Fördern: Wie Ihr Kind profitiert

Die wollen nur spielen! Und das ist gut so: Kinder eignen sich dabei eine Menge Fertigkeiten an. So können Eltern sie unterstützen

von Tanja Pöpperl, aktualisiert am 13.01.2017

Spielend neue Fähigkeiten erwerben: Puzzles fördern die Konzentration von Kindern

Shotshop/Photography33

Grimassen schneiden vor dem Spiegel beim Zähneputzen, das Stapeln von Erbsen auf dem Teller: Bei Kindern verwandeln sich selbst einfache Alltagshandlungen schnell in ein Spiel. 15.000 Stunden spielen sie im Durchschnitt bis zu ihrem vollendeten sechsten Lebensjahr, schätzen Forscher – das entspricht etwa acht Stunden pro Tag.

"Schon im Babyalter begreifen die Kleinen auf spielerische Weise Zusammen­­hänge, die ihr Vertrauen in die Umwelt stärken", erklärt André Frank Zimpel, Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg. Dazu zählt zum Beispiel, dass die Mama beim Kuckuckspiel nicht wirklich verschwindet, sondern hinter den Händen wieder auftaucht. "Spiele machen die Welt weniger beängstigend und fördern die geis­tige und körperliche Entwicklung. Die Kinder suchen dabei Anregungen, wollen aber nicht überfordert werden."


Deshalb brauchen sie ausreichend Raum und Zeit, um eigene Spiele zu entdecken. Normalerweise wählen Kinder genau das aus, was ihrem Entwicklungsstand entspricht und einen Mix aus Spannung und Sicherheit bietet. So helfen Sie Ihrem Kind:


Motorik fördern

So ein Körper ist eine ziemlich spannende Sache. Beim Spielen lernen die Kleinen, ihn von Kopf bis Fuß zu beherrschen. "Kinder spüren im Lauf ihrer Entwicklung, dass sie Reflexe und Impulse zunehmend kontrol­lieren können und Gebieter über den eigenen Körper werden. Das verschafft ihnen ein Gefühl von ­Freiheit", erklärt ­André Zimpel. So macht es Babys riesigen Spaß, wenn sie gelernt haben, den Greifreflex zu überwinden – und sie Dinge plötzlich scheppernd zu Boden fallen lassen können. Dabei lässt man sie am bes­ten mit Gegenständen hantieren, die interessante Geräusche machen oder unterschiedliche Flugbahnen nehmen. Kinder zwischen einem und drei Jahren sind meistens begeistert von Steck- oder Stapelspielen und schulen dabei die Auge-Hand-Koordination.

Außerdem lieben sie es, zu balancieren und zu ­klettern. Je geschickter Kinder feinmotorisch werden, desto mehr Freude haben sie an Spielen, die ­eine ruhige Hand erfordern, wie Perlen auffädeln oder Bausätze zu­sammenstecken. Eltern sind beim Balance-Akt als Sicherheitsnetz und staunende Zuschauer gefragt, bei kniffligen Handarbeiten dürfen sie motivieren und auch mal kleine Tipps geben.


Kreativität fördern

Eine Teestunde mit Sandkuchen und Matschwasser ­abhalten oder sich mit einem Kostüm in eine Prin­zessin, einen Ritter oder ein Tier verwandeln: je kreativer, desto besser. "Es ist für Kinder ein großer Schritt, wenn sie im Spiel so tun, als ob. Wir ­sprechen dann von Sujet- und Rollenspielen", erklärt der Psychologe. Beim Sujetspiel ordnen die Kleinen Gegenständen eine erfundene Bedeutung zu – und zeigen damit Symbolverständnis. Sie schieben zum Beispiel ­einen Bauklotz mit "Brumm-Brumm" als Auto durch das Zimmer.

Ab zirka drei Jahren lieben die meis­ten Kinder Rollenspiele wie Mutter-Vater-Kind. Sie fühlen sich ganz groß, wenn sie beim Einkauf im Supermarkt die Mutterrolle übernehmen und die Einkäufe in den Wagen legen dürfen. "Ab fünf Jahren werden die Rollenspiele komplizierter, es gibt ausgefeilte Absprachen und richtige Dreh­bücher, die eingehalten werden", berichtet Zimpel. Die Kleinen ­freuen sich immer über witzige Ideen, die ihre Eltern ins Spiel einbringen, und sind dankbar für Kostüme und Accessoires zum jeweiligen Thema.


Sprache fördern

Es ist für alle Beteiligten ein kleines Wunder, wenn zum ersten Mal ein "du-du" oder "ba-ba" aus Babys Mund erklingt. Doch bis zu einem klar verständlichen Satz müssen die Kleinen erst noch lernen, Zunge und Mundmuskulatur richtig einzu­setzen und genau hinzuhören, was die Erwach­senen so von sich geben. Vorlesen ist deshalb die beste spielerische Schulung für jeden Sprachanfänger. Ab circa anderthalb Jahren haben Kinder Freude daran, Tierlaute zu imitieren – das stärkt ganz nebenbei die Stimmmuskulatur.

Mit zwei, drei Jahren eignen sich auch Pustespiele mit einem Wattebausch, Seifen­blasen machen, durch einen Strohhalm trinken oder Rosinen mit gespitzten Lippen vom Teller picken. Kinder, die flüssiger sprechen, bringt man mit Zungenbrechern wie "Zwischen zwei Zwetschgenzweigen sitzen zwei zwitschernde Schwalben" zum Kichern, zum genauen Hinhören und Nachsprechen. "Die Größeren genießen es, sich in Rollenspielen ihrer Rolle entspre­chend auszudrücken", so Zimpel. Eltern können Stichworte liefern, die etwa zur Ritterzeit oder Feenwelt passen, und den Wortschatz erweitern.


Konzentration fördern

Jeder Erwachsene, der schon mal haushoch bei einem Kartenspiel gegen einen Winzling ver­loren hat, weiß: Die Kleinen können topkonzentriert sein und sich als echte Gedächtniskünstler erweisen. Das ­funktioniert aber erst, wenn sie sich be­reits sprachlich ausdrücken können. "Sprache ist das wichtigste Werkzeug, um Dinge zu bewahren. Gedächtnis und die Sprache entwickeln sich paral­lel", bestätigt André Frank Zimpel. "Spiele mit Bildern und Symbolen unterstützen die Merkfähigkeit zusätzlich." Deshalb sind Puzzles und Kartenlege-Spiele in jeder Form so geeignet, um Aufmerk­samkeit und ein gutes Gedächtnis zu fördern. ­

Größere Kinder fühlen sich herausgefordert, wenn man kleine Rätselspiele veranstaltet. Dabei muss sich ­einer die Augen zuhalten und sagen, welche Farbe das T-Shirt der Schwester hat oder Ähnliches. Oder man muss einen Geschmack einem Lebensmittel zuordnen.


Sozialverhalten fördern

Eben noch strahlender Sieger, in der nächsten ­Runde Verlierer – Spielen vermittelt Kindern eine große emotionale Bandbreite. Gerade bei Spielen, die nach festen Regeln ablaufen, erfahren die Kleinen, dass nicht immer alles nach Wunsch läuft. Je kleiner das Kind, desto freier sollte das Spiel ablaufen. Schöne "soziale" Spielideen ab etwa anderthalb Jahren ­bieten Kaufladen oder Postamt, da man kleine Aufträge erteilen und ein Verständnis für Geben und Nehmen vermitteln kann.

Ab etwa drei Jahren genießen es Kinder, im Kasperletheater aufzutreten. Sie lernen so, sich nicht alleine in den Vordergrund zu spielen, gemeinsam ein Szenario zu entwickeln, sich abzu­sprechen. Ab fünf Jahren machen Kindern feste Regelspiele Spaß – andere zu korrigieren inklusive: "Hey, nicht über die ­Linie treten!" Eltern können diesen Sinn für ­eine ­klare Ordnung unterstützen, indem sie pro Runde einen neuen Schiedsrichter ernennen oder ihre Kinder ermutigen, etwa ein neues Ballspiel nach ganz eigenen Regeln zu erfinden.



Schreiben lernen

Mädchen lernt schreiben

Schon im Kindergarten schreiben lernen?

Oft interessieren sich schon Kindergartenkinder für Buchstaben. Sollen Eltern dann schon das Schreibenlernen fördern? »

Mutter mit Kleinkind auf dem Schoß am Laptop

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Mutter mit Kind arbeitet vor dem Laptop

Entwicklungsnewsletter

Erhalten Sie alle zwei Wochen Infos zum ersten Lebensjahr Ihres Kindes »

Bewegung

Mädchen spielen

Klatschspiele für Kinder

Kinder lieben es, zu Liedern oder Reimen in die Hände zu klatschen. Wir stellen Ihnen Spiele für jedes Alter vor »

Kreativität

Kind spielt im Kinderzimmer

Das fördert die Kreativität

Beim Malen, Basteln und Bauen leben Kinder ihre Fantasie aus. So unterstützen Eltern die Kreativität »

Sprache

Kleinkind

Sprechen lernen: So fördern

Ihr Kleines fängt an zu sprechen, manchmal hakt es aber noch? Was Eltern dann tun können »

Konzentration

Mädchen mit Konzentrationsstörung

Konzentration: Wie lange sollten Kinder still sitzen können?

Kinder müssen ihre Aufmerksamkeit erst langsam trainieren. So geht's »

Geben Sie Ihrem Kind homöopathische Mittel?

Teilen Sie sich die Elternzeit mit Ihrem Partner?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages