Fieberkrämpfe

Krampfanfälle, die bei Fieber auftreten, können harmlose Fieberkrämpfe sein. Andere Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Meist sind Säuglinge und Kleinkinder betroffen

aktualisiert am 07.06.2016

Hohes Fieber kann bei manchen Kindern zu Krämpfen führen

W&B/Christine Beckmann

nach obenWas sind Fieberkrämpfe?

Bei hohem oder rasch ansteigendem Fieber neigen zwei bis fünf Prozent aller Kinder in frühen Jahren zu Fieberkrämpfen. Wie bei einem epileptischen Anfall wird das Kind bewusstlos und der ganze Körper zuckt unkontrolliert. In 90 Prozent der Fälle ist der Spuk nach ein paar Minuten vorbei.

Beim ersten Mal sollten Sie unbedingt den Notarzt rufen, damit er eine schwere Erkrankung wie eine Hirnhautentzündung ausschließen kann. Fachleute unterscheiden zwischen einfachen und komplexen Fieberkrämpfen (siehe Abschnitt Symptome). Manche Eltern befürchten, dass ihr Kind während eines Anfalles ersticken könnte. Diese Sorge ist unbegründet. Ein Fieberkrampf ist üblicherweise nicht lebensbedrohlich und hinterlässt keine bleibenden Schäden.

Einen Krampfanfall ohne Fieber muss der Arzt immer genau abklären, um die Ursache zu finden.


Regelmäßige Temperaturkontrolle: Bei Fieber sinnvoll

W&B/Christine Beckmann

nach obenUrsachen

Die Ursachen für einen Fieberkrampf sind nicht genau bekannt. Es handelt sich wohl um eine erbliche Veranlagung. Das Gehirn reagiert in einer bestimmten Entwicklungsphase bei Fieber mit einem Krampfanfall. Auffällig ist, dass der Fieberkrampf üblicherweise zwischen dem sechsten Monat und dem fünften Geburtstag vorkommt und meist im ersten (raschen) Fieberanstieg auftritt. Weniger die Höhe des Fiebers, sondern die Schnelligkeit des Anstiegs scheint dabei entscheidend zu sein.

Grundsätzlich kann ein Fieberkrampf bei jedem fieberhaften Zustand auftreten. Dazu gehören Erkältungen oder Magen-Darm Infekte genauso wie Fieber bei einer Mittelohrentzündung, Lungenentzündung oder Harnwegsinfektion oder nach einer Impfung. Meist sind an sich harmlose Virusinfektionen die Fieberursache. So werden zum Beispiel beim Dreitagefieber gehäuft Fieberkrämpfe beobachtet.


Fieber macht Kinder oft schlapp

Imagesource/RYF

nach obenSymptome: Wie sieht ein Fieberkrampf aus?

Ihr Kind verliert das Bewusstsein, das heißt es ist nicht ansprechbar, verdreht die Augen, wird blass, der ganze Körper versteift sich und beginnt dann krampfartig zu zucken. Diese Phase kann auch fehlen und es kommt nur zu einer völligen Erschlaffung der Muskulatur. Die Atmung verlangsamt sich und der Körper kann sich blau verfärben. Blase und Darm sind nicht unter Kontrolle. Danach wirkt das Kind apathisch, kann sich an nichts erinnern und schläft oft mehrere Stunden tief und fest. Fieberkrämpfe verursachen Ihrem Kind keine Schmerzen – zumal es währenddessen in der Regel bewusstlos ist. Muskelkater in den Tagen danach ist normal.

Einfacher (auch unkomplizierter) Fieberkrampf: Er tritt im Alter zwischen sechs Monaten und vier Jahren in Verbindung mit Fieber auf, aber ohne Hinweis auf eine Entzündung des Gehirns oder Rückenmarks. Der Krampfanfall betrifft den ganzen Körper. Er endet vor Ablauf von fünfzehn Minuten und tritt während eines Tages nur einmal auf. Er hinterlässt weder einen geistigen noch einen körperlichen Schaden. Wiederholungsrisiko: 30 Prozent.

Komplexer (auch komplizierter) Fieberkrampf: Der Krampfanfall tritt vor dem sechsten Monat oder nach dem fünften Geburtstag auf, dauert länger als fünfzehn Minuten oder wiederholt sich mindestens einmal innerhalb eines Tages. Auch der komplizierte Fieberkrampf hinterlässt normalerweise weder einen geistigen noch einen körperlichen Schaden. Bei etwa vier Prozent ist er allerdings das erste Anzeichen einer Epilepsie. Ein Anfall der nur einzelne Körperpartien betrifft oder ohne Fieber auftritt, muss besonders abgeklärt werden.


Nach dem ersten Fieberkrampf sollte ein Arzt das Kind gründlich untersuchen

W&B/ Schneider

nach obenDiagnose

Nach dem ersten Fieberkrampf muss ein Kinderarzt beziehungsweise Spezialist die Ursache klären. Er wird das Kind gründlich untersuchen, um eine schwere Grunderkrankung (wie zum Beispiel eine Hirnhautentzündung) auszuschließen beziehungsweise den Fieberkrampf zum Beispiel von einer Unterzuckerung, einer kreislaufbedingten Ohnmacht oder einem Schüttelfrost abzugrenzen.

Der Arzt entscheidet auch, ob ein Elektroenzephalogramm (EEG) nötig ist. Bei dieser Untersuchung werden die Hirnströme gemessen. So lassen sich eventuell Hinweise auf ein Anfallsleiden (Epilepsie) finden.

Mit Hilfe der Computertomografie und Magnetresonanztomografie können die Strukturen des Gehirns sichtbar gemacht werden, um bei komplexen Fieberkrämpfen Abszesse, Fehlbildungen oder Tumore als Ursache auszuschließen.


Wadenwickel können das Fieber senken

W&B/Christine Beckmann

nach obenTherapie: Was tun bei einem Fieberkrampf?

Bewahren Sie Ruhe. Fieberkrämpfe sehen schlimmer aus, als sie sind. Neunzig Prozent aller einfachen Fieberkrämpfe enden nach wenigen Minuten. Lagern Sie Ihr krampfendes Kind so, dass es sich nicht verletzen kann – entfernen Sie spitze, scharfe oder kantige Gegenstände aus der Umgebung. Versuchen Sie nicht, die Zuckungen zu stoppen. Muss Ihr Kind erbrechen, drehen Sie es vorsichtig in die stabile Seitenlage.

Beim ersten Fieberkrampf Ihres Kindes sollten Sie unbedingt einen Notarzt rufen. Endet der Fieberkrampf nicht innerhalb von zehn Minuten, wird er ein krampflösendes Mittel (Antikonvulsivum) verabreichen. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, die Körpertemperatur zu messen und ein fiebersenkendes Zäpfchen mit dem Wirkstoff Paracetamol oder Ibuprofen in für das Kind passender Dosierung zu geben.

Neigt Ihr Kind zu Fieberkrämpfen, wird Ihr Kinderarzt Sie entsprechend beraten, was zu tun ist, wenn ein erneuter Fieberkrampf auftritt. Ob Sie weiteren Fieberkrämpfen eventuell durch fiebersenkende Maßnahmen vorbeugen können ist leider nicht sicher. Momentan wird empfohlen ab 38,5 Grad Celsius Körpertemperatur ein fiebersenkendes Mittel (zum Beispiel mit dem Wirkstoff Paracetamol oder Ibuprofen) entsprechend der ärztlichen Anweisung und in der für Ihr Kind passenden Dosierung zu geben. Nachdem ein Fieberkrampf jedoch oft beim ersten (noch gar nicht bemerkbaren) Fieberanstieg auftritt, können auch diese Maßnahmen nicht in allen Fällen verhindern, dass ein Fieberkrampf auftritt.

Eventuell verschreibt der Arzt Ihnen zusätzlich einen krampflösenden Wirkstoff, den Sie bei einem anhaltenden Anfall verabreichen können. Das kann eine Rectiole (eine Art Zäpfchen) sein, oder eine kleine Ampulle aus der man die Medikamentenlösung in den Mund gibt. Auch hier muss die Dosierung an das Alter beziehungsweise Körpergewicht des Kindes angepasst sein. Der Arzt wird Ihnen erklären, wann und wie Sie Ihrem Kind das Mittel verabreichen sollen. Als Richtlinie gilt etwa: Dauert ein Krampfanfall länger als zehn Minuten, sollte er mit Hilfe von Medikamenten unterbrochen werden.

Gut zu wissen: Auch wenn Fieberkrämpfe während der Fieberphase nach einer Impfung (zum Beispiel gegen Keuchhusten oder Masern) auftreten können, ist das kein Grund auf diese Impfung zu verzichten. Die möglichen Folgeschäden einer Erkrankung wie Keuchhusten oder Masern sind ungleich risikoreicher als ein einfacher Fieberkrampf. Es handelt sich auch nicht um einen Impfschaden.


Unser Experte: Dr. med. Guido Krandick

W&B/Privat

nach obenBeratender Experte

Dr. med. Guido Krandick ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Nach Studium in Bonn, Wien und Würzburg folgte eine fast zehnjährige Tätigkeit an der Kinderklinik Schwabing der TU-München. Seit 2000 führt er eine eigene Praxis südlich von München. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: W&B/ Schneider, W&B/Christine Beckmann, Imagesource/RYF, W&B/Privat
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