell den letzten Schnappschuss vom Enkel per Whatsapp zu schicken, während ein Ohr dem Babyfon lauscht, ob das Kleine noch friedlich schlummert. Immer mehr technische Geräte bestimmen unseren Alltag. Smartphone, Laptop, Mikrowelle und selbst der Rasierapparat oder der Föhn: Fast alles, was ein Netzteil hat, sendet elektromagnetische Strahlung aus.

Ist das eigentlich gefährlich für uns? Diese Frage hinterlässt oft ein mulmiges Gefühl, denn viele Studien wollen beweisen, wie schädlich die unsichtbare Strahlung für Menschen sein soll. So etwa eine Studie aus den 80er-Jahren, bei der US-amerikanische Wissenschaftler einen statistischen Zusammenhang von Hochspannungsleitungen und einem erhöhten Leukämie-Risiko für Kinder erkennen wollten.


Verursachen Handys Hirntumore?

Auch das Handy steht unter Verdacht, krank zu machen: In epidemiologischen Studien analysierten Wissenschaftler die Rate von Hirntumoren bei Wenig- und Vieltelefonierern. Wer viel telefoniert, habe ein erhötes Risiko für eine bestimmte Art Hirntumor, lautete ihre Prognose.


Dr. Gunde Ziegelberger, Strahlenexpertin beim Bundesamt für Strahlenschutz

W&B/Privat

Die Internationale Agentur für Krebsforschung stufte im Jahr 2011 hochfrequente elektromagnetische Strahlung, wie sie etwa bei Smartphones entsteht, als möglicherweise krebserregend ein. "Zum Vergleich: Möglicherweise krebserregend sind mehr als 250 Substanzen in unserem Alltag. Zum Beispiel auch saures Gemüse oder zu heiße Getränke", erklärt Dr. Gunde Ziegelberger vom Bundesamt für Strahlenschutz. Sie beruhigt: "Bis heute konnten die Ergebnisse aus den Studien nicht bestätigt werden."

Im Gegenteil: In einer Studie aus dem Jahr 2011, an der sich weltweit 13 Länder beteiligten, konnte kein erhöhtes Tumorrisiko durch Mobilfunknutzung festgestellt werden. Vollständige Entwarnung gibt es aber noch nicht. "Ob Vieltelefonierer in 30 bis 40 Jahren einen Gehirntumor entwickeln können, wissen wir heute nicht. Denn so lange haben wir das Handy noch nicht", sagt Ziegelberger.


Elektromagnetische Strahlung: Diese Grenzwerte gelten

Um einschätzen zu können, wie gefährlich elektromagnetische Strahlen für den Körper sind, unterteilen Physiker sie nach ihren Eigenschaften. Demnach sind ionisierende Strahlen, dazu gehören UV- und Röntgenstrahlen, gefährlich. Sie können dosisabhängig Hautkrebs verursachen oder das Erbgut schädigen. Deshalb sollten zum Beispiel Schwangere nicht geröntgt werden.


Professor Achim Enders vom Institut für Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) in Braunschweig

W&B/Privat

Handystrahlen, Radiowellen oder Bluetooth ordnen Experten den nicht-ionisierenden elektromagnetischen Strahlen zu. Vorsorglich gibt es hierfür gesetzlich festgelegte Grenzwerte, die eingehalten werden müssen. "Nach allem, was wir wissen, ist nicht-ionisierende Strahlung ungefährlich, solange die gesetzlich festgelegten Grenzwerte nicht überschritten werden", sagt der Physiker Professor Achim Enders von der Technischen Universität Braunschweig.

Die spezifische Absorptionsrate, kurz SAR-Wert, gibt es seit 1998. In Watt pro Kilogramm misst sie, um wie viel Grad sich der Körper durch aufgenommene Strahlung erwärmt. Eine Erwärmung um bis zu ein Grad Celsius gilt als unbedenklich. Enders fügt hinzu: "Stellen Sie sich vor, Sie nutzen alle elektrischen Geräte, die unseren Alltag erleichtern, in einem komplett abgeschirmten Raum ohne Fenster und Tür. Die Grenzwerte würden Sie nicht erreichen."


So können Eltern Strahlung reduzieren

Ob sich Mobilfunk-Strahlung langfristig auf die Gesundheit von Babys und Kleinkindern auswirkt, ist noch wenig erforscht. Dr. Gunde Ziegelberger empfiehlt Eltern deshalb, die Strahlung im Alltag zu minimieren.

1. Abstand halten: Dürfen die Kleinen schon am Smartphone oder am Tablet spielen, liegt das Gerät besser auf dem Tisch. „Je weiter das Gerät vom Körper weg ist, desto geringer fällt die Strahlenbelastung aus“, so die Expertin. Wer telefoniert, macht das am besten mit einem Headset. Und unterwegs sollten die Geräte nicht direkt am Körper, etwa in der Hosentasche, getragen werden.

2. Offline spielen: Wenn Kinder auf dem Smartphone oder am Tablet spielen, können Eltern Programme für sie wählen, mit denen man nicht permanent online sein muss. Im Offline-Modus fällt keine Strahlung an.

3. Gerätefreie Zone: Im Schlaf- und Kinderzimmer verzichten Sie lieber auf Handys, Tablets oder andere elektrische Geräte. Das Babyfon muss sein? Dann stellen Sie den Sender einen guten halben Meter vom Baby entfernt auf.  

4. Auf das Siegel achten: „Handys mit einem niedrigen SAR-Wert (spezifischer Absorptionswert) gelten als strahlungsarm und werden mit dem Blauen Engel ausgezeichnet“, sagt Ziegelberger. Wer den SAR-Wert seines Handys genau wissen will, kann sich auf www.bfs.de informieren, der Website des Bundesamts für Strahlenschutz.

5. WLAN nutzen: Wo es möglich ist, sollten sich Handy oder Tablet mit dem WLAN verbinden, anstatt über den Vertragsanbieter den nächstgelegenen Funkmast anzupeilen. „Je kürzer die Strecke ist, die das Gerät zurücklegen muss, umso weniger strahlt es“, sagt Ziegelberger.

6. Daten manuell abrufen: Immer den Hintergrunddatenverkehr, wie Mailempfang, ausstellen. Allgemein gilt: Je schlechter der Empfang, umso mehr Sendeleistung muss das Handy aufbringen und umso mehr strahlt es. 



Lesen Sie auch:

Smartphone und Tablet

Schaden Smartphones und Tablets Kindern? »

Längst sind digitale Medien Teil der Kindheit. Aber ist das schlimm? Was machen Smartphones, Tablets und deren Apps mit den Kleinen wirklich? »

Mutter mit Kleinkind auf dem Schoß am Laptop

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Mutter mit Kind arbeitet vor dem Laptop

Entwicklungsnewsletter

Erhalten Sie alle zwei Wochen Infos zum ersten Lebensjahr Ihres Kindes »

Haben sie andere Freunde, seit Sie Eltern sind?

Geben Sie Ihrem Kind homöopathische Mittel?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages