Drucken

Babybilder im Internet: witzig oder gefährlich?

Bilder und Infos von ihrem Kind im Internet posten – das tun heutzutage viele Eltern. Es ist praktisch und lustig, aber es lauern auch Gefahren


Ein Foto vom Baby ist schnell ins Netz hochgeladen. Eltern sollten vorher aber die Risiken bedenken

Paulchen kann jetzt alleine aufs Töpfchen gehen!“ Mama Bea ist stolz. Samt windelfreiem Sohnemann strahlt sie ihren 367 Facebook-Freunden vom Bildschirm entgegen. „Gefällt mir“ klicken Oma Irmgard und Brieffreundin Rosa. Und Sabine aus der Krabbelgruppe ist ganz neidisch. „Ihr Glücklichen! Lisa-Marie hat heute Nacht kein Auge zugemacht“, kommentiert sie und tippt ein trauriges Smiley: „Schreckliche Blähungen“.


Ein paar schnelle Klicks und das ganze World Wide Web liest mit. Wow! Fotos per Post verschicken? Nicht mehr nötig! Die werden bei Twitter, meinVZ oder Google+ gepostet. Mama anrufen? Die ist doch im Chat! Der Freundin zur Geburt ihres Babys gratulieren? Wird via Facebook erledigt. Welch fortschrittliche Technik! Und so praktisch! „Aber auch nicht ganz ungefährlich“, sagt Mike Schnoor vom Bundesverband Digitale Wirtschaft aus Düsseldorf, Social-Media-Experte und Mitautor des Leitfadens „Meine Kinder in sozialen Netzwerken“. Denn grundsätzlich gilt: Je mehr Informationen Eltern über ihre Sprösslinge ins Internet stellen, desto stärker beeinflussen sie die virtuelle Zukunft der Kleinen.


Babyfotos können später zu Mobbing führen

Experte Schnoor weiß als zweifacher Vater, wie verlockend es sein kann, mit den lieben Kleinen im Netz zu posieren. „Eltern sind einfach stolz auf ihre Kinder und möchten das mit möglichst vielen Menschen auf der Welt teilen“, sagt er. Und am liebsten sofort. Schnell ein Bild vom Wochenende hochladen, schon hat die in ganz Deutschland verstreute Familie das Foto vom Nachwuchs direkt auf dem Bildschirm.

Mike Schnoor warnt trotzdem davor, die Bilder der Kinder öffentlich im Internet zu präsentieren. „Gerade bei pubertierenden Jugendlichen sind Fotos aus der Baby­zeit oft ein Grund für Mobbing“, sagt er. Und: „Wollen Kinder in 15 Jahren wirklich von ihren Verdauungsproblemen als Kleinkind lesen?“ Also am besten vorher überlegen: Würde man das, was man übers Kind ins Netz stellt, auch gerne über sich lesen?

Infos nur für Ausgewählte zugänglich machen

Und nicht nur das. Auch Pädophile könnten sich – im schlimms­ten Fall inklusive Ortsangabe in der Bildunterschrift – an ungeschützten Fotos bedienen. Schnoor rät ­Eltern deshalb dazu, Bilder nur in geschlossenen Netzwerkgruppen zu teilen oder als E-Mail zu verschicken. Anstelle der richtigen Kindernamen empfiehlt er, Pseudonyme zu benutzen. „Töchterchen“ oder „Zwerg“ zum Beispiel. „Dann kann auch der Name meines Kindes nicht mit peinlichen Kommentaren oder Statusmeldungen in Verbindung gebracht werden“, erklärt er.

Schutz bieten vor allem die Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken. „Sämtliche Profil­informationen und Bilder sollten nur für ausgewählte Kontakte sichtbar sein“, sagt Schnoor. Auch bei deren Auswahl sollte man mit Bedacht vorgehen. Ist jeder meiner Internet-Kontakte wirklich ein Freund? „Bevor ich eine Freundschaftsanfrage annehme, sollte ich mir überlegen, ob mir dieser Mensch so nahesteht, dass ich Privates mit ihm teilen möchte“, sagt Schnoor.

Auffindbarkeit am besten begrenzen

Ebenfalls wichtig: auf die Suchmaschinen-Optionen in sozialen Netzwerken achten. „Suchmaschinen machen es Fremden besonders einfach, nur mit einem Namen jede Menge Infos über eine Person zu bekommen“, sagt Schnoor. Er empfiehlt, die Suchmaschinen-Auffindbarkeit auszuschalten. Wie viele Informationen es im Internet über das eigene Kind bereits gibt, können Eltern leicht prüfen. „Den Namen bei einer Suchmaschine eingeben und tes­­ten, ob Informationen und Bilder angezeigt werden“, sagt Schnoor. Ist das der Fall, sollte man die Privatsphäre-Einstellungen ändern und unliebsame Inhalte löschen.

Das ist vor allem mit Blick auf die Zukunft von Bedeutung. „Wir wissen nicht, wie sich das Internet entwickelt“, so Schnoor. Schon jetzt gibt es in manchen Netzwerken eine automatische Gesichtserkennung, die anhand von charakteristischen Merkmalen Menschen auf Fotos zuordnet. Die Timeline-Funktion macht das Leben von Geburt an gezielt öffentlich. Wer weiß, was in 20 Jahren möglich ist? Gehen Versicherungen dann im Netz auf Vergangenheits-Recherche, um den monatlichen Beitrag festzulegen? Checken Arbeitgeber via Suchmaschine die Familien­verhältnisse ab, bevor sie einen Auszubildenden einstellen? „Völlig auszuschließen ist das in ein paar Jahren vielleicht nicht mehr“, sagt Schnoor. Paulchen und Lisa-Marie würden sicher nicht den „Gefällt mir“-Button klicken.




Bildnachweis: Stockbyte/RYF

Julia Schulters / Baby und Familie; aktualisiert am 02.05.2014, erstellt am 08.05.2012
Bildnachweis: Stockbyte/RYF

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren  »

Haben Sie als Schwangere viel über mögliche Vornamen diskutiert?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages